Worpswede ist seit über 130 Jahren ein lebendiges Künstlerdorf. Von Paula Becker bis zu internationalen Stipendiaten prägt Kunst und Kultur das Teufelsmoor. Entdecken Sie Ausstellungen, Veranstaltungen und kreative Tradition.
Alles begann 1884, als der Düsseldorfer Kunststudent Fritz Mackensen durch eine zufällige Begegnung mit der Kaufmannstochter Mimi Stolte auf das noch unbekannte Dorf aufmerksam wurde. Begeistert von Landschaft und Menschen kehrte er 1889 mit Otto Modersohn und Hans am Ende zurück. Ihr Entschluss, in Worpswede zu bleiben, markierte die Geburtsstunde der Worpsweder Künstlervereinigung. Bald stießen Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler hinzu, und die „Worpsweder“ erzielten mit ihren poetischen Landschaftsdarstellungen großen Erfolg – insbesondere bei einem städtischen Publikum, das fortan selbst den Weg ins Teufelsmoor fand.
Besonders prägend war Paula Becker, die mit ihren reduzierten Menschendarstellungen als Wegbereiterin der Moderne gilt. Später folgten Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Bildhauerinnen wie Clara Westhoff und zahlreiche Künstlergenerationen, darunter Walter Bertelsmann, Sophie Bötjer oder Bernhard Hoetger, dessen markante Architektur das Ortsbild bis heute prägt.
Auch heute lebt Worpswede als Ort der Kunst weiter: Über 130 ansässige Künstlerinnen, Künstler, Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandqerker sowie internationale Stipendiaten der Künstlerhäuser Worpswede setzen fortwährend neue Akzente. Besucherinnen und Besucher erleben zeitgenössische Kunst, Ausstellungen, Veranstaltungen und die einmalige Verbindung von Landschaft, Architektur und kreativer Tradition hautnah. Die Stipendiatenhäuser, gegründet 1971, haben unzählige Künstlerinnen und Künstler gefördert und Worpswede international als lebendiges Künstlerdorf etabliert.

In der „Käseglocke” wohnte einst der Schriftsteller und Gästeführer Edwin Koenemann © Niedersächsisches Landesarchiv
Außergewöhnliche Architektur und viele Museen
Charakteristisch für Worpswede sind die historischen Bauernhöfe, die einst den Ortskern bildeten, die schmalen Straßen mit Kopfsteinpflaster sowie die ungewöhnliche Architektur vieler Häuser. Mittelpunkt des sanierten Ortskerns ist die Kunst- und Kulturmeile Bergstraße.
Mehrere Museen geben Einblicke in die Vielfalt der Worpsweder Kunst von den Anfängen im Jahr 1889 bis heute. Vier davon gehören zum Museumsverbund: Barkenhoff, Große Kunstschau, Haus im Schluh und Worpsweder Kunsthalle. Sie organisieren unter anderem Gemeinschafts-Ausstellungen, die die einzelnen Sammlungen ergänzen. Das Museum am Modersohn-Haus und das Rundhaus „Käseglocke“ ergänzen das Angebot.
Ein weiteres Museum ist in einer früheren Torfschiffswerft im Ortsteil Schlußdorf untergebracht und informiert über die Geschichte des Torfabbaus und die Fertigung der kleinen Torfkähne, die dort zwischen 1851 und 1951 gebaut wurden.

Haus im Schluh © Worpsweder Museumsverbund
Worpswede und die europäischen Künstlerkolonien
Euroart – Worpswede international
Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in ganz Europa Künstlerkolonien . Künstlerinnen und Künstler, vor allem Malerinnen und Maler, zogen aufs Land, um sich von den starren Regeln der Kunstakademien zu lösen und direkt in der Natur zu malen. Sie suchten nach künstlerischer Freiheit und einem ursprünglichen Leben in ländlicher Umgebung und erschufen eine gesamteuropäische Bewegung, die die Entwicklung der Kunst um 1900 entscheidend prägte Die Künstlerkolonien wurden zu Hotspots der damalige Kunstszene, die in regem Austausch mit einander standen. An einigen Orten bildeten sich – wie in Worpswede – kreative Gemeinschaften, die zusammen lebten, gemeinsam künstlerische Ideen entwickelten und ihren eigenen, unverwechselbaren Stil schufen. Worpswede ist als bedeutende deutsche Künstlerkolonie seit 1994 Gründungsmitglied der ›Europäischen Vereinigung der Künstlerkolonien‹ (euroart). Im Bewusstsein des gemeinsamen kulturellen Erbes wird der länderübergreifende Dialog aktiv gefördert und an gemeinsamen kulturhistorischen Konzepten gearbeitet.
www.euroart.eu
Worpswede: Impuls Paula. Eine künstlerische Entdeckungsreise
Anlässlich des 150. Geburtstags von Paula Modersohn-Becker widmen sich die Worpsweder Museen dem nachhaltigen Einfluss der Künstlerin auf die Kunst bis in die Gegenwart. Ausgehend von je einem ihrer Werke, begeben sich die Kuratoren der einzelnen Museen in verschiedenen Themensträngen auf künstlerische Entdeckungsreisen. Diese Tour setzt sich für Besucherinnen und Besucher auf den Wegen zwischen den Museen, durch das Künstlerdorf und die umgebende Landschaft fort, wo zahlreiche Orte an das Leben Paula Modersohn-Beckers erinnern. Die Ausstellungen laden dazu ein, die Malerin im Kontext ihres Lebens, ihres künstlerischen Entwicklungsprozesses sowie als Impulsgeberin in der zeitgenössischen Kunst neu zu entdecken.
bis 1. November 2026
www.worpswede-touristik.de
www.worpswede-museen.de

Der Barkenhoff © Worpsweder Museumsverbund





