Ernst Ludwig Kirchner neu entdecken: Die Herbstausstellung „Ausdruck in Linie und Farbe“ rückt seine Zeichnungen, Pastelle und Aquarelle ins Licht – Werke voller Spontaneität, Energie und innerer Bewegung.

Wir kennen Kirchners monumentale Ölgemälde, ihre grelle Farbigkeit und expressive Wucht. Doch eine weniger beleuchtete, zentrale Facette seines Schaffens offenbart sich auf Papier: in Zeichnung, Pastell und Aquarell. Die Herbstausstellung „Ausdruck in Linie und Farbe“ widmet sich dieser essentiellen Werkphase und zeigt rund 150 Arbeiten aus dem reichen Museumsbestand von etwa 900 Blättern. Sie ermöglicht einen intensiven Blick auf die Entwicklung dieser Medien in Kirchners Hand – von den frühen „Brücke“-Jahren bis zu den späten Davoser Arbeiten.

Im Mittelpunkt stehen die farbigen Arbeiten auf Papier, insbesondere das Aquarell, das für Kirchner weit mehr war als bloßes Studienmedium. In seinen Händen wurde es zu einem selbstständigen Ausdrucksträger – leicht, fließend und von unmittelbarer Lebendigkeit. Während die Ölgemälde durch pastose Farbigkeit und körperhafte Präsenz beeindrucken, lebt das Aquarell vom Atem der Linie, vom Schimmer transparenter Farbschichten und der Bewegung des Augenblicks.

Thematisch führt die Ausstellung durch Kirchners künstlerische Welt: den menschlichen Körper, die urbane Szene, die Landschaft und die Davoser Umgebung. Jede Linie, jede Farbspur erzählt von seiner Wahrnehmung, seinem Temperament und seiner Suche nach Wahrhaftigkeit. Besonders eindrücklich sind die intimen Studien seiner Partnerin Erna Schilling – zarte Porträts, die Nähe und emotionale Tiefe zugleich zeigen.

„Ausdruck in Linie und Farbe“ eröffnet so einen neuen, unmittelbaren Zugang zu Kirchners Denken und Fühlen. Sie zeigt den Künstler als Meister der Linie und des Lichts – und lässt erkennen, dass seine vermeintlich leisen Werke auf Papier oft die lauteste Stimme tragen.
5. Oktober 2025 4. Januar 2026

kirchnermuseum.ch