Das brut Wien startet mit einem Programm in den Winter 2025/26, das unter die Haut geht. „Zeichen der Gerechtigkeit“ lautet das übergeordnete Thema – und tatsächlich wird hier nicht einfach über Gerechtigkeit gesprochen, sondern sie wird verkörpert, verhandelt und performativ in Szene gesetzt. Die Produktionen, die von Dezember bis Februar auf den Bühnen des Hauses zu sehen sind, führen vor Augen, wie politisch und poetisch zugleich zeitgenössischer Tanz und Performance sein können.
Reforest
Den Auftakt macht Reforest, eine atmosphärisch dichte Zusammenarbeit von Künstler Adam Man, Cellistin Judith Hamann und Butoh-Tänzer Michiyasu Furutani. Ausgangspunkt ist ein Wald, der vom Klimawandel gezeichnet wurde – über Monate dokumentiert, beobachtet, beinahe wie ein verletzter Körper gelesen. Aus Text, Video, Sound, Tanz und Fundstücken entsteht im brut nordwest eine Bühne, die sich wie ein wachsendes Biotop anfühlt: ein ökologisches Mahnmal und zugleich eine Einladung, die Fragilität unserer Umwelt über den Körper zu begreifen.
11. bis 13. Dezember 2025
An Evening with
Ein besonderes Wiedersehen bietet Alex Franz Zehetbauer am 9. Dezember in den Breitenseer Lichtspielen. An Evening with kehrt für einen letzten Abend zurück – eine Konzert-Performance zwischen surrealem Humor, poetischer Intimität und wunderbar irritierenden Melodien, die lange nachhallen.
9. Dezember 2025
FLASHMOB
Zwischen all diesen Auseinandersetzungen stellt sich im Januar eine andere, zentrale Frage: Wie sieht Gemeinschaft heute aus? Stefanie Sourial belebt im Jänner 2026 das Phänomen FLASHMOB wieder – als kollektiven Akt zwischen Widerstand und hedonistischer Freude, als Möglichkeit, politische Energie und Zusammenhalt tänzerisch zu erforschen. Am 15. Jänner mit Aperitivo, am 17. Jänner mit Tastführung für blindes und sehbehindertes Publikum.
14. bis 17. Jänner 2026

Marta Navaridas Once Upon a Time in the Flames, Our Firebird Ballet © Clara Wildberger
In Bed with Angela & Claire
Ebenfalls dem Miteinander gewidmet ist der Workshop In Bed with Angela & Claire von Angela Alves und Claire Lefèvre. Hier wird Ausruhen – ein im Kunstbetrieb oft unterschätzter, fast subversiver Akt – als widerständige Praxis verhandelt.
Mit all diesen Arbeiten zeigt das brut Wien, dass heute nicht nur Worte, sondern auch Körper zu Signalen von Gerechtigkeit werden können. Dieser Winter gehört jenen, die tanzen, sprechen und widerstehen – und jenen, die bereit sind zuzuschauen.
16. bis 17. Jänner 2026
Once Upon a Time in the Flames
Ganz anders, aber nicht minder kraftvoll, arbeitet Marta Navaridas in Once Upon a Time in the Flames: Our Firebird Ballet. Gemeinsam mit Veza Fernández, Stina Fors, Lau Lukkarila, Maja Osojnik und Denise Palmieri erfindet sie Strawinskys „Feuervogel“ neu – als punkiges Ritual der Selbstermächtigung. Im Jänner 2026 wird der Klassiker zum politischen Befreiungsballett, in dem Hierarchien, Machtstrukturen im Tanzbetrieb und die Frage nach künstlerischer Autonomie zur Dringlichkeit des Moments werden. Wo das Original Märchen erzählt, mutiert Navaridas Fassung zu einem Aufschrei: laut, verspielt und kompromisslos solidarisch.
23. bis 28. Jänner 2026

Gin Mueller, JUSTITIA © Christine Miess
JUSTITIA! Identity Cases
Noch direkter politisch wird es im Februar: In der Wiederaufnahme von JUSTITIA! Identity Cases untersuchen Gin Müller, Edwarda Gurrola, Mariama Nzinga Diallo und Sandra Selimović, wie Identitätsfragen im Gerichtssaal, im Theater und in sozialen Medien verhandelt werden. Rasend schnell, klug und überraschend humorvoll zeigt die Performance, warum Gerechtigkeit immer ein Aushandlungsprozess bleibt – und weshalb Identitätspolitik durchaus Spaß machen kann.
5. bis 9. Februar 2026
No Place Like Home
Im Februar 2026 öffnet Malika Fankha gemeinsam mit Oneka von Schrader in No Place Like Home einen der intimsten und schmerzhaftesten Räume des häuslichen Lebens. Die Arbeit bricht das Schweigen über sexualisierte Gewalt in der Familie und legt Schicht für Schicht frei, wie Manipulation, Scham und Macht funktionieren – und wie sich Vertrauen nach solchen Erfahrungen neu bilden lässt. Der anschließende Talk am 19. Februar vertieft die Frage nach Sicherheit und Selbstbestimmung.
18. bis 21. Februar 2026
www.brut-wien.at

Malika Fankha, No Place Like Home, Foto Marco Rocha, Design Rani Fankha






