Mit „Sweet Dreams, Baby!” widmet das Kunstmuseum Basel einem der prägenden Künstler der Pop-Art eine umfassende Ausstellung seiner Druckgrafik. Rund 50 Werke aus fünf Jahrzehnten, die durch eine bedeutende Schenkung der Roy Lichtenstein Foundation erstmals öffentlich gezeigt werden, eröffnen einen neuen Blick auf das grafische Œuvre des amerikanischen Künstlers. Die Schau macht deutlich, dass Roy Lichtenstein weit mehr war als der Maler ikonischer Comicbilder – er war ein virtuoser Erneuerer der Druckgrafik.

Roy Lichtenstein (1923–1997) zählt neben Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Claes Oldenburg zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Pop-Art. Seine großformatigen Comicbilder mit kräftigen Primärfarben, schwarzen Konturlinien und den charakteristischen Benday-Punkten wurden zu Ikonen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Doch hinter der scheinbar einfachen Bildsprache verbirgt sich ein vielschichtiges Werk, das sich intensiv mit den Mechanismen von Wahrnehmung, Reproduktion und Kunstgeschichte auseinandersetzt.
Die Ausstellung „Sweet Dreams, Baby!” im Kunstmuseum Basel rückt diesen Aspekt erstmals umfassend in den Mittelpunkt. Präsentiert werden Serigrafien, Lithografien, Radierungen sowie Holz- und Linolschnitte aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Sie stammen aus einer großzügigen Schenkung der Roy Lichtenstein Foundation an das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel, das damit heute über eine der bedeutendsten Lichtenstein-Sammlungen außerhalb der USA verfügt.

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Roy Lichtenstein, Dawa Basanow, Drucker, Knickerbocker Machinie & Foundry Inc., Drucker, Sweet Dreams, Baby!, 1965, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, © Estate of Roy Lichtenstein / 2026, ProLitteris, Zurich

Roy Lichtenstein, Dawa Basanow, Drucker, Knickerbocker Machinie & Foundry Inc., Drucker, Sweet Dreams, Baby!, 1965, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, © Estate of Roy Lichtenstein / 2026, ProLitteris, Zurich

Kuratiert von Fabienne Ruppen, zeigt die Ausstellung, wie experimentierfreudig Lichtenstein mit den Möglichkeiten der Druckgrafik umging. Die verschiedenen Drucktechniken waren für ihn keineswegs bloße Reproduktionsverfahren, sondern eigenständige künstlerische Ausdrucksmittel. Immer wieder lotete er ihre technischen Grenzen aus und überführte seine unverwechselbare Bildsprache in neue materielle und visuelle Zusammenhänge.
Berühmt wurde Lichtenstein Anfang der 1960er-Jahre mit Werken wie Look Mickey, in denen er Motive aus Comics und der Werbegrafik in den Kontext der Hochkunst überführte. Seine Aneignung populärer Bildwelten löste kontroverse Debatten aus. Kritiker warfen ihm vor, Comiczeichnungen nahezu unverändert zu übernehmen. Gerade diese bewusste Übertragung alltäglicher Bildvorlagen in den Kunstraum wurde jedoch zu einem zentralen Prinzip der Pop-Art und stellte grundlegende Fragen nach Originalität, Autorschaft und den Bedingungen des Bildes.
Dass Lichtensteins Werk weit über die Comicästhetik hinausreicht, zeigt die Basler Ausstellung eindrucksvoll. Immer wieder setzte sich der Künstler mit dem Kubismus, dem Expressionismus oder den Werken von Pablo Picasso, Henri Matisse und Claude Monet auseinander. Kunstgeschichte wurde für ihn zum Material, das er mit derselben analytischen Distanz behandelte wie Motive aus Werbung und Massenmedien. Seine Druckgrafiken offenbaren dabei eine bemerkenswerte Präzision und einen spielerischen Umgang mit Zitaten, Illusion und Oberfläche.
„Sweet Dreams, Baby!” lädt dazu ein, Roy Lichtenstein neu zu entdecken – nicht allein als Pop-Art-Ikone, sondern als außergewöhnlichen Grafiker und scharfsinnigen Beobachter visueller Kultur. Die Basler Präsentation macht sichtbar, wie konsequent er die Grenzen zwischen Original und Reproduktion, zwischen Hochkultur und Populärkultur sowie zwischen Malerei und Druckgrafik verschob. Damit eröffnet die Ausstellung einen ebenso unterhaltsamen wie erkenntnisreichen Zugang zu einem Künstler, dessen Bildsprache bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
22. August 2026 bis 14. März 2027
https://kunstmuseumbasel.ch