Im Sommer 2026 wird das ehrwürdige Gemäuer von Schloss-Spiele Kobersdorf zur Bühne für eine der rasantesten und zugleich raffiniertesten Komödien der Theaterliteratur. Mit Michael Frayns Kultstück Der nackte Wahnsinn steht ein Abend auf dem Spielplan, der das Chaos feiert – allerdings mit höchster Präzision. Denn was hier wie ein heilloses Durcheinander wirkt, ist in Wahrheit ein meisterhaft konstruiertes Uhrwerk aus Timing, Tempo und Tohuwabohu.
Schon die Ausgangssituation verspricht Turbulenz: Eine ambitionierte, aber zunehmend überforderte Komödientruppe probt ihr Stück – und ausgerechnet die Generalprobe gerät zur Katastrophe. Requisiten verschwinden, Texte sitzen nicht, Türen klemmen, Auftritte werden verpasst. Während der Regisseur verzweifelt versucht, die Fäden in der Hand zu behalten, bröckelt nicht nur die Inszenierung, sondern auch das Nervenkostüm seines Ensembles. Im zweiten Akt dreht sich die Perspektive: Das Publikum blickt hinter die Kulissen und erlebt die Vorstellung von der Rückseite der Bühne. Hier eskalieren Eifersüchteleien, Missverständnisse und private Verstrickungen. Eine fatale Whiskeyflasche sorgt ebenso für zusätzliche Dynamik wie unerwarteter Besuch zur Unzeit. Was vorne noch halbwegs geordnet erscheint, zerfällt hinten endgültig in ein aberwitziges Geflecht aus verletzten Gefühlen, gekränkten Eitelkeiten und improvisierten Notlösungen.
Wenn schließlich am Ende der Tournee der letzte Vorhang fällt, ist von den ursprünglichen Verabredungen kaum noch etwas übrig. Doch gerade im völligen Kontrollverlust entfaltet sich die eigentliche Kunst dieser Farce: Mit bewundernswerter Spielfreude retten sich die Figuren ins finale Chaos – und das Publikum in schallendes Gelächter.
Als der britische Autor Michael Frayn einst eine Aufführung eines seiner frühen Stücke von der Seitenbühne aus beobachtete, stellte er fest, dass das Geschehen hinter den Kulissen komischer war als das auf der Bühne. Aus dieser Beobachtung entstand 1982 in London die Uraufführung von Noises Off, das seither weltweit zu den erfolgreichsten Komödien zählt.
In Kobersdorf übernimmt Regisseur Claus Tröger die Inszenierung, und auch Intendant Ksch. Wolfgang Böck stürzt sich mit sichtbarer Lust ins orchestrierte Durcheinander. Zwischen pointiertem Slapstick, präziser Choreografie und feinem Gespür für Timing entsteht ein Festspielabend, der zeigt: Wahnsinn ist hier kein Betriebsunfall, sondern Methode.
Das Publikum darf sich auf einen Sommer freuen, in dem hinter jeder Tür ein neuer Gag lauert – und in dem das Scheitern zur höchsten Form der Komik wird.
30. Juni bis 26. Juli 2026
www.schlossspiele.com

„Geschichten aus dem Wiener Wald”, 2025, Alexandra-Maria Timmel, Wolfgang Böck © VOGUS






