Mit zwei starken künstlerischen Positionen eröffnet die Landesgalerie Burgenland den Herbst: Ralo Mayer widmet sich in seiner Ausstellung 47 Stoffe den unsichtbaren Erzählungen, die in Dingen, Materialien und Räumen verborgen sind. Parallel dazu zeigt Linda von Alten im Kabinett ihre poetisch-figurativen Malereien, die mit kräftigen Farben und archetypischen Frauenfiguren gegen Erstarrung und Tristesse antreten. Gemeinsam spannen die beiden Ausstellungen einen Dialog zwischen Stoff und Figur, Fragment und Vision, Wissenschaft und Poesie.
Die Landesgalerie Burgenland lädt von 25. Oktober 2025 bis 25. Januar 2026 zu einer doppelten Entdeckungsreise ein: Zwei Ausstellungen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, erweisen sich im Zusammenspiel als spannungsreicher Dialog über das, was uns trägt, bewegt und umgibt.
Mit 47 Stoffe widmet sich der in Wien lebende Künstler Ralo Mayer der Vielschichtigkeit von Materie. Für ihn ist „Stoff“ nicht nur Material, sondern zugleich Speicher von Geschichten und Projektionsfläche für das, was noch nicht erzählt oder gedacht wurde. In seiner raumgreifenden Schau kommen Keramiken, Fotografien, Meteoriten, Filme und textile Oberflächen ebenso zusammen wie literarische Texte und geschlossene Ökosysteme. Ausgangspunkt seiner künstlerischen Forschung sind Orte, an denen Utopien und Krisen ineinandergreifen: die experimentelle Biosphere 2 in der Wüste Arizonas, die glitzernden, aber vergänglichen Illusionen Hollywoods oder die Geschichte der Raumfahrt. Mayers Werke öffnen Räume für Fragmente, die sich einer linearen Erzählung entziehen, und laden das Publikum dazu ein, das „Noch-nicht-Erzählte“ zu denken – als Reflexion über unsere gemeinsame Gegenwart und mögliche Zukünfte.

© Linda von Alten
Während Mayer in die Weiten von Stoff, Geschichte und Science-Fiction aufbricht, richtet Linda von Alten im Kabinett der Galerie den Blick nach innen – auf das Menschliche, das Archetypische. Ihre Malerei ist ein poetisches, kraftvolles Gegenbild zu einer erstarrten, farblosen Welt. Mit expressiven Pinselstrichen und leuchtenden Farben beschwört sie weibliche Figuren von mythischer Präsenz: Weise, Mutige, Diven. Aus ozeanischen Blütenmeeren steigen sie empor, selbstbewusst und zugleich träumerisch, als Verkörperungen eines anderen Zustands, der Hoffnung, Freiheit und Neuanfang bedeutet. Von Alten, selbst Biologin, verknüpft in ihrer Malerei Naturerfahrung, weibliche Archetypen und eine zutiefst humanistische Vision.
So unterschiedlich die künstlerischen Ansätze erscheinen mögen – gemeinsam eröffnen sie eine faszinierende Perspektive auf die Beziehung zwischen Mensch und Welt. Mayer verwebt Materialien und Geschichten zu offenen Systemen voller Möglichkeiten, während von Alten mit Farbe und Figur neue Sichtweisen auf Frausein, Natur und Gesellschaft anbietet. Beide Positionen eint der Wunsch, dem Sichtbaren eine tiefere Dimension zu verleihen: das Fragmentarische sichtbar zu machen, das Verhärtete aufzubrechen, das Kommende zu denken.
Die Landesgalerie Burgenland macht damit einmal mehr deutlich, wie vielfältig zeitgenössische Kunst auf unsere Gegenwart reagiert – experimentell, poetisch und stets mit einem offenen Blick auf das, was noch werden kann.
25. Oktober 2025 bis 25. Januar 2026
https://landesgalerie-burgenland.at






