Im Sommer 2026 erwacht am Schlossberg von Rattenberg eine mittelalterliche Legende zu neuem Leben. Die Schlossbergspiele Rattenberg präsentieren mit „Notburga – die Feierabendheilige“ eine Uraufführung, die Mythos, Gesellschaftskritik und poetisches Volkstheater miteinander verbindet. Geschrieben wurde das Stück von Barbara Aschenwald, die mit diesem Werk ihr erstes abendfüllendes Theaterstück vorlegt, während Markus Völlenklee die Regie übernimmt.

Die Geschichte wird von einem alten, müden Engel erzählt, der am Schlossberg wohnt – ein Überbleibsel einer Zeit, in der die Menschen noch in Bildern und Mythen nach Antworten suchten. Sein zerzaustes Gewand und der gebrochene Flügel spiegeln eine Welt wider, die sich verändert hat. Statt himmlischer Zeichen dominieren heute wirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliche Machtstrukturen. Doch gerade in dieser Spannung entfaltet sich die Geschichte der Heiligen Notburga.
Notburga ist eine Figur zwischen Armut und Würde, zwischen gesellschaftlichem Aufstieg und tiefem Fall. Als Dienstmagd schenkt sie den Bettlern vor der Burg die Reste der gräflichen Tafel – ein Akt christlicher Nächstenliebe, der jedoch mit den wirtschaftlichen Interessen der neuen Herrin Ottilie kollidiert. Unter der Herrschaft Heinrichs des Zweiten verändert sich die Weltordnung: Besitz, Gehorsam und ökonomische Kontrolle verdrängen Mitgefühl und Solidarität. Notburga wird wegen ihres Ungehorsams von der Rottenburg verbannt und findet sich plötzlich ohne Heimat, ohne Schutz und ohne Perspektive wieder.In der poetischen Bildsprache des Stücks wird diese Situation zu einer zeitlosen Erzählung über gesellschaftliche Machtverhältnisse. Die Dämonen von Neid, Geiz und Habgier werden als unsichtbare Kräfte sichtbar, die nicht nur das Mittelalter, sondern auch die Gegenwart prägen. Doch Notburga bleibt eine Figur des Glaubens an menschliche Würde. Ihr Weg führt sie als Dienstmagd zum Spiessenbauern am Achensee – ein Abstieg, der zugleich als spirituelle Prüfung verstanden wird. Denn das Stück stellt die Frage: Suchen wir das Heil, oder findet das Heil uns?

Notburga – die Feierabendheilige Plakatsujet Schlossbergspiele Rattenberg 2026 © Schlossbergspiele Rattenberg

Notburga – die Feierabendheilige, Plakatsujet Schlossbergspiele Rattenberg 2026 © Schlossbergspiele Rattenberg

Regisseur Völlenklee bringt seine langjährige Erfahrung im Volkstheater und seine Arbeit an großen deutschsprachigen Bühnen in die Inszenierung ein. Seine künstlerische Laufbahn führte ihn unter anderem an große Häuser wie das Schauspielhaus Düsseldorf, das Thalia Theater Hamburg und zu den Salzburger Festspielen. Besonders seine langjährige Verbindung zum Tiroler Volkstheater prägt den Zugang zu dieser Inszenierung, die Tradition und zeitgenössische Interpretation miteinander verbindet. Die Autorin Aschenwald verbindet in ihrem Schreiben literarische Sprache mit sozialem Realismus. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet sie als Krankenschwester im Dialysezentrum Schwaz – eine Erfahrung, die sich in ihrem Blick auf menschliche Verletzlichkeit und Würde widerspiegelt. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie unter anderem den Rimbeau-Preis, den Jürgen-Ponto-Preis und verschiedene Förderstipendien.
Mit Blick auf die historischen Mauern des Schlossbergs entsteht so ein Theatererlebnis, das Geschichte nicht als vergangene Zeit versteht, sondern als lebendige Erzählung über Menschlichkeit, Glauben und gesellschaftlichen Wandel. Denn am Ende bleibt die zentrale Botschaft dieser Legende: Man kommt nicht in den Himmel, weil man ihn sucht – sondern weil das Heilige manchmal selbst den Weg zu den Menschen findet.
3. Juli bis 7. August 2026
www.schlossbergspiele-rattenberg.at