Kann Kunst das Stadtklima verändern? Das Projekt „ClimArt – Artists for a Resilient Future“ des donumenta e.V. in Regensburg beantwortet diese Frage mit vier ortsspezifischen Interventionen im öffentlichen Raum. Zwischen Installation, Architektur, Klangkunst und performativer Skulptur entstehen Arbeiten, die den Klimawandel nicht illustrieren, sondern als sinnliche Erfahrung erfahrbar machen. Sie eröffnen neue Perspektiven auf den urbanen Raum und zeigen, wie Kunst zum Labor für die Stadt der Zukunft werden kann.
Der Klimawandel verändert nicht nur Landschaften, sondern auch die Art, wie wir Städte wahrnehmen und nutzen. Hitzewellen, versiegelte Flächen und Starkregen machen deutlich, dass urbane Räume neu gedacht werden müssen. Die UNESCO-Welterbestadt Regensburg, die regelmäßig von sommerlichen Hitzespitzen betroffen ist, wird mit ClimArt – Artists for a Resilient Future zum Experimentierfeld für künstlerische Strategien der Klimaresilienz.
Initiiert vom donumenta e.V. unter der künstlerischen Leitung von Regina Hellwig-Schmid versammelt das Projekt vier internationale Positionen, die den öffentlichen Raum nicht als Ausstellungsfläche, sondern als gesellschaftlichen Handlungsraum verstehen. Die Arbeiten reagieren auf konkrete Orte, ihre Geschichte und ihre ökologischen Herausforderungen. Sie laden dazu ein, Stadt neu zu erleben – als lebendiges Gefüge zwischen Natur, Architektur und sozialem Miteinander.

Mooshelm von Markus Jeschaunig – kurz mal herunterkühlen, Foto: Julia Weigl-Wagner
Der österreichische Künstler und Architekt Markus Jeschaunig entwickelt mit dem Mooshelm eine begehbare Installation, die mitten in der versiegelten Innenstadt einen atmosphärischen Gegenraum schafft. Moose und Farne erzeugen ein spürbar kühleres Mikroklima und machen erfahrbar, welche Wirkung Vegetation auf das städtische Umfeld entfalten kann. Der Helm wird zum Sinnbild einer Architektur, die nicht gegen, sondern mit natürlichen Prozessen arbeitet.

„MAAAAASHxxx” von Folke Köbberling – wenn ein SUV zerfällt und wieder Teil der Umwelt wird. Foto: Julia Weigl-Wagner
Folke Köbberling richtet ihren Blick auf die Dominanz des Automobils im Stadtraum. Ihre Skulptur „MAAAAASHxxx”, eine Nachbildung eines überdimensionierten SUVs aus kompostierbarem Material, verändert sich im Laufe der Ausstellung kontinuierlich. Was zunächst als massives Objekt erscheint, zerfällt unter dem Einfluss von Wetter und Zeit und wird Teil eines ökologischen Kreislaufs. Aus einem Symbol der Versiegelung entsteht ein Ort neuer Vegetation – eine poetische Umkehrung bestehender Machtverhältnisse im öffentlichen Raum.

Gabi Blum „Platzhalter | Front Row” donumenta ClimArt 2026 am Donaumarkt in Regensburg Foto: Gabi Blum
Mit „Platzhalter | Front Row” entwirft Gabi Blum einen surreal anmutenden Souvenir-Shop, der Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen zu entstammen scheint. Zwischen Erinnerungsobjekten und fiktiven Relikten stellt sie Fragen nach kollektiver Erinnerung, kultureller Identität und den Bildern einer Zukunft im Zeichen des Klimawandels. Der mobile Kunstraum wird dabei zum Ort gesellschaftlicher Aushandlung.

Unterwasserwelt fließend verflossen der Künstlerin Ulrika Eller-Rüter im Besucherzentrum Welterbe an der Steinernen Brücke, Foto: Stefan Effenhauser
Ulrika Eller-Rüter macht mit ihrer Arbeit fließend verflossen den historischen Verlauf des Vitusbachs wieder sichtbar. Klangliche Interventionen, Lichtinstallationen und mikroskopische Aufnahmen von Wasserproben verbinden Vergangenheit und Gegenwart zu einer vielschichtigen Erzählung über Wasser als Lebensgrundlage. Unsichtbare ökologische Zusammenhänge werden sinnlich erfahrbar und rücken den Wert natürlicher Ressourcen ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Gemeinsam zeigen die vier Positionen, dass zeitgenössische Kunst weit mehr sein kann als Kommentar oder Illustration ökologischer Krisen. Sie schafft Erfahrungsräume, eröffnet neue Formen des Denkens und macht sichtbar, dass Klimaresilienz nicht allein eine technische oder politische Aufgabe ist. Sie ist ebenso eine kulturelle Herausforderung. ClimArt versteht Kunst deshalb als Impulsgeberin für eine nachhaltige Stadtentwicklung – als Einladung, urbane Zukunft neu zu imaginieren und gemeinsam zu gestalten.
21. Juni bis 30. September 2026
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