Eine imposante Kulisse mit Geschichte: Der Innenhof der Burg Gutenberg bildet eine einmalige Atmosphäre für gute Theateraufführungen. Schon der Fussweg hinauf zur Burg, der Blick vom Burghügel über die Talschaft sowie das Wissen, dass dieser besondere Ort während Jahrtausenden besiedelt und als Kultstätte benutzt wurde, versetzen den Besucher in eine besondere Stimmung.
Das Theater Karussell hat sich nach der „Päpstin” (2017) zum zweiten Mal einen großen Theaterstoff für die bezaubernde Burg Gutenberg in Balzers vorgenommen: Heinrich von Kleists „Das Käthchen von Heilbronn”. Im Untertitel ist von einem großen Ritter-Schauspiel die Rede, das auf verschiedenen Burgen des Mittelalters stattfindet.

Burg Gutenberg © Festspiele Burg Gutenberg

Burg Gutenberg © Festspiele Burg Gutenberg

Regisseur Niko Büchel über das Stück:
Kleists Bühnensprache gilt als eine der schönsten der deutschen Hochsprachen. Das sowieso. Aber dieses Stück ist auch voll von spektakulären Rollen, Humor, Augenzwinkern und vor allem Romantik.
Käthchen weiß, was sie will: einen Ritter und Grafen, den angeblich ein Engel dem Mädchen gezeigt hat. Mit viel Selbstgewissheit verfolgt sie ihn. Doch der junge Mann, der eher ein schwieriges Verhältnis zu sich und seinen Gefühlen hat, er will nicht. Dabei ist er in die bezaubernde Stalkerin doch längst „verliebt wie ein Käfer“…
Aber es geht auch um Standesdünkel und andere Blindheit angeblicher Eliten. Und wie so oft bei Kleist wird zur Lösung eine Traumebene bemüht, ein Cherubim, dem sich schließlich sogar der Kaiser selbst beugen muss.
Ein wesentliches Kriterium war, dass der Inhalt des Stückes die Burg Gutenberg nicht nur als Kulisse, sondern sozusagen als Hauptdarsteller präsentieren kann. Dies ist bei dem historisch-romantischen Ritterschauspiel mehr als gewährleistet. Dazu kommen großartige und fein differenzierte Rollen – nicht nur für die männlichen Spieler. Kleists Bühnensprache gilt als eine der schönsten der deutschen Hochsprachen und stellt natürlich gewisse Anforderungen an die Darsteller. Insofern sollen nach dem bewährten Konzept von Theater Karussell die bewiesenermassen hervorragenden und inzwischen bekannten Schauspiel-Profis aus Liechtenstein und der Region mit den Amateuren und Semi-Professionals ein starkes Ensemble formen, das die Grundlage für eine Fortsetzung der Festspiele bildet.
Daneben schien uns wichtig, im Zeitalter von MeToo, eine Geschichte von männlicher Liebes-Verweigerung (auch sich selbst gegenüber) zu erzählen, und dies der großen emotionalen Kraft, bis zur vermeintlichen Hysterie, eines jungen Mädchens gegenüberzustellen. Außerdem war ein wesentliches Kriterium, dass diese Geschichte mit viel Augenzwinkern und Humor einhergeht, ohne in triviale Boulevard-Komik oder Schenkelklopf-Theater abzurutschen. Schließlich werden auch Klassenunterschiede sowie Selbstverständnis und Dünkel von Aristokratie und anderen Eliten verhandelt. Und wie so oft bei Kleist wird zur Lösung eine Traumebene sichtbar, die sogar den Himmel selbst, in Form eines Cherubims bemüht.
16. Juni bis 3. Juli 2022

www.festspieleburggutenberg.li