Anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Strauss (1825–1899) richtet das MAK Wien einen überraschend zeitgenössischen Blick auf das musikalische Erbe des „Walzerkönigs“.

Die Plakatausstellung „Johann Strauss: Rausch und Ekstase. Feministischer Ausdruckstanz im Plakat 1900–1933“ widmet sich der bislang wenig beleuchteten Verbindung zwischen Strauss’ Musik und der Entstehung des expressionistischen Tanzes – einer künstlerischen Bewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders in Wien eine kraftvolle Bühne fand.
Über 40 historische Plakate aus der Sammlung des MAK lassen eine Epoche lebendig werden, in der sich junge Tänzerinnen von den starren Formen des Balletts und den gesellschaftlichen Konventionen der Belle Époque befreiten. Inspiriert von der Dynamik des Walzers entwickelten Künstlerinnen wie Gertrud Bodenwieser, Grete, Elsa und Berta Wiesenthal, Anny Day-Helveg, Maria Ley und Gertrude Barrison eine neue Sprache des Körpers: frei, expressiv, emotional. Der Körper wurde zum Medium einer modernen Ästhetik, die sich sowohl von der klassischen Musiktradition als auch von patriarchalen Vorstellungen von Weiblichkeit absetzte.

Erna Kniebert, Hedy Prundmayr, 1931, druck J. Weiner, Wien, Lithografie © MAK

Erna Kniebert, Hedy Prundmayr, 1931, druck J. Weiner, Wien, Lithografie © MAK

Die Plakate dieser Ausstellung bezeugen eindrucksvoll, wie Tanz als Mittel weiblicher Selbstermächtigung wirkte – auf der Bühne ebenso wie im öffentlichen Raum. Sie zeigen nicht nur kunstvoll gestaltete Werbegrafiken für Tanzabende, sondern auch die visuelle Strategie, mit der sich diese Pionierinnen als Künstlerinnen positionierten: selbstbewusst, provokant, zukunftsgewandt.
Mit dieser Ausstellung schlägt das MAK eine Brücke zwischen Musik, Design und sozialer Bewegung. Es erinnert daran, dass künstlerischer Ausdruck immer auch gesellschaftlicher Ausdruck ist – und dass Johann Strauss, dessen Walzer zunächst den Ballsaal erfüllten, indirekt zur Entfesselung einer der radikalsten Tanzformen des 20. Jahrhunderts beitrug.
17. Juni bis 2. November 2025
www.mak.at

Jan Vilímek, Primavera und Beatrice Mariagraete, Tanzabend „Neue Tänze zu alter Musik“, 1921, Auftraggeberin: Konzerthaus, Wien, Druck: J. Weiner, Wien, Lithografie © MAK

Jan Vilímek, Primavera und Beatrice Mariagraete, Tanzabend „Neue Tänze zu alter Musik“, 1921, Auftraggeberin: Konzerthaus, Wien, Druck: J. Weiner, Wien, Lithografie © MAK