Mit der Ausstellung „Franz West und Wien“ widmet das Wien Museum einem der einflussreichsten österreichischen Künstler eine ebenso vielschichtige wie persönliche Schau. Franz West, der zu Lebzeiten internationale Anerkennung erlangte und 2011 auf der Biennale di Venezia mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, kehrt dabei gewissermaßen an seinen Ursprung zurück: in seine Heimatstadt Wien.
Gemeinsam mit der Albertina Modern entstehen zwei parallel eröffnende Ausstellungen, die unterschiedliche Perspektiven auf Wests Werk eröffnen. Während sich die Albertina Modern seinem internationalen Schaffen widmet, rückt das Wien Museum die enge Beziehung zwischen Künstler und Stadt in den Mittelpunkt. Wien war für West weit mehr als bloße Kulisse. Die Stadt wurde für ihn zum Material, zum Resonanzraum und zur Projektionsfläche. Fassaden der Nachkriegszeit, die kulturellen Schichten der Wiener Moderne oder auch ironische Bezüge zu Denkern wie Sigmund Freud und Ludwig Wittgenstein finden sich in seinem Werk ebenso wieder wie subtile Kommentare zur Kunstszene selbst. Wests Blick auf Wien ist dabei zugleich liebevoll und kritisch, spielerisch und analytisch.

Franz West, Wolfgang_Woessner, Fotoarchiv zu Franz West der Galerie Peter Pakesch 1975, Lisa de Cohen mit Paßstück, Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum
Im Zentrum der Ausstellung steht jene Phase, die West künstlerisch nachhaltig prägte: die Zeit von den späten 1960er- bis in die frühen 1980er-Jahre. Neben bekannten Schlüsselwerken werden auch weniger gezeigte Arbeiten präsentiert und in ihren biografischen und historischen Kontext eingebettet. Gerade diese Verknüpfung eröffnet neue Zugänge – oft überraschend, manchmal augenzwinkernd. So verbirgt sich etwa in der Arbeit „Zitat“ (1985) Wests eigenes Jugendbett aus dem Karl-Marx-Hof, während persönliche Erinnerungsfragmente in Collagen weiterleben.
Ein besonderer Blickfang ist zudem die Rekonstruktion eines zentralen Motivs aus Wests späterem Schaffen: Seine Atelierküche, die als Vorlage für den „Parapavillon Extroversion“ diente, wird im Wien Museum in Form eines Modells erlebbar. Parallel dazu öffnet auch sein ehemaliges Atelier im dritten Wiener Gemeindebezirk seine Türen – ein Ort, an dem sich Kunst, Alltag und Begegnung auf einzigartige Weise verbanden. Die Ausstellung zeigt Franz West nicht nur als international gefeierten Künstler, sondern als präzisen Beobachter seiner Umgebung – und als jemanden, der Wien in all seinen Widersprüchen in Kunst verwandelt hat.
6. November 2026 bis 2. Mai 2027
www.wienmuseum.at

Franz West, Friedl_Kubleka, Fotoarchiv zu Franz West der Galerie Peter Pakesch, 1975, Reinhard Priessnitz mit Paßstück und Franz West, Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum © Bildrecht, Wien 2025






