Im Kulturzentrum Mattersburg öffnet sich mit der Ausstellung „Körperwandlungen“ ein Raum, in dem das Sichtbare in Bewegung gerät und das Gewohnte neu betrachtet werden will. Die Fotografin und multidisziplinäre Künstlerin Christina Lag-Schröckenstein widmet sich darin einem Thema, das selten mit solcher Zartheit und zugleich unbedingter Klarheit verhandelt wird: der Schönheit des Alterns. Nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als ästhetische Transformation, als Prozess, der den Körper nicht mindert, sondern erweitert.
Lag-Schröckensteins Arbeiten stellen sich entschieden gegen ein Schönheitsideal, das Jugend zum Maßstab und Körperlichkeit zur Ware macht. Die Künstlerin bricht mit der Logik normativer Blicke, die besonders weibliche Körper in enge Raster zwingen. Ihre Bildwelten zeigen dagegen eine Weiblichkeit im Fluss, eine Körperlichkeit, die sich verwandelt, Häutungen zulässt, Spuren trägt – und gerade dadurch eine eigene, unverwechselbare Kraft entfaltet.

Körperwandlungen © Christina Lag-Schröckenstein
Der Blick der Künstlerin ist ein forschender und zugleich ein zutiefst verbundener. Inspiriert von Metamorphosen der griechischen Mythologie, verwebt Lag-Schröckenstein Menschliches, Pflanzliches und Animalisches zu poetischen Figurationen. Die Körper ihrer Modelle erscheinen wie Wesen zwischen den Sphären: verwurzelt und wachsend, verletzlich und mächtig, immer in Beziehung zur Umwelt. Die Grenzen des Menschlichen lösen sich zugunsten eines gemeinsamen, atmenden Kontinuums.
Ihr Werdegang ist ebenso vielfältig wie ihr Werk. Nach einem Studium der klassischen Gitarre und Jazzgitarre an der MUK Wien führte sie ein Aufenthalt in New York zur Fotografie – einem Medium, das sie seither mit insistierender Präzision und analoger Tiefe erforscht. Seit ihrer Rückkehr lebt und arbeitet Lag-Schröckenstein im Burgenland, dessen Landschaft und Ruhe zu einem wichtigen Resonanzraum ihres künstlerischen Schaffens wurden. Die Ausstellung zeigt Arbeiten, die an der Schnittstelle von Fotografie, Malerei, Installation und Soundscape angesiedelt sind. Immer geht es um das Ausloten von Übergängen: zwischen Körper und Natur, Oberfläche und Erinnerung, Identität und Wandel. „Körperwandlungen“ ist damit weit mehr als eine fotografische Serie – es ist eine Einladung, Schönheit neu zu verhandeln und die eigene Wahrnehmung zu erweitern.
3. Dezember 2025 bis 10. Januar 2026, Kulturzentrum Mattersburg
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