Im Herzen von Kobersdorf erhebt sich ein Gebäude, das weit mehr ist als ein Denkmal: die sanierte ehemalige Synagoge. Sie ist nicht nur ein architektonisches Zeugnis vergangener Jahrhunderte, sondern auch ein lebendiger Ort der Kultur, Wissenschaft und Bildung. Mit ihrer neuen Bestimmung wird sie zu einem Raum, der Geschichte bewahrt und zugleich Gegenwart und Zukunft inspiriert.
Das Burgenland setzt mit der ehemaligen Synagoge Kobersdorf ein starkes Zeichen: Es bekennt sich zu seinen jüdischen Wurzeln, zur Pflege seiner Traditionen und zur Verantwortung gegenüber den Opfern des NS-Terrors. Damit ist das Haus nicht nur Erinnerungsort, sondern auch Ausgangspunkt für Dialog, Reflexion und Begegnung.
Die ehemalige Synagoge Kobersdorf steht heute für vielfältige Veranstaltungen offen – von wissenschaftlichen Symposien bis zu kulturellen Programmen –, solange sie thematisch mit jüdischer Geschichte und Kultur verbunden sind. Besonders eindrucksvoll ist ihre Rolle in der Bildungsarbeit: Für Schulklassen werden Programme entwickelt, die Geschichte lebendig machen und bei Bedarf auch den jüdischen Waldfriedhof einbeziehen. So wird Erinnerung zu einem aktiven Prozess, der junge Menschen erreicht und sensibilisiert.

Ehemalige Synagoge Kobersdorf © Landesmedienservice Burgenland
Im Oktober entfaltet die ehemalige Synagoge Kobersdorf ein abwechslungsreiches Programm, das den stillen Charakter des Ortes mit künstlerischen Impulsen verbindet. Musikabende greifen die Melancholie wie auch die Hoffnung der Jahreszeit auf, Vorträge lassen Stimmen aus der Vergangenheit hörbar werden, und Filmvorführungen eröffnen Perspektiven auf Abschied und Neubeginn. Wer diesen Ort betritt, spürt: Die ehemalige Synagoge Kobersdorf ist kein stummes Relikt, sondern ein Resonanzraum. Sie lädt ein, Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern weiterzudenken – im Austausch, im gemeinsamen Erleben, in der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. So entsteht aus einem Ort des Gedenkens ein lebendiger Raum der Hoffnung und des Miteinanders.
Lange Nacht der Museen
Bereits zum 25. Mal findet heuer die „Lange Nacht der Museen“ statt. Kulturinteressierte haben von 18 Uhr bis Mitternacht die Möglichkeit, aus dem reichhaltigen Angebot zu wählen und mit nur einem Ticket zahlreiche teilnehmende Museen und Galerien zu besuchen. Die ehemalige Synagoge Kobersdorf nimmt dieses Jahr zum vierten Mal an der österreichweiten Veranstaltung teil und nutzt die Gelegenheit, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
4. Oktober 2025
Filmabend
The Danube Exodus
Péter Forgács | Ungarn/Niederlande 1998
60 min – De, hebr., engl. UT Im Jahr 1938 werden slowakische Jüdinnen und Juden mit Donauschiffen evakuiert und ins Schwarze Meer verschifft. Wenig später nimmt eines der Schiffe an der Evakuierung von Deutschen teil, die nach dem Hitler-Stalin-Pakt die rumänischen Gebiete in Bessarabien verlassen mussten. Der Kapitän des Schiffs filmte beide Vertreibungen. Aus diesem Filmmaterial hat der ungarische Regisseur Forgács ein erschütterndes Zeitdokument zusammengestellt, das auch Alltagsszenen an Bord des Schiffes zeigt und Einblick in das Leben der Vertriebenen bietet.
Eintritt: frei
6. Oktober 2025
Filmabend
Let´s keep it
Burgl Czeitschner | AT/US 2018 – 100 min
„Let´s keep it!“ ist ein Kino-Dokumentarfilm über die nach wie vor problematische Haltung der Republik Österreich zur Restitution von Liegenschaften, die von den Nazis gestohlen wurden und nach 1945 in das Eigentum Österreichs übergingen. Der Film ist auch eine Verbeugung der Regisseurin vor den Opfern des dunkelsten Kapitels Österreichs der jüngeren Geschichte. Eines Kapitels, das bis zu einem gewissen Grad verlängert erscheint, wenn es um die Restitution gestohlener Liegenschaften an die Nachkommen der Holocaust-Opfer geht. Im Anschluss findet ein Gespräch mit der Regisseurin Burgl Czeitschner statt.
13. Oktober 2025
Chorworkshop „Singt ojf Jiddish”
Bei einem gemütlichen Chorsingtag wird ein Blick in die jüdische Chorliteratur geworfen. Roman Grinberg, Musiker und Chorleiter des Wiener Jüdischen Chores, erkundet mit den Teilnehmenden jiddische Volkslieder und chassidische Gesänge.
