Schloss Ambras Innsbruck zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Österreichs und ist als ältestes Museum der Welt prägend für das kulturelle Erbe Europas. Der Tiroler Landesfürst Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595), Sohn Kaiser Ferdinands I., ließ die mittelalterliche Burg Ambras als Geschenk an seine Frau Philippine Welser zum prachtvollen Renaissanceschloss ausbauen.

Ferdinand II. entstammte einer der bedeutendsten europäischen Herrscherdynastien. Zunächst war er fast 20 Jahre lang mit der Funktion des Statthalters im Königreich Böhmen betraut und residierte ab 1547 in Prag. In Innsbruck lenkte er rund 30 Jahre die Geschicke der Grafschaft Tirol und der Österreichischen Vorlande. Ferdinand entwickelte an den Orten seines Wirkens eine ausgeprägte höfische Repräsentationskultur. Als humanistisch gebildeter Fürst trug er wesentlich zur Verbreitung der Renaissance in Mitteleuropa bei.
Ferdinand II. war eine der bedeutendsten Sammlerpersönlichkeiten der Habsburger- dynastie. Eigens ließ er für seine berühmten Sammlungen das Ambraser Unterschloss errichten – einen der frühesten Bauten für den exliziten Verwendungszweck als Museum überhaupt. Heute ist es das einzige noch bestehende Gebäude, für das bereits in der Renaissance der Begriff „Museum« verwendet wurde und in dem große Teile der Sammlungen noch immer ausgestellt sind: das älteste Museum der Welt! Mit seiner gänzlich neuen Idee des systematischen Sammelns und Präsentierens der „Heldenrüstkammer„ gilt Ferdinand als der Begründer des modernen Museums. Die Kunst- und Wunderkammer ist als einzige am ursprünglichen Ort erhaltene Kunst- kammer der Renaissance ein unvergleichliches Kulturdenkmal.
Heute noch ist ein großer Teil Erzherzog Ferdinands II. Kostbarkeiten in drei Rüstkammern und der Kunst- und Wunderkammer zu bestaunen: Objekte aus Kristall, Silber und Gold, Bronze, Glas, Holzdrechselarbeiten, Harnische und Waffen, Gemälde, neueste wissenschaftliche Instrumente sowie Musikinstrumente, Spielautomaten, rare, exotische und außergewöhnliche Gegenstände aus Naturmaterialien, Luxusartikel aus den neu entdeckten Ländern aus Übersee und vieles mehr, wie auch Porträts von Menschen oder Tieren, die als »Wunder der Natur« galten.
Der Spanische Saal unterhalb des Hochschlosses zählt zu den prächtigsten Saalbauten der Renaissance. Der lichtdurchflutete Repräsentationssaal imponiert durch seine grazile Leichtigkeit von architektonisch vollkommener Ausgeglichenheit. Im Sommer erklingt darin Musik, etwa im Rahmen der „Ambraser Schlosskonzerte” und der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Auf drei Stockwerken des Hochschlosses befindet sich die berühmte „Habsburger Porträtgalerie”. Über 200 Bildnisse erzählen Geschichte und Geschichten von Mitgliedern der großen europäischen Dynastien. Die Gemälde aus dem 15. bis 18. Jahrhundert stammen von Meistern wie Hans Burgkmair, Lukas Cranach d. J., Giuseppe Arcimboldo, Peter Paul Rubens, Diego Velázquez und anderen.
Die „Glassammlung Strasser” ist eine der bedeutendsten Glassammlungen weltweit. Kostbare Gläser aus den wichtigsten europäischen Glaserzeugungsgebieten bieten einen faszinierenden Einblick in die Geschichte und Technik der Glaskunst von der Renaissance bis zum Barock. Architektonisches Herzstück des Hochschlosses ist der mit Grisaillemalereien geschmückte Innenhof mit Szenen aus der römischen Geschichte und antiken Mythologie. Durch die Verwendung unterschiedlicher Grautöne wird der Eindruck eines Reliefs erzeugt. Der Innenhof zählt zu den am größten und am besten erhaltenen Beispielen der Freskenmalerei aus dem 16. Jahrhundert.
Frei ohne Ticket zugänglich ist die im Bergfried untergebrachte Sammlung gotischer Skulpturen, dessen berühmter St. Georgsaltar aus der Zeit Kaiser Maximilians I. stammt.
Beim „Bad der Philippine Welser” handelt es sich um die einzig vollständig erhaltene Badeanlage des 16. Jahrhunderts. Die Räumlichkeiten mit der riesigen Wanne gewährt Einblicke in die „Wellness”-Kultur der Renaissance.
Die Geschichte der St. Nikolauskapelle reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück und erhielt nach zahlreichen Umbauten ihr heutiges Erscheinungsbild im 19. Jahrhundert, als sie von August Wörndle ausgemalt wurde.
Das Arzneimittel- und Paradiesgärtchen verströmt den Duft von Heil- und Gewürz- pflanzen, angelehnt an das legendäre „Arzneimittelbuch der Philippine Welser”.
ganzjährig geöffnet

