Ein einzelner Paukenwirbel genügt, um die Erwartungen des Publikums auf den Kopf zu stellen. Joseph Haydns berühmte Sinfonie Nr. 103 eröffnet ein Konzertprogramm, das musikalische Veränderungen, kulturelle Begegnungen und überraschende Klangwelten erkundet. Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus spielt unter der Leitung von Stefan Veselka.

Als Haydn 1795 in London seine Sinfonie Nr. 103 in Es-Dur komponierte, gehörte er längst zu den berühmtesten Musikern Europas. Seine Aufenthalte in England hatten ihm eine neue musikalische Öffentlichkeit erschlossen, deren Begeisterung für große Orchesterkonzerte seine späten Sinfonien entscheidend prägte. Schon der ungewöhnliche Beginn des Werkes demonstriert Haydns Experimentierfreude: Ein solistischer Paukenwirbel steht am Anfang, bevor sich eine geheimnisvolle langsame Einleitung entfaltet. Aus diesem überraschenden Auftakt entwickelt der Komponist eine Sinfonie voller dramatischer Kontraste, eleganter Melodien und rhythmischer Raffinesse.

Eine ganz andere musikalische Welt eröffnet Alexander Arutjunjans Trompetenkonzert in Es-Dur. Der armenische Komponist schrieb das Werk 1950 und schuf damit einen der bedeutendsten Beiträge zum modernen Trompetenrepertoire. Orientalisch gefärbte Melodien, rhythmische Energie und weitgespannte lyrische Passagen verleihen der Komposition ihren unverwechselbaren Charakter. Die Trompete erscheint dabei nicht nur als strahlendes Virtuoseninstrument, sondern entfaltet auch eine überraschend gesangliche Ausdruckskraft.

Den Solopart übernimmt Andrés Nebot Pitarch. Das anspruchsvolle Konzert verlangt ihm eine außergewöhnliche technische Beweglichkeit ebenso ab wie die Fähigkeit, zwischen brillanten Fanfaren, leidenschaftlichen Melodien und empfindsamen Klangfarben zu wechseln. Gerade diese Vielseitigkeit macht Arutjunjans Komposition zu einem reizvollen Gegenstück zu Haydns klassischer Orchestersprache.

Mit Aram Chatschaturjans dritter Suite aus dem Ballett „Gayaneh“ erreicht der Abend schließlich eine besonders temperamentvolle Dimension. Der armenisch-sowjetische Komponist schuf die Ballettmusik während des Zweiten Weltkriegs und verband darin traditionelle musikalische Einflüsse mit einer farbenreichen, rhythmisch markanten Orchestersprache. Weltberühmt wurde vor allem der „Säbeltanz“, dessen rasante Bewegungen und ungerader Rhythmus eine beinahe unwiderstehliche Energie entfalten.

Stefan Veselka führt das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus durch drei Werke, die aus unterschiedlichen historischen und kulturellen Zusammenhängen stammen. Gemeinsam erzählen sie von musikalischer Erneuerung: von Haydns Experimenten mit der klassischen Sinfonie über Arutjunjans unverwechselbare Trompetenstimme bis zu Chatschaturjans kraftvoller Verbindung von Tanz und Orchesterklang.
12. und 14. März 2027

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