Ein Müllerbursche verliebt sich, schöpft Hoffnung und verliert schließlich alles: Franz Schuberts „Die schöne Müllerin“ erzählt eine der berührendsten Geschichten der romantischen Liedkunst. Im Pierre Boulez Saal gestalten Sir András Schiff und Julian Prégardien gemeinsam diesen berühmten Liederzyklus.

Die 1823 entstandene Komposition basiert auf 20 Gedichten von Wilhelm Müller. Schubert zeichnet darin den Weg eines jungen Wanderers nach, der an einem Bach entlangzieht, bei einer Mühle Arbeit findet und sich in die Tochter des Müllers verliebt. Anfangs bestimmen jugendliche Begeisterung und Zuversicht die musikalische Erzählung. Doch die unerwiderte Liebe verwandelt sich zunehmend in Eifersucht und Verzweiflung, bis der Bach zum letzten Zufluchtsort des jungen Mannes wird.

Schubert gelingt es, die wechselnden Empfindungen seiner Hauptfigur mit außergewöhnlicher musikalischer Sensibilität darzustellen. Das Klavier übernimmt dabei weit mehr als eine begleitende Funktion: Es lässt das Wasser des Baches fließen, vermittelt die Bewegung des Wanderns und spiegelt die innere Unruhe des Protagonisten. Zwischen volksliedhafter Schlichtheit und tief empfundener Tragik entfaltet sich ein psychologisch vielschichtiges Werk, das bis heute zu den zentralen Herausforderungen für Liedinterpreten zählt.

Der französisch-deutsche Tenor Julian Prégardien hat sich international als herausragender Interpret des Liedrepertoires etabliert. Besonders seine intensive Beschäftigung mit Franz Schubert prägt sein künstlerisches Schaffen. An seiner Seite steht Sir András Schiff, einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit. Der gebürtige Ungar widmet sich seit Jahrzehnten mit besonderer Leidenschaft der Musik der Wiener Klassik und Romantik und ist für seine differenzierte, aufmerksame Gestaltung kammermusikalischer Werke bekannt.

Für den Pierre Boulez Saal ist das Konzert zugleich der Abschluss von Schiffs Kammermusikzyklus zum Jahreswechsel. Die intime Atmosphäre des von Frank Gehry entworfenen Konzertsaals bietet einen besonderen Rahmen für das Zusammenspiel von Gesang und Klavier. Zwei außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten begegnen sich hier in einem Werk, dessen emotionale Unmittelbarkeit auch mehr als zwei Jahrhunderte nach seiner Entstehung nichts von ihrer Wirkung verloren hat.
2. Januar 2027

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