In den Deichtorhallen Hamburg entfaltet sich ab dem 24. Oktober 2025 ein Feuerwerk künstlerischer Leidenschaft: Huguette Caland: A LIFE IN A FEW LINES präsentiert das facettenreiche Werk der libanesischen Künstlerin, die seit den 1960er Jahren jede Konvention sprengte, jede Grenze zwischen Gesellschaftsnormen, Sexualität und künstlerischem Ausdruck hinterfragte. Mit rund 300 Werken aus drei Kontinenten eröffnet die Schau einen dynamischen Blick auf eine Künstlerin, deren Lebensweg so bunt, widersprüchlich und kompromisslos war wie ihre Bilder selbst.

Calands Kunst ist ein Aufstand gegen Stillstand. Geboren 1931 in Beirut als Tochter des ersten Präsidenten des Libanon, hätte sie ein Leben in politischer Elite, in Anpassung und Konformität führen können. Doch sie wählte den Widerstand – gegen die Erwartungen ihrer Familie, gegen die restriktiven gesellschaftlichen Rollen ihrer Zeit. Schon ihr Schritt an die Amerikanische Universität Beirut 1964 war ein Akt der Selbstbestimmung; der Umzug nach Paris 1970, die Rückkehr in Beirut 2013 – alles Stationen einer Suche nach künstlerischer Freiheit und persönlicher Authentizität.

Huguette Caland, Moi, Moustafa et Paul, 1970, Öl auf Leinwand © Courtesy of Huguette Caland Estate and LACMA, Los Angeles

Huguette Caland, Moi, Moustafa et Paul, 1970, Öl auf Leinwand © Courtesy of Huguette Caland Estate and LACMA, Los Angeles

Ihre Arbeiten spiegeln diese Lebenshaltung in allen Facetten: farbintensive Gemälde, sinnliche Zeichnungen, Skulpturen und textile Objekte, die mal figurativ, mal abstrakt sind, immer jedoch den Blick auf das Begehren, die Liebe, die Gemeinschaft und das Älterwerden richten. Erotische Motive, die spielerisch und provozierend zugleich sind, setzen Caland an die Spitze einer Generation, die weibliche Identität nicht länger verkürzen wollte auf Rollenklischees. Ihre Kunst ist lebensbejahend, mutig und unerschrocken – ein visueller Dialog über das, was oft im Verborgenen bleibt.
Calands Werk ist kosmopolitisch wie ihre Lebensgeschichte. Die Boheme in Paris, die experimentelle Atmosphäre in Venice, Kalifornien, und die Rückkehr nach Beirut bilden den Resonanzraum ihrer Kunst, die kulturelle Unterschiede, politische Spannungen und persönliche Erfahrungen auf radikale Weise miteinander verwebt. Es entsteht eine sinnlich-ästhetische Welt, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt werden will.
Die Ausstellung würdigt zugleich Calands Einfluss auf die heutige Kunstwelt: Sie gilt als Ikone weiblicher Emanzipation, als Inspiration für Künstlerinnen weltweit. Ihre Arbeiten, vertreten in renommierten Sammlungen wie Centre Pompidou, Tate London und British Museum, entfalten hier in Hamburg eine neue Präsenz, die die Besucherinnen und Besucher einlädt, sich dem Mut, der Leidenschaft und der radikalen Sinnlichkeit dieser außergewöhnlichen Künstlerin hinzugeben.
24. Oktober 2025 bis 26. April 2026
www.deichtorhallen.de

Huguette Caland; Homage to Pubic Hair, 1992, Mischtechnik auf Papier, auf Holzplatte aufgezogen © Courtesy of Huguette Caland Estate

Huguette Caland; Homage to Pubic Hair, 1992, Mischtechnik auf Papier, auf Holzplatte aufgezogen © Courtesy of Huguette Caland Estate