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Neben Theater, Film, Tanz aus Ungarn, Rumänien, Serbien und Österreich im Amerlinghaus und im Theater Akzent steht auch eine Audio-Installation auf der Floridsdorfer Romawiese auf dem Festivalprogramm.

„Wir wollen den Roma durch Theater und Kultur eine Stimme geben. Es ist notwendig, einander, Roma und Nicht-Roma, zu kennen und anzuerkennen, um unsere historischen kulturellen Unterschiede zu versöhnen. Wir haben eine Auswahl an Theaterstücken und Performances zusammengestellt, die sich um aktuelle Themen und Ästhetiken drehen, die in der Dokumentation der Realität und der Mikrogeschichte verwurzelt sind.“ Bekennt die künstlerische Leiterin des Festivals Simonida Selimovic.
„E Bistarde“ hat eine klare soziale Botschaft in Bezug auf Bildung, Bewusstsein und Stärkung einer positiven Identität, und ihre kulturelle Vielfalt über und mit Roma arbeitet darauf hin, die Dinge innerhalb der Roma-Gemeinschaften sowie außerhalb zwischen der Nicht-Roma-Mehrheit und den Roma-Gemeinschaften zu harmonisieren.

„Als alle Ohren hören konnten“
partizipative Audio-Installation
Die Stadt Salzburg ist voller Schattengeschichten. Eine solche ist die Geschichte des Zwangsarbeitslagers Maxglan in Salzburg, in dem zwischen 1940 und 1943 rund 200–300 Roma und Sinti interniert waren. Die meisten dieser Menschen wurden in die Vernichtungslager der Nazis deportiert und dort ermordet.
Die Audioinstallation „Als alle Ohren hören konnten” versammelt ca. 50 persönliche Briefe, welche sich an die Gefangenen des Lagers Maxglan richten und aus Hörsäulen ertönen. Durch Erinnerungspatenschaften verbinden sich die Briefautoren auf individuelle Weise mit einzelnen Personen und deren Lebensgeschichte. Die Audioinstallation stellt dabei die Stimmen und Gedanken von Roma und Sinti Künstlern, Aktivisten, Wissenschaftler und Communityworker in den Mittelpunkt.
21. bis 24. April 2022

Sie haben nichts gesehen!
Von: Alex Fifea, David Schwartz, Cătălin Rulea
Am 4. März 2014 wurde Daniel-Gabriel Dumitrache, 26, der als Parkwächter in der Altstadt arbeitete, in der 10. Polizeistation in Bukarest zu Tode geprügelt. Dieses Verbrechen ist Teil einer sehr langen Reihe von Misshandlungen durch die Strafverfolgungsbehörden, insbesondere gegen die Wehrlosesten – die Armen, die Behinderten, die Obdachlosen, die Sexarbeiterinnen, die Roma. Gewalt ist der wichtigste Kontrollmechanismus, durch den die Polizei die Aufrechterhaltung der aktuellen Klassenstrukturen und Machtverhältnisse verteidigt. Polizeigewalt ist das direkte Ergebnis von Gewalt und Rassismus in der Gesellschaft, wo sich der Anti-Roma-Diskurs mit dem Diskurs gegen die „Armen”, „Trickser”, „Bettler” kreuzt.
Daniel Dumitrache ist leider der Repräsentant einer ganzen gesellschaftlichen Kategorie. Armut, mangelnder Zugang zu Bildung, Drogenkonsum, Vorstrafen – so viele Gründe dafür, dass Dintes Grundrechte angesichts des Machtmissbrauchs der Polizei ausgehebelt werden. Die auf die Aufführung folgende Debatte zielt darauf ab, mögliche Antworten oder Lösungen für eine der Realitäten zu hinterfragen, die viele der am stärksten gefährdeten sozialen Gruppen wie Obdachlose, Sexarbeiter, Zimmerleute oder Bettler gemeinsam haben, nämlich den Drogenkonsum.
21.April 2022

