Kunst aus 30 Jahren von Titus Lerner und Franz Politzer umspannt die aktuelle Ausstellung unter dem Titel „Der geteilte Raum” in der Galerie schäfer + schlehwein. Zwei Künstler, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, teilen einen Raum und gestalten die besondere Atmosphäre dieser Doppelausstellung in der Galerie im ART SPACE stift millstatt. Gemeinsam. Im Dialog, wie in der Abgrenzung ihrer Kunst. Franz Politzer zeigt Ölbilder, Titus Lerner Skulpturen: Bronzen und Terrakotten.
Beide sind Meister ihres Faches und stellten bereits öfters gemeinsam aus. Was der eine ausspart, thematisiert der andere. Darin mag die Kraft ihrer Verbindung liegen. Die fein ziselierten Landschaftsbilder Franz Politzers kommen konsequent ohne die Anwesenheit des Menschen aus, die Terrakotten und Bronzen von Titus Lerner bringen dagegen die komplexe innere Natur des Menschen, ohne dass der seine Plastiken umgebende Raum eine Rolle spielen würde, unmissverständlich zum Ausdruck. Gemeinsam bilden sie ein fast klassisches Ensemble. Nicht aus der Zeit gefallen, aber zeitlos in dem, was sie antreibt und was ihre Kunst abbildet. Fragen nach der zutiefst liegenden Bestimmung von Natur – ob nun der menschlichen oder der von Landschaft – werden aufgeworfen: Der Blick des Betrachters wird gefesselt, durch die aus diversen mentalen, konzeptuellen und gestalterischen Ebenen erzeugte Vielschichtigkeit ebenso wie durch die emotionale Aussage, die ihre Werke ausmachen. Beide nutzen Formen der Darstellung, die offenlassen, inwieweit hier eher etwas preisgegeben oder fiktionalisiert wird.

Franz Politzer, Die betonte Mitte, 2024, Ölbild © schaefer-schlehwein
Das legendäre Licht in den Ölbildern Franz Politzers, die zeitlos lebendigen Himmel mit ihren changierenden Farben, die je nach Blickwinkel eine andere Dynamik im Fluß der Luftschichten spürbar macht, bestärken die Ahnung eines unsichtbaren, dunkleren Counterparts. Denn vom Menschen selbst stehen lediglich Fragmente von Bauwerken als Relikt und Mahnmal in einer Naturlandschaft, die sich kraftvoll erneuert und selbst gestaltet. Doch trügerisch der Schein. Die Schönheit der Natur im Anthropozän ist kein Selbstzweck – vielmehr ein nachdenklich stimmender Irrweg. Die glatte, gestochen scharfe Ästhetik wird auf den zweiten Blick zu einem Vexierbild, das mögliche Abgründe in sich birgt.

Titus Lerner, Serie Häutungen, Bronze © schaefer-schlehwein, 2026
Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Gestalt und seiner inneren Natur bildet durchgängig das Zentrum im Werk von Titus Lerner. Die Düsternis in seinen Bronzen trägt die Ahnung von Erlösung als ebenfalls möglichem Zustand des Menschen in sich. Dieser wird zwar nie abgebildet, balanciert aber als Kontrast aus und schwingt immer implizit mit. Am nächsten kommt Titus Lerner den Zuständen von Ruhe und leichterer Atmosphäre in seiner Serie der Häutungen, in der neben Wut und Verletzung, Momente des Innehaltens abgebildet werden. Doch auch hier ist die existentielle Suche nach Sein und Bestimmung, nach Möglichkeit und Werden der menschlichen Physis und Psyche wegweisendes Thema. Lerners Plastiken ziehen alle in ihren Bann, sind Spiegelbild des humanen Wesens, auf das wir in unserem Menschsein zurückgeworfen werden. Ohne Licht kein Dunkel, ohne Verzweiflung keine Hoffnung.
Vernissage: 27. März 18 Uhr
Ausstellungsdauer 28. März bis 2. Mai 2026

Franz Politzer, Der gefaltete See, 2018, Ölbild © schaefer-schlehwein, 2026






