Pierre-Laurent Aimard gehört zu jenen Pianisten, die musikalische Grenzen mit besonderer Neugier überschreiten. Sein Berliner Klavierabend führt von Johann Sebastian Bach über Arnold Schönberg bis zu György Ligeti und macht die überraschenden Verbindungen zwischen verschiedenen Jahrhunderten hörbar.
Der französische Pianist zählt seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Interpreten der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Früh arbeitete er mit bedeutenden Komponisten wie Olivier Messiaen, Pierre Boulez und György Ligeti zusammen und entwickelte ein außergewöhnliches Verständnis für die komplexen Strukturen moderner Klaviermusik. Zugleich widmet er sich intensiv den Werken Johann Sebastian Bachs, deren kontrapunktische Klarheit und kompositorische Präzision für ihn eine wesentliche Grundlage musikalischen Denkens bilden.
Im Pierre Boulez Saal stellt Aimard Kompositionen von Bach, Schönberg und Ligeti gegenüber. Die Musik Bachs eröffnet dabei einen Blick auf jene kunstvolle Verbindung selbstständiger Stimmen, die bis heute Komponisten unterschiedlichster Stilrichtungen beeinflusst. Seine Werke zeigen, wie aus scheinbar einfachen musikalischen Gedanken komplexe und zugleich unmittelbar verständliche Strukturen entstehen können.
Arnold Schönberg revolutionierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die traditionelle Harmonik und entwickelte schließlich die Zwölftontechnik. Seine Klavierwerke markieren entscheidende Schritte auf diesem Weg und stellen Interpretinnen und Interpreten vor besondere Anforderungen an musikalische Gestaltung und strukturelle Klarheit. György Ligeti wiederum schuf eine eigenständige Klangsprache, die von rhythmischen Überlagerungen, ungewöhnlichen harmonischen Entwicklungen und einer außergewöhnlichen Vorstellungskraft geprägt ist. Besonders seine Klaviermusik verlangt höchste technische Präzision und eine intensive Auseinandersetzung mit komplexen musikalischen Abläufen.
Aimards besondere Stärke liegt darin, diese unterschiedlichen Kompositionsweisen nicht als voneinander getrennte Welten erscheinen zu lassen. Vielmehr eröffnet sein Spiel neue Perspektiven auf die Entwicklung musikalischer Ideen über Jahrhunderte hinweg. Im Pierre Boulez Saal, dessen Programm seit seiner Eröffnung den Dialog zwischen Tradition und Gegenwart pflegt, findet dieser außergewöhnliche Klavierabend einen idealen Rahmen.
11. März 2027