Frogtales – Punk opera
Eine Aufführung des Independent Theatre Hungary
Dem Stück geht der experimentelle Kurzfilm „Batrachian’s Ballad“ von Leonor Teles voraus.
In diesem Film zerbricht der Künstler Froschstatuen, die am Eingang portugiesischer Geschäfte ausgestellt sind, und macht so auf eine diskriminierende Praxis aufmerksam. Diese scheinbar charmanten Froschstatuen sind Zeichen: Sie halten die Roma von Geschäften in ganz Portugal fern. Uns sind viele Geschichten über Sicherheitskräfte bekannt, die den Roma in den Geschäften folgen und dass die Roma in viele Clubs nicht einmal Zutritt haben. Aber die Frösche selbst werden selten erwähnt. Wer sind diese Frösche?
In vielen Fällen sind sie selbst Angehörige der Roma-Minderheit, da Mehrheitsgesellschaften es immer vorgezogen haben, Angehörige von Minderheiten einzustellen, um ihresgleichen fernzuhalten oder zu regulieren.In der von Balogh Rodrigó inszenierten Aufführung erfahren wir etwas über die Geschichte von drei Generationen einer Froschfamilie, von denen zwei Generationen einen Job als Wächter, Rausschmeißer bekommen können und daher oft mit den Mitgliedern ihrer eigenen Gemeinschaft konfrontiert werden. Die verschiedenen Familienmitglieder der Geschichte entwickeln sich von Generation zu Generation weiter, während der Jüngste als Musiker vom „Wächterfrosch“ zum „Ehrenfrosch“ werden kann. Mit seiner Kunst erweicht er bereits das Herz der Prinzessin, die sich in den Froschjungen verlieben wird. Aus dem Kuss der Prinzessin werden aus Fröschen natürlich Prinzen.
Die Frage ist jedoch, ob die Unterscheidung zwischen Fröschen aufhört, weil ein junger Frosch ein Prinz wird?
Hat seit Obamas Präsidentschaft die institutionelle Diskriminierung von Afroamerikanern ein Ende gefunden?
Haben die Roma in Entscheidungspositionen systemische Veränderungen am täglichen Leben ihrer Gemeinschaften in Ungarn vorgenommen?
22. April 2022

Bibi Sara Kali
Eine Produktion von Romano Svato in Kooperation mit WERK X-Petersplatz
Bibi Sara Kali ist die mächtige Patronin der Roma, Beschützerin, Wegbegleiterin, Roma Wonderwoman. Ihr Kult wird von Roma weltweit in regionalen Abwandlungen zelebriert. Auf dem Balkan ist ihr der Bibijako Djive, der „Tag der Tante“, gewidmet.
Ein letztes Mal wollte Jelena den Bibijako Djive begehen und stieg deshalb in den Bus von Wien-Erdberg nach Boljevac, ihre Heimatstadt in Serbien. Dort feierte sie – und dort starb sie tags darauf.
Ihr Tod gibt den Töchtern Snežana, Melisa und Tanja viele Fragezeichen auf: Seit der Migration nach Wien vor dreißig Jahren, welche die beiden älteren Schwestern als kleine Kinder miterlebt haben, gab es kaum noch Kontakt zur Familie in Serbien; und auch, dass die Mutter aufgebrochen war, um den Bibijako Djive zu feiern, ist verwunderlich, schließlich hatte sie in Wien ihre Identität als Romni geheim gehalten und ihre Töchter ohne Traditionen erzogen. Die drei Schwestern, einander seit Jahren entfremdet, und Snežanas Ehemann Taiye machen sich auf den Weg nach Boljevac, um die Mutter zu beerdigen.

E BISTARDE, Bibi Sara Kali © Rosmarin Frauendorfer

E BISTARDE, Bibi Sara Kali © Rosmarin Frauendorfer

Antworten auf ihre Fragen finden sie dort weder in Tante Dragoslavas knappen Auskünften noch in Zuckerorakeln oder Cousin Marcos schnapsgetränkten Fantasien einer besseren Zukunft in der EU. Unter die schmerzhaften Erinnerungen an Diskriminierungen in den Kindheitstagen vor der Migration und an die schwierige erste Zeit in Wien mischen sich plötzlich solche, die keine der drei Schwestern selbst erlebt haben. Und dann ist da noch Jelenas letzte Botschaft, die mit der Bibi Sara Kali zu tun hat …
23. April 2022

Marionobots“ – Marionetten und Roboter“
Tanzperformance
Eine Produktion der Gruppe 4 ELEMENTS
Marionetten und Roboter, die die Gesellschaft unserer Zeit darstellen, erzählen in einer Tanzperformance eine Geschichte, die auf Gegenwart und Zukunft abzielt.
Verschiedene Tanzstile, Freestyle und Musik versetzen in eine Zeitreise durch die 60’s, 70’s, 80’s, 90’s und 2000er Jahre.
Der Beatboxer bestätigt bewusst via Audio unsere Assoziationen die wir im Kopf haben oder wiederlegt sie auch. Eine One-Man-Show als Medley und Zeitreise.
23. April 2022

„Bambina“ von ART Hub
„Bambina, regina florilor“ ist das erste Stück über die Traditionen der Boldi-Roma, die auf einer in Zusammenarbeit mit dem rumänischen Floristenverband durchgeführten Recherche zu den mündlichen Überlieferungen und Bräuchen der Roma-Floristen in Bukarest und dem Leben der Floristin Lina Victorița Georgescu basiert.
Den meisten schlicht als „Bambina”, bekannt, war sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau, eine emblematische Figur der Floristenzunft. Die Geschichte des kleinen Mädchens, das im Alter von sieben Jahren anfing, Blumen auf dem Markt zu verkaufen und schließlich bis zu seinem Lebensende ein Finanzimperium führte, ist Inspiration und Ausgangspunkt für den Aufbau der Show des Stücks. Die Zweige der Geschichte über Mitarbeiter, Politik und Unterhaltung verknüpfen sich mit der jüngeren Geschichte Rumäniens und jener der Roma-Gemeinschaft in Rumänien.
24. April 2022

www.romanosvato.at