Das Museum Tinguely in Basel versteht sich seit seiner Gründung als ein Ort, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern auch als Spiegel gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen verstanden wird. Mit seinen Ausstellungen eröffnet es Perspektiven, die weit über die klassische Kunstbetrachtung hinausgehen – hin zu Fragen, die unser Zusammenleben, unsere Demokratie und unser Verhältnis zur Natur betreffen. Im Herbst und Winter 2025/26 widmet das Haus zwei Künstlern große Einzelausstellungen, die auf sehr unterschiedliche Weise, aber gleichermaßen eindringlich, diese brennenden Themen beleuchten: Oliver Ressler und Carl Cheng. Während Ressler mit seinen Videoarbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Aktivismus den Zustand unserer Demokratien und den globalen Kampf gegen die Klimakrise in den Fokus rückt, blickt Cheng in einem Werk, das sich über sechs Jahrzehnte erstreckt, auf die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Natur und Technologie. Gemeinsam bieten die beiden Präsentationen eine eindrucksvolle Reflexion darüber, wie Kunst uns ermutigen kann, Fragen zu stellen, die Zukunft zu denken und Verantwortung zu übernehmen.

Oliver Ressler, Not Sinking, Swarming, 4K-Video, 2021. Courtesy of the artist, àngels Barcelona © ProLitteris, Zürich
Oliver Ressler: Scenes from the Invention of Democracy
Oliver Ressler (*1970, lebt in Wien) zählt zu den international bedeutendsten Künstlern, die ihre Arbeit konsequent mit politischem Engagement verbinden. Seine Videoarbeiten, Fotografien und Installationen entstehen oft in engem Dialog mit sozialen Bewegungen, Klimaprotesten oder Initiativen des zivilen Ungehorsams. Ressler zeigt damit auf, wie eng Demokratie, Ökologie, Migration und Arbeitswelt miteinander verknüpft sind – und wie sehr sie vom globalen Kapitalismus herausgefordert werden.
In Basel werden vier seiner zentralen Videoarbeiten präsentiert, die als künstlerische Interventionen verstanden werden können: Sie dokumentieren Protestformen, verhandeln die Machtverhältnisse unserer Gegenwart und eröffnen imaginäre Räume des Handelns. Gerade angesichts zunehmender autoritärer Tendenzen und einer eskalierenden Klimakrise entfalten Resslers Werke eine besondere Dringlichkeit. Sie sind nicht nur Analyse, sondern auch Aufforderung zum Handeln – Bilder, die aufrütteln und gleichzeitig Perspektiven aufzeigen.
24. September 2025 bis 1. März 2026

Carl Cheng, Alternative TV #3, 1979. Courtesy the artist and Philip Martin Gallery, Los Angeles, photo: Ruben Diaz
Carl Cheng: Nature Never Loses
Mit Carl Cheng (*1942, San Francisco; lebt und arbeitet in Santa Monica) widmet das Museum Tinguely einem Pionier der westamerikanischen Kunst erstmals in Europa eine umfassende Retrospektive. Seit den 1960er Jahren entwickelt Cheng ein Werk, das sich nicht in herkömmliche Kategorien pressen lässt. Beeinflusst von der politischen Aufbruchsstimmung, den technologischen Innovationen der Luft- und Raumfahrtindustrie und den ökologischen Umbrüchen seiner Zeit, schuf er Arbeiten, die Kunst, Wissenschaft, Design und Ökologie verbinden.
„Nature Never Loses“ zeigt die enorme Spannweite seines Schaffens über sechs Jahrzehnte hinweg – von frühen experimentellen Skulpturen bis zu komplexen multimedialen Installationen. Cheng fragt nach der Rolle von Kunstinstitutionen, nach den Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf unsere Gesellschaft und nach den Spuren, die wir in der Umwelt hinterlassen. Sein Werk wirkt heute visionärer denn je: Es lädt dazu ein, das Verhältnis von Mensch und Natur neu zu denken und Verantwortung gegenüber unserer Mitwelt zu übernehmen.
3. Dezember 2025 bis 10. Mai 2026
Zwei Ausstellungen – ein Dialog
Mit den Ausstellungen von Oliver Ressler und Carl Cheng spannt das Museum Tinguely einen Bogen zwischen gesellschaftspolitischem Aktivismus und künstlerischer Zukunftsvision. Beide Künstler eint die Überzeugung, dass Kunst nicht nur ästhetische Erfahrung ist, sondern ein Instrument des Denkens, Fühlens und Handelns. Wer das Museum in den kommenden Monaten besucht, erlebt zwei sehr unterschiedliche künstlerische Positionen – und eine gemeinsame Einladung, unsere Gegenwart kritisch zu betrachten und die Zukunft aktiv mitzugestalten.
www.tinguely.ch















