Die 46. Innsbrucker Festwochen schaffen musikalische „Begegnungen”, die Spuren und Erinnerungen hinterlassen – an historischen Orten, mit einzigartigen Künstlern und innovativen Programmen.

Riskante Bündnisse mit Starbesetzung
Drei Opern mit verhängnisvollen Verstrickungen stehen bei den Festwochen auf dem Programm:  Silla von Carl Heinrich Graun. Das Libretto basiert auf einer „piece dramatique”, die von keinem Geringeren als Friedrich II., König von Preußen, verfasst wurde.
Im Mittelpunkt steht der römische Diktator Lucius Cornelius Sulla, der ein blutiges Terrorregime begründet und schließlich zum Überraschen aller seine Abdankung verkündet. Natürlich sucht Silla – wie es die Gesetze der Oper verlangen – seine Eroberungszüge auch in Liebesdingen.
Zwei der weltweit besten wie gefragtesten Countertenöre unserer Tage: Bejun Mehta und Valer Sabadus stehen auf der Bühne. An ihrer Seite brillieren des Weiteren Hagen Matzeit, Eleonora Bellocci, Roberta Invernizzi, Samuel Mariño und Mert Süngü. Unter der musikalischen Leitung von Festwochen-Intendant Alessandro De Marchi wird aus dem Graben das Innsbrucker Festwochenorchester zu hören sein.

Silla: Bejun Mehta © Marco Borggreve

Silla: Bejun Mehta © Marco Borggreve

Von der Beugsamkeit einer Unbeugsamen handelt der Stoff aus dem die Barockoper:Jung 2022 – Carlo Pallavicinos L’amazzone corsara gemacht ist. Die junge Königin Alvilda von der Insel Gotland hält nichts mehr in ihrer Heimat, denn sie wurde gegen ihren Willen dem dänischen König Alfo versprochen und beschließt daraufhin als Korsarin dessen Schiffsflotte auszubeuten. Zu ihrem Leidwesen wird die freibeutende «Aussteigerin» allerdings von Alfo besiegt – zuerst im Kampf sowie anschließend noch in Liebesdingen. Es folgt ein innerer Kampf, bei dem schließlich Ehrgefühl und Standesbewusstsein den Sieg davontragen und Alfo schlussendlich seine Alvilda, die er natürlich aufrichtig liebt, in die Arme schließen lassen.
In die Rollen von Alvilda, Alfo und Co. schlüpft eine erlesene Auswahl aus Teilnehmern des zurückliegenden 12. Cesti-Wettbewerbs. Regie führt der Sänger, Blockflötist, Dramatiker und Schauspieler Alberto Allegrezza, zu dessen Spezialitäten die musikalische Komödie der Renaissance- und Barockzeit gehört.
In Giovanni Bononcinis Astarto liebt Elisa, Königin von Tiro, ihren Admiral Clearco und ist – trotz Standesunterschied – bereit, ihn zu heiraten. Ihre Verbindung wird von Fenicio, dem angeblichen Vater von Clearco, Agenore, der Elisa liebt, und Sidonia, die Clearco mehr liebt als Nino, abgelehnt. Nur Fenicio weiß, dass Clearco in Wirklichkeit Astarto ist, der Sohn des Königs, der ermordet wurde, als Elisas Vater den Thron an sich riss …
Die Handlung des Astarto liest sich auf den ersten Blick genauso verwickelt und verworren wie die einer jeden, glücklich verlaufenden Barockoper. Das Werk genoss vor allem in London großen Erfolg.
Wenn bei den Festwochen nun die rekonstruierte Londoner Erfolgsfassung des Astarto aus dem Jahr 1720 zur erstmaligen neuzeitlichen Wiederaufführung kommt, steht der international gefragte Stefano Montanari am Dirigentenpult, das von ihm geleitete Enea Barock Orchestra aus Rom, die in Innsbruck bereits bekannte und erfolgreiche Regisseurin Silvia Paoli sowie eine Schar gleichsam gesangs- wie spielfreudiger Solisten.

Geigengeflüster und Stimmengewirr
Der gefiederte Schlossherr lädt vom 12. Juli bis 2. August 2022 zu den traditionellen Ambraser Schlosskonzerten. Es locken vier außergewöhnliche Programme und Musiker, darunter die Ausnahmekünstlerin Anna Fusek und das Ensemble Ars Antiqua Austria.

Stimmengewirr: Anna Fusek © Felix Broede

Stimmengewirr: Anna Fusek © Felix Broede

Klangliche Vielfalt
Das legendäre Ensemble Les Arts Florissants widmet sich in einem rein vokal besetzten Konzert in der beeindruckenden Hofkirche Heinrich Schütz‘ erstem Madrigalbuch. Im Konzert „Virtuosen” präsentiert die Accademia Bizantina mit Ottavio Dantone Werke von Vivaldi, Telemann und Heinichen, Händels „Messias” erlebt unter der musikalischen Leitung von Festwochen-Intendant Alessandro De Marchi eine neuzeitliche Erstaufführung und Alte Musik wird im Open-Mind-Konzert „Orfeo 2.0” mit Rock, Funk und Blues gemischt.

Orfeo 2.0 © peuserdesign.de Fretwork © Nick White

Orfeo 2.0 © peuserdesign.de Fretwork © Nick White

In „Rivalità” werden vom jungen Ensemble Le Consort musikalische Dialoge ausgefochten und im Konzert „Constantia” mit La fonte musica hören wir den musikalischen Begegnungen rund um das Konstanzer Konzil nach. Dazwischen entführen zarte Sopranstimmen und feine Lautenklänge an bezaubernde Orte. Die zahlreichen kostenlosen Formaten laden zu spontanen Begegnungen in der Stadt und auf dem Berg.
12. Juli bis 28. August 2022

www.altemusik.at