Zum Abschluss seines 125-Jahr-Jubiläums setzt das Bündner Kunstmuseum ein kraftvolles Zeichen: Es widmet Daniel Spoerri, dem Pionier der Eat-Art und einem der bedeutendsten Vertreter der Nachkriegskunst, eine umfassende Gedenkausstellung. Passend zum Thema der Jahresausstellung der regionalen Kunstszene –„ à table” – rückt das Museum jenen Künstler ins Zentrum, der wie kein Zweiter die Verbindung von Essen, Objektkunst und Alltagskultur geprägt hat.
Spoerri, 2023 verstorben, hat mit seinen ikonischen „Fallenbildern” Kunstgeschichte geschrieben. Auf scheinbar eingefrorenen Tischlandschaften bannte er das Zufällige, das Flüchtige, das Vergangene – Momente eines Gastmahls, die er in skulpturale Dauer überführte. Seine Werke sind ebenso Beobachtungen des Lebens wie humorvolle Kommentare zur Kunstwelt. Als Mitbegründer der Gruppe Nouveaux Réalistes stand Spoerri in engem Austausch mit Yves Klein, Arman, César, Tinguely und Niki de Saint-Phalle; gemeinsam verschoben sie die Grenzen dessen, was Kunst sein kann.

Daniel Spoerri „Wenn alle Künste untergehn…” © Bündner Kunstmuseum
Doch Spoerris Schaffen reicht weit über seine Fallenbilder hinaus. Früh entdeckte er seine Leidenschaft für die Kochkunst. Die Eröffnung des Restaurants der Galerie J in Paris im Jahr 1960 markierte den Beginn einer lebenslangen Auseinandersetzung mit Kulinarik als kulturellem und künstlerischem Akt. Sein 1968 gegründetes Restaurant in Düsseldorf wurde schnell zum Treffpunkt der internationalen Avantgarde; nur zwei Jahre später eröffnete er darüber die legendäre Eat-Art Galerie – ein Labor, in dem Essen, Identität, Ritual und Objektkunst zu neuen Formen verschmolzen.
Das Bündner Kunstmuseum ist das einzige Museum der Schweiz, das Spoerri eine eigene Gedenkausstellung widmet – eine besondere Würdigung, denn Spoerri lebte zwischen 2002 und 2004 selbst in Cabbiolo im Misox und ist mit zahlreichen Werken in der eigenen Sammlung vertreten. Die Ausstellung vereint zentrale Arbeiten aus mehreren Schaffensphasen, ergänzt durch Filme, Fotos und Dokumente, die Spoerris künstlerische Denkweise eindrucksvoll nachvollziehbar machen.
Kuratiert von Stephan Kunz und Dr. Sabine Kaufmann entsteht ein facettenreiches Porträt eines Künstlers, der das Verhältnis zwischen Kunst und Leben, zwischen Tisch und Bühne, zwischen Zufall und Komposition neu definiert hat. Ein würdiger Abschluss des Jubiläumsjahres – und eine Einladung, Spoerris poetische wie provokante Welt mit allen Sinnen neu zu entdecken.
14. Dezember 2025 bis 22. März 2026
www.buendner-kunstmuseum.ch















