Internationale Theaterproduktionen, zeitgenössischer Tanz, Konzerte, Performances und gesellschaftliche Debatten – das Zürcher Theater Spektakel zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Festivals für zeitgenössische darstellende Kunst in Europa. Vom 13. bis 30. August 2026 rückt es unter dem Leitmotiv der bedrohten Demokratie jene Fragen in den Mittelpunkt, die unsere Gegenwart prägen – und zeigt eindrucksvoll, wie Kunst Räume für Begegnung, Diskussion und neue Perspektiven schaffen kann.

Seit seiner Gründung im Jahr 1980 versteht sich das Zürcher Theater Spektakel als Ort internationaler Begegnung. Jahr für Jahr versammelt das Festival Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt in Zürich und verwandelt verschiedene Spielorte der Stadt in ein Labor für zeitgenössische Kunst. Herzstück ist die Landiwiese am Ufer des Zürichsees im Stadtteil Wollishofen. Hier befinden sich die Spielstätten Seebühne, Nord, Süd, Zentral und Ufer, zahlreiche Installationen im öffentlichen Raum sowie das Festivalzentrum mit seinen Gastronomiebetrieben. Ergänzt wird das Programm durch Aufführungen in der Roten Fabrik, im Schiffbau, in der Gessnerallee sowie an der Universität Zürich. Die Ausgabe 2026 steht ganz im Zeichen der Frage, wie demokratische Gesellschaften angesichts wachsender Polarisierung, autoritärer Tendenzen und globaler Krisen ihre Offenheit bewahren können. Dabei versteht sich das Festival nicht als Ort einfacher Antworten, sondern als Plattform für unterschiedliche Perspektiven. Kunst wird hier zum Medium des Austauschs – über kulturelle Grenzen hinweg und immer auf der Grundlage der Werte einer offenen Gesellschaft.

Nicolás Lange, The Killing of the First Person © Peteris Viksna

Nicolás Lange, The Killing of the First Person © Peteris Viksna

Bereits die Eröffnung setzt starke Akzente. In „Violenza 2025“ untersuchen Michiel Vandevelde, Pankaj Tiwari und Eneas Prawdzic, wie Ängste und Frustrationen junger Männer von rechten Ideologien instrumentalisiert werden. Dem gegenüber steht auf der Seebühne „Teenage Songbook of Love and Sex“ von Ásrún Magnúsdóttir und Alexander Roberts – eine ebenso poetische wie ehrliche musikalische Annäherung an Liebe, Identität und Sexualität aus der Sicht junger Menschen aus Reykjavík und Zürich.
Besonders eindrucksvoll wird die Verbindung zwischen Festival und Stadtgesellschaft in Tamara Cubas’ international gefeiertem Tanzprojekt „Multitud“. Rund 80 Zürcherinnen und Zürcher stehen gemeinsam auf der Bühne und machen Gemeinschaft nicht nur zum Thema, sondern zur gelebten Erfahrung.
Ein weiterer Höhepunkt ist „Proberaum Zukunft“, das in Kooperation mit der Universität Zürich entsteht. In einem sogenannten Pre-Enactment wird die fiktive Gründung einer „Allianz der letzten Demokratien“ inszeniert. Politikerinnen, Politiker, Wissenschaft und Publikum entwickeln gemeinsam Zukunftsszenarien und diskutieren, welche gesellschaftlichen Strukturen heute geschaffen werden müssen, um Freiheit und Frieden langfristig zu sichern.

Anna Anderegg, POROUS MATTER © Theresa Maria Forthaus


Anna Anderegg, POROUS MATTER © Theresa Maria Forthaus

Auch internationale Konflikte finden ihren Platz im Programm. Die Performance „CLAP & SLAP“ von Agnietė Lisičkinaitė und Igor Shugaleev reflektiert die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und die gesamte postsowjetische Region anhand persönlicher Biografien. Tiago Rodrigues verdichtet in „Dans la Mesure de l’Impossible“ die Erfahrungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern humanitärer Hilfsorganisationen zu bewegendem Dokumentartheater, während Diana Rojas-Feile mit „Corazón Rudo“ die bis heute spürbaren Folgen des kolumbianischen Bürgerkriegs thematisiert.
Ergänzt wird das künstlerische Programm durch Installationen im öffentlichen Raum, philosophische Gespräche, Diskussionsforen und Panels über die Rolle von Kultur in demokratischen Gesellschaften. Damit bleibt das Zürcher Theater Spektakel seinem Anspruch treu: Kunst nicht als Rückzugsort zu begreifen, sondern als lebendigen Raum für Austausch, Widerspruch und gesellschaftliche Teilhabe.
So wird das Festival auch 2026 weit mehr sein als eine Bühne für internationales Theater. Es wird zu einem Ort, an dem sich die großen Fragen unserer Zeit in Kunst verwandeln – offen, kritisch und voller Neugier auf die Welt.
13. bis 30. August 2026
www.theaterspektakel.ch

Eartheater © Vidar Logi

die US-amerikanische Sängerin Eartheater © Vidar Logi