Sonderausstellung: Mode schauen. Fürstliche Garderobe vom 16. bis 18. Jahrhundert
Kostbare Textilien spielten von jeher eine wichtige Rolle als Mittel der Repräsentation und waren Ausdruck einer hohen gesellschaftlichen Stellung.
Nur ein elitäres Publikum konnte sich erlesene Stoffe leisten und durfte sich nach der neuesten Mode kleiden. Porträts, in denen sich Persönlichkeiten von Stand in aufwendiger Kleidung abbilden ließen, geben uns noch heute Auskunft über die einstige Beschaffenheit dieser Garderoben. Ihr Einfallsreichtum und die erlesenen Materialien ziehen uns nach wie vor in ihren Bann. Bis heute üben historische Garderoben eine große Faszination aus und inspirieren sogar namhafte Couturiers und Modehäuser.

Erzherzog Karl Joseph von Österreich (1649–1664) mit einem Eichhörnchen, Cornelis Sustermans, 1653/54, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Erzherzog Karl Joseph von Österreich (1649–1664) mit einem Eichhörnchen, Cornelis Sustermans, 1653/54, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Für die Ausstellung wird ein ganzes Stockwerk im Hochschloss von Schloss Ambras zur weitläufigen Ausstellungsfläche. Ausgewählte Gemälde von der Renaissance bis zum Barock aus der Habsburger Porträtgalerie legen dabei den Fokus auf die dargestellten Moden. Der „gemalten Mode“ werden dreidimensionale Originalobjekte gegenübergestellt. Zu sehen sind kostbare Gewebe, die ihren Weg in die Kleiderschränke der großen europäischen Dynastien fanden. So zählten Seidengewebe aufgrund ihres hohen Preises zu besonderen Luxusgütern. Ähnlich verhält es sich mit Accessoires: Schmuck aus fragilem Glas, Gold, Silber und Edelsteinen, aber auch Schuhe, Handschuhe, spitzenbesetzte Taschentücher und Fächer waren Personen von hohem und höchstem Rang vorbehalten. Prächtige Gewänder wie das Bräutigamskleid Kurfürst Augusts von Sachsen mit dazu gehörigen Strümpfen sowie seine seidengestrickte Oberhose oder das Wams eines Edelknaben aus dem Besitz Erzherzog Ferdinands II. vermitteln gemeinsam mit feinsten italienischen Spitzen, Schnürmiedern, einem Reifrock und Kopfbedeckungen einen Eindruck des modischen „Darunter“ und „Darüber“ aus drei Jahrhunderten.

Maria Magdalena von Österreich, Großherzogin von Toskana (1587–1631), Frans Pourbus d. J., 1603/04, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien © KHM-Museumsverband

Maria Magdalena von Österreich, Großherzogin von Toskana (1587–1631), Frans Pourbus d. J., 1603/04, Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien © KHM-Museumsverband

Es sind besonders rare Museumsstücke, da sich Textilien aufgrund ihrer Fragilität selten über die Jahrhunderte hinweg erhalten haben.
Einige der prominentesten Institutionen mit historischen Textilbeständen im deutschsprachigen Raum konnten als Leihgeber gewonnen werden: die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Germanische Nationalmuseum, das Bayerische Nationalmuseum, und das MAK. Textile Kostbarkeiten kommen aber auch aus der Prager Burg, dem Deutschen Ledermuseum Offenbach und dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Weitere Leihgeber sind die Albertina, die Tiroler Landesmuseen, die Universität für angewandte Kunst in Wien, das Stadtmuseum Innsbruck und das Insititut für Archäologien der Universität Innsbruck. Ein großer Teil der Objekte stammt aber schließlich, wie bei allen Sonderausstellungen in Schloss Ambras, aus den reichen Sammlungsbeständen des Kunsthistorischen Museums Wien und Ambras.
17. Juni bis 3. Oktober 2021

www.schlossambras-innsbruck.at