Seit einem Jahrhundert bringen die Passionsspiele St. Margarethen die Geschichte Jesu auf die Bühne – und das stets im Dialog mit der jeweiligen Gegenwart. Jede Zeit stellt neue Fragen an diese uralte Erzählung, jede Generation sucht ihre eigenen Antworten. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2026 wagt das burgenländische Passionsspiel eine mutige Neuinterpretation: Zum ersten Mal steht eine Frau im Zentrum der Handlung.
Unter dem Titel „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ erzählt Spielleiter Pfarrer Dr. Richard Geier die Passion aus der Perspektive von Maria Magdalena, die im Hebräischen Mirjam heißt. Sie war, wie es die Evangelien bezeugen, nicht nur eine enge Vertraute Jesu, sondern auch die erste Zeugin seiner Auferstehung. Zwanzig Jahre nach den dramatischen Ereignissen von Bethanien, Jerusalem und Golgota blickt Mirjam zurück: auf Begegnungen, auf Abschiede, auf Momente der Hoffnung und der Verzweiflung. Im Dialog mit anderen biblischen Figuren entfaltet sich so ein eindringliches, zutiefst menschliches Panorama der Passion – getragen von einer neuen Textfassung, moderner Musik und einer frischen Regiehandschrift.
„Es war höchste Zeit, die weibliche Perspektive auf die Passion sichtbar zu machen“, erklärt Geier. „Maria Magdalena spielte im Leben Jesu eine bedeutende Rolle, doch in der männerdominierten Kirchengeschichte blieb ihre Stimme oft ungehört. Diese Neuinszenierung gibt ihr den Raum, der ihr zusteht – und schafft zugleich Anknüpfungspunkte für ein Publikum, das mit traditionellen Formen der Glaubensverkündigung oft wenig anfangen konnte.“
Die Aufführungen finden wie immer in der imposanten Kulisse des Steinbruchs von St. Margarethen statt – einer Naturbühne, die mit ihrer Weite und Rauheit eine einzigartige Atmosphäre schafft. Rund 500 Darstellerinnen, Darsteller, Helferinnen und Helfer aus dem Ort wirken in ihrer Freizeit an diesem außergewöhnlichen Gemeinschaftsprojekt mit. Über 50 Proben sind notwendig, um die monumentale Inszenierung Jahr für Jahr zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Passionsspiele St. Margarethen 2022 © Passionsspiele St. Margarethen
Doch die Spiele sind mehr als eine künstlerische Herausforderung. Ein großer Teil der Einnahmen wird traditionell für wohltätige Zwecke verwendet – ein gelebtes Zeichen dafür, dass die Botschaft von Liebe, Mitgefühl und Gemeinschaft nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Alltag spürbar bleibt.
Mit „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ verbinden die Passionsspiele St. Margarethen Tradition und Erneuerung: Sie halten an der zentralen Botschaft der Passion fest – dass Liebe stärker ist als der Tod – und öffnen gleichzeitig neue Perspektiven auf eine Geschichte, die seit 2000 Jahren bewegt.
Die Jubiläumsspielzeit findet vom 23. Mai bis 12. Juli 2026 statt.
Karten sind ab sofort erhältlich unter:
www.passio.at






