Die Kunsthalle Wien widmet sich der Kunst und ihrer Rolle in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Sie produziert Ausstellungen, forscht zu künstlerischen Praxen und unterstützt lokale und internationale Künstler. Sie verankert ihr Wissen über die internationale Kunst der Gegenwart in und für Wien und macht sich für die Fruchtbarkeit künstlerischer Denkweisen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens stark.

Für Rajkamal Kahlon ist Malerei eine Form der Care-Arbeit – des Dienstes an anderen im Bewusstsein der Verantwortung für und Sorge um sie. Und so zielt ihre Praxis darauf, die verbreitete Reduktion von Malerei auf eine Luxusware zu hintertreiben.

Am Anfang ihrer Werke stehen kritische Forschungen zu Archiven, historischen Dokumenten und der Literatur des Kolonialismus, die sie mit Zeichnungen und gemalten Bildern von Menschen überblendet, die sonst dem kolonialen Blick dieser Quellen ausgeliefert sind. So werden Zeichnung und Malerei zu Szenen des politischen und ästhetischen Widerstands; der kolonialen und ethnografischen Darstellungen innewohnenden Gewalt werden Schönheit, Humor und verführerische Sinnlichkeit entgegengesetzt.

Die Aneignung und radikale Verwandlung kolonialer Bildlichkeit untergräbt die hierarchische Beziehung zwischen Ethnografen oder Anthropolog*in und ‚passiven‘ Subjekten und zieht eine direkte Verbindungslinie zwischen der Vergangenheit und dem Imperialismus und Orientalismus von heute. Die so entstehenden Arbeiten reflektieren die Verstrickung der Leser/Betrachter und erkunden zugleich Wege, wie die dargestellten rassifizierten und geschlechtlich kodierten sowie Indigenen Communitys ihre Kraft und Würde zurückgewinnen und verteidigen können.
1. Dezember 2022 bis 16. April 2023

kunsthallewien.at