„… eines Fürsten würdig“ – so charakterisierte der Tiroler Topograph Beda Weber Schloss Bruck, die ehemalige Residenz der Grafen von Görz in seinem Werk „Das Land Tirol. Ein Handbuch für Reisende“ (1838). Die monumentale Burg, seit 1942 im Besitz der Stadt Lienz, zählt zu den Hauptsehenswürdigkeiten Osttirols und beherbergt heute das Museum der Stadt Lienz mit der umfangreichsten Werksammlung des Osttiroler Malers Albin Egger-Lienz.

Albin Egger-Lienz, der bedeutendste Tiroler Maler des 20. Jahrhunderts und zugleich einer der ganz Großen der Moderne in Österreich, legte durch eine Schenkung 1913 selbst den Grundstein zur umfangreichen Sammlung auf Schloss Bruck. Hier hat er eine kongeniale Wirkungsstätte gefunden, eingebettet in die Geschichte seiner Heimat, deren Namen „Lienz“ er im Jahr 1891 dem seinen hinzufügt. Die Ausstellung bietet dabei nicht nur einen Querschnitt durch seine künstlerische Entwicklung…
Mit Auszügen aus Briefen an Familie, Freunde und Künstler führt der Maler selbst durch die Räume, teilt private Momente und persönliche Ansichten zu seinen Werken.

Sammlung Egger-Lienz, Schloss Bruck © Wolfgang Retter

Sammlung Egger-Lienz, Schloss Bruck © Wolfgang Retter

Faszinierende Meisterwerke
Die 2020 erfolgte Neuaufstellung der Sammlung der Stadt Lienz ist jedoch keine statische – jährlich wechselnde Module beleuchten Leben und Werk des international anerkannten Malers. Ergänzt mit spannenden Leihgaben und Meisterwerken, welche der Besucher weit abseits von urbanen Zentren nicht vermuten würde, lässt sich tief eintauchen in die Klassische Moderne und den Weg des Künstlers vom Historismus zum Expressionismus.
30. Mai bis 13. Oktober 2024, Haupttrakt

Götter Gaben
Das keltisch-römische Heiligtum in Lienz
In „Götter Gaben“ begeben sich die Besucher auf Entdeckungsreise durch das keltisch-römische Heiligtum, das erst vor wenigen Jahren mit Hilfe von Josef Kalser am Westrand des Lienzer Beckens entdeckt und durch die Archäologen Gerald Grabherr und Barbara Kainrath mit ihrem Team wissenschaftlich untersucht wurde.

Keltischer Krieger © Universität Innsbruck

Keltischer Krieger © Universität Innsbruck

Dieses „Fanum“ erstreckt sich auf einem nun bewaldeten Hügel nahe der Brauerei und ist aus mehreren Gründen ein ganz besonderer Platz: es handelt sich um den Kultplatz des keltischen Stammes der Laianken, der in römischer Zeit nicht zerstört, sondern weiter betrieben und sogar aufwändig umgestaltet wurde. Somit wurden hier Weihegaben von der späten Latènezeit im 1. Jahrhundert v. Chr. bis in das 4. Jahrhundert n. Chr. gefunden, die nun erstmals gesammelt der Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine herausragende Rolle nehmen die Zinnfiguren römischer Götter ein, handelt es sich hierbei doch um den größten Komplex entsprechender Statuetten im gesamten römischen Reich. Aber auch weitere Funde, wie etwa zwei vollplastische Statuetten aus Bronze sowie Fragmente einer keltischen Kriegstrompete stellen Highlights dieser Ausstellung dar.
30. Mai bis 13. Oktober 2024, Haupttrakt

Josef Dapra. Das fotografische Werk
Der gebürtige Lienzer Josef Dapra (1921-2018) war in der Nachkriegszeit ein bedeutender Dokumentarist Salzburgs, der zahlreiche Bildbände publizierte und damit den pittoresken Ansichten dieser Stadt zu internationaler Verbreitung verhalf. In Kooperation mit dem Fotohof Salzburg widmet sich der Westtrakt in diesem Jahr seinem fotografischen Lebenswerk, das ihn auch als einen profilierten Modernisten ausweist.

Josef Dapra − Modeschau, Bad Gastein, 1957 © Fotohof Salzburg

Josef Dapra − Modeschau, Bad Gastein, 1957 © Fotohof Salzburg

Dapra studierte in Innsbruck Geschichte und Psychologie und besuchte die renommierte Meisterschule für Fotografie Adolf Lazi in Stuttgart, die in dieser Zeit stilistische und technische Qualitätsstandards in der Fotografie vorgab. In Salzburg verband ihn mit dem Gründer des Residenzverlags, Wolfgang Schaffler, eine lebenslange Freundschaft und er wirkte an zahlreichen Bildbänden des Verlages mit, unter anderem mit dem Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl aber auch mit dem Architekten Raimund Abraham. Von ihm ließ er sich nicht nur sein Haus in Salzburg bauen sondern er fotografierte mit ihm auch den Bildband »Elementare Architektur« (1963, Neuauflage 2001), ein künstlerisches Vermächtnis der Arbeit von Abraham und Dapra. Die Ausstellung stellt diesen Spannungsbogen zwischen klassischer Dokumentation der Stadt und dem modernistischen Anspruch der Fotografie als Nachwirkung der Bauhaus Fotografie in den Vordergrund.
Für Lienz von besonderer Bedeutung ist nicht nur die Zusammenarbeit mit Raimund Abraham, sondern auch seine berührenden Stadteinblicke für das erste Stadtbuch 1966, zu dem auch Max Dellacher und Pepi Stiegler Bilder beitrugen.
22. Juni bis 15. September 2024, Westtrakt

www.museum-schlossbruck.at