19. Oktober 2025
SCHALOM KOBERSDORF: Wiener Jüdischer Chor – Prof. Roman Grinberg
Konzert anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes
Die Wiederbelebung des jiddischen Liedes ist das Herzstück des Wiener Jüdischen Chors. Mit Musik schlägt er Brücken zwischen verschiedenen Kulturen und feiert die Vielfalt der Gemeinschaft. Dies spiegelt sich auch im Repertoire wider: traditionelle jiddische, hebräische und sephardische Lieder werden mit neuem Leben erfüllt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Unter der künstlerischen Leitung von Prof. Roman Grinberg steht der Wiener Jüdische Chor für musikalische Exzellenz gepaart mit tief empfundener „Jiddischkeit“. Grinberg, selbst aus einer Musikerfamilie stammend und seit Jahrzehnten prägende Figur der modernen jüdischen Musikszene, versteht es, die traditionelle Musik nicht nur zu bewahren, sondern sie mit innovativen Arrangements und neuen Kompositionen weiterzuentwickeln.
19. Oktober 2025
Filmabend
Back to the fatherland
Katharina Rohrer, Gil Levanon | Deutschland 2018 – 79 min
Schon seit vielen Jahren sind Gil, die Enkelin von Holocaust-Überlebenden, und Kat, die Enkelin eines Nazi-Offiziers, miteinander befreundet. In ihrer Dokumentation „Back to the fatherland“ treffen sie auf Dan und Guy, zwei junge Israelis, die wie so viele ihrer Generation die Heimat verlassen, und sich ausgerechnet in Deutschland und Österreich – jenen Ländern, in denen ihre Großeltern verfolgt und ermordet wurden – ein neues Leben aufbauen. Besonders bei Familie und Freunden stoßen sie mit dieser Entscheidung auf Unverständnis. Im Verlauf des Films dokumentieren die Filmemacherinnen diese Auseinandersetzungen und begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit.
Im Anschluss findet ein Gespräch mit Regisseurin Katharina Rohrer statt.
20. Oktober 2025
Biografische Skizze eines NS-Täters
Im Zuge des Vormarsches der Roten Armee und der nahenden Niederlage des nationalsozialistischen Regimes wurden im Frühjahr 1945 auch im Burgenland zahlreiche Verbrechen an Gefangenen, ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verübt. Die Wut der zusammenbrechenden Diktatur richtete sich auch gegen diejenigen, die sich dem fanatischen Einsatz im nationalsozialistischen Endkampf widersetzen wollten. So führten etwa nationalsozialistische Funktionäre vor allem auf regionaler und lokaler Ebene einen beispiellosen Terror gegen die eigene Bevölkerung durch. Nikolaus Schorn wird zur Jahreswende 1944/45 als politischer Leiter zum Bau des Südostwalles an der burgenländischen Grenze abkommandiert. In der Endzeitstimmung des Dritten Reiches entladen sich sein Fanatismus, seine Herrenmenschen-Mentalität und sein Hang zur Gewalt in zahlreichen Tötungsdelikten an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.
22. Oktober 2025
Musik.GEDENK.Schule – Sommerfrische! Auf das Leben! L ‘Chaim!
Das Mittelburgenland war für Juden und Jüdinnen aus Wien eine beliebte Sommerfrischeregion. Der Abend steht in Erinnerung an diese Tradition. Musik zur Unterhaltung, Musik zum Fest, Musik zur Erheiterung, koscheres Essen und das Jiddische. Erinnert wird an das bis 1934 bestehende Salonorchester von Kobersdorf, an den in Kittsee geborenen jüdischen Geiger Maurus Knapp und an Gustav Pick aus Rechnitz, dem Komponisten eines bekannten Wienerliedes.
Musik: Jiddische Lieder, Wiener Lieder, Volksmusik, Unterhaltungsmusik, gespielt von Schüler:innen und Pädagog:innen der Musikschulen.
Eintritt: freie Spende
23. Oktober 2025

Ehemalige Synagoge Kobersdorf © Landesmedienservice Burgenland
Tag der offenen Tür in burgenländischen Museen: Ehemalige Synagoge Kobersdorf
Bereits zum 22. Mal findet am 26. Oktober 2025 in burgenländischen Museen der „Tag der offenen Tür“ statt. Alle Museen und Sammlungen, die sich an dieser Initiative des Kulturreferates beteiligen, können – sofern keine anderen Öffnungszeiten vermerkt sind – von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden. Die ehemalige Synagoge in Kobersdorf öffnet an diesem Tag ihre Pforten von 14 bis 16 Uhr. Im Rahmen der Themenführung erfahren Sie Details über das Jüdische Kobersdorf im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie über die bauliche Gestaltung und Restaurierung des prunkvollen Gebäudes.
26. Oktober 2025






