Vom 1. bis 22. November 2026 verwandelt sich Regensburg in eine Bühne für zeitgenössischen Tanz. Die REGENSBURGER TANZTAGE bringen internationale Kompanien, junge Choreografinnen, Choreografen,  preisgekrönte Solistinnen und Solisten zusammen – und stellen dabei eine Frage ins Zentrum, die weit über den Tanz hinausweist: Was bewegt uns?

Zeitgenössischer Tanz beginnt dort, wo Worte nicht mehr ausreichen. Ein Körper dreht sich, verharrt, fällt, richtet sich wieder auf. Ein Blick verändert die Bedeutung einer Bewegung, ein Schritt verschiebt die Distanz zwischen zwei Menschen. Tanz erzählt Geschichten, ohne sie zwangsläufig auszuformulieren. Er macht Beziehungen, Konflikte, Nähe und Fremdheit körperlich erfahrbar. Genau diesen offenen, unmittelbaren Zugang zur Kunst feiern die REGENSBURGER TANZTAGE im November 2026. Das renommierte Festival hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem wichtigen Bestandteil der Regensburger Kulturlandschaft entwickelt. Über drei Wochen hinweg begegnen sich regionale Positionen, nationale Produktionen und internationale Tanzkunst. Große Namen treffen auf vielversprechende Nachwuchskünstler:innen, etablierte Formen auf Experimente. Dabei versteht sich das Festival nicht als Schaufenster einer einzigen ästhetischen Richtung, sondern als lebendiger Ort für Bewegung, Begegnung und neue Perspektiven.
Ein Höhepunkt steht gleich zu Beginn auf dem Programm: Am 14. und 15. November gastiert die CocoonDance Company mit „Chora” . Die von der Schweizer Choreografin Rafaële Giovanola und dem Dramaturgen Rainald Endraß gegründete Kompanie gehört zu den prägenden Stimmen des zeitgenössischen Tanzes. Rund fünfzig abendfüllende Produktionen sind seit 2000 entstanden, Gastspiele führten das Ensemble auf fünf Kontinente. Auszeichnungen und Einladungen zur Tanzplattform Deutschland unterstreichen die internationale Bedeutung der Bonner Company.
Doch „Chora” will nicht einfach auf einer Bühne betrachtet werden. Das Stück stellt die klassische Trennung zwischen Darstellenden und Publikum radikal infrage. Sieben Performerinnen und Performer bewegen sich in einer sich ständig verändernden Klang- und Rauminstallation – und das Publikum wird eingeladen, diesen Raum mit ihnen zu teilen. Man kann aus unmittelbarer Nähe beobachten, Abstand halten oder sich von der Dynamik des Geschehens mitreißen lassen. Bühne und Zuschauerraum verlieren ihre klare Grenze.
Damit wird der Raum selbst zum choreografischen Material. Körper begegnen Körpern, Bewegungen verändern Wahrnehmungen, und aus der Anwesenheit aller entsteht ein szenischer Raum, der sich immer wieder neu konstituiert. Chora fragt damit nicht zuletzt danach, welchen Platz wir in einem gemeinsamen Mikrokosmos einnehmen – und wie wir uns verändern, sobald andere Menschen Teil dieses Raumes werden.
Auch an den folgenden Festivaltagen zeigt sich die große Bandbreite des Programms. Der Sticky Fingers Club gehört zu den spannenden Entdeckungen der jungen polnischen Tanzszene. Queere Popkultur, Ballroom Culture und zeitgenössischer Tanz treffen aufeinander. Humor und spielerische Unbekümmertheit werden dabei zu Mitteln, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. Scheitern ist kein Makel, sondern Ausgangspunkt für Veränderung – und Gemeinschaft wird zur eigentlichen Stärke.

Klil Ela Rotshtain, Photo: Jo Grabwoski

Klil Ela Rotshtain, Photo: Jo Grabwoski

Mit „Relationshifts” von Ceren Oran & Moving Borders wird es am 18. und 19. November besonders intim. Ein Paar und ein transparenter Kubus von gerade einmal vier mal vier Metern: Die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen rund um die Box und beobachten eine Beziehung in all ihren Bewegungen. Euphorie und Nähe, Verwurzelung und Distanz, der Wunsch nach Verbundenheit ebenso wie das Bedürfnis nach Freiheit werden auf engstem Raum körperlich verhandelt. Das Stück wird pro Abend zweimal gezeigt – und lässt damit auch die spannende Frage offen, ob sich Bewegungen wiederholen können, ohne dass dieselbe Geschichte noch einmal entsteht.
Am 19. November richtet das Choreo Lab: Tanz Süd den Blick auf einen besonderen künstlerischen Prozess. Vier Choreografinnen aus Freiburg, Ulm, München und Regensburg arbeiten mit denselben vier Tänzerinnen, denselben Ressourcen und jeweils nur sechs Probentagen. „What moves us?” lautet die gemeinsame Frage. Vier unterschiedliche choreografische Handschriften treffen aufeinander und machen den Entstehungsprozess selbst zum Teil des künstlerischen Experiments.
Zum Abschluss rückt die internationale Tanzszene noch einmal ins Zentrum. Die Internationale Solotanznacht am 21. und 22. November präsentiert preisgekrönte junge Tänzerinnen und Tänzer des Solo-Tanz-Theater-Festivals Stuttgart 2026. Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Ländern und kulturellen Kontexten zeigen Arbeiten, die von Identität und Absurdität bis zu Abschied und Selbstbild reichen. Immer allein auf der Bühne – und doch entsteht aus der Vielfalt der Soli ein eindrucksvolles Panorama dessen, was zeitgenössischer Tanz heute sein kann.

Rupidoo Global Music Club © Rupen K. Gehrke

Rupidoo Global Music Club © Rupen K. Gehrke

Dass Tanz nicht nur auf der Bühne stattfindet, beweist schließlich die Festivalparty des Rupidoo Global Music Club am 21. November. Global Beats, Oriental, Latin, Afro, Cumbia und Balkan verbinden sich zu einem musikalischen Kosmos, der Grenzen zwischen Genres, Generationen und Kulturen auflöst.
Ergänzt wird das Festivalprogramm durch eine Tanz-Filmnacht sowie mehrtägige Tanzwerkstätten mit international renommierten Dozentinnen und Dozenten. Damit wird deutlich, was die REGENSBURGER TANZTAGE im Kern ausmacht: Sie wollen Tanz nicht nur zeigen, sondern ihn erfahrbar machen. Als Kunstform, als Begegnung und als Möglichkeit, die Welt für einen Moment mit anderen Augen – oder besser: mit dem eigenen Körper – wahrzunehmen.
1. bis 22. November 2026
www.regensburger-tanztage.de

Ceren Oran & Moving Borders „Relationshifts” © Drago Videmšek

Ceren Oran & Moving Borders „Relationshifts” © Drago Videmšek