Mit „Unter Tieren“ bringt das Burgtheater Elfriede Jelineks neues Stück auf die Bühne – eine scharfzüngige, groteske und düster-komische Auseinandersetzung mit Kapitalismus, Macht und gesellschaftlichem Zerfall.

Aus der Perspektive von Schweinen, Kühen und Kängurus blickt Elfriede Jelinek auf eine Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Ob Bibel oder Benko, politische Phrasen oder wirtschaftliche Machtstrukturen – für die Tiere erscheint die Gier des Menschen ebenso absurd wie zerstörerisch. Mit wachsendem Sarkasmus beobachten sie eine Gesellschaft, die ihre eigenen Krisen hervorbringt und dennoch unbeirrt weitermacht.

Jelinek richtet ihren Blick dabei auf die ideell ausgehöhlten Strukturen der Gegenwart und zeigt, wie eng Kapital, Macht und Selbsttäuschung miteinander verbunden sind. Niemand scheint aus Fehlern zu lernen, stattdessen bewegen sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sehenden Auges weiter auf eine Katastrophe zu. Der Kapitalismus erscheint dabei nicht nur als ökonomisches System, sondern als apokalyptische Dynamik, die alles erfasst.

Typisch für Jelineks Schreiben verbinden sich dabei sprachliche Überwältigung, bitterer Humor und präzise Gesellschaftsanalyse. Zwischen grotesker Überzeichnung und schonungsloser Zuspitzung entsteht ein Text, der ebenso verstört wie provoziert und bewusst keine einfachen Antworten liefert.

Die Inszenierung von Nicolas Stemann greift diese Vielschichtigkeit auf und entwickelt daraus einen performativen Theaterabend, der die Sprachkraft und Radikalität des Stücks unmittelbar erfahrbar macht. So wird „Unter Tieren“ zu einer düsteren Gegenwartsfabel über eine Welt, die an ihren eigenen Mechanismen zu scheitern droht.
Uraufführung 4. September

www.burgtheater.at