Die Kunsthalle Bremen widmet Alberto Giacometti (1901–1966) eine große Retrospektive, die ihn als einen der prägenden Künstler des 20. Jahrhunderts neu ins Licht rückt. Unter dem Titel Das Maß der Welt zeigt die Ausstellung vom 11. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026 mehr als 100 Werke – Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Drucke – und macht deutlich, wie intensiv Giacometti sich Zeit seines Lebens mit der Stellung des Menschen im Raum, in der Welt und in der Natur auseinandersetzte.
Die Schau entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Fondation Giacometti in Paris, die mit ihren umfangreichen Beständen eine zentrale Leihgeberin ist. Ergänzt wird sie durch Werke aus dem Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen sowie durch einen historischen Film des Dokumentarfilmers Arnold Fanck (1889–1974) und eine zeitgenössische Videoarbeit der schwedischen Künstlerin Ulrika Sparre (1974–2025). So wird Giacomettis künstlerisches Denken in einen erweiterten Dialog gestellt – zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Alberto Giacometti, Landschaft, Hügel von Capolago und Silsersee, 1919, Aquarell und Bleistift auf Papier, Fondation Giacometti, Paris © Succession Alberto Giacometti / ADAGP Paris, 2025
Die Ausstellung ist thematisch gegliedert und lädt zu einem Rundgang durch die verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers ein: von frühen Arbeiten und surrealistischen Experimenten über die Rückkehr zur Figuration bis hin zu jenen überlängten, fragilen Figuren der Nachkriegszeit, die heute als seine Signatur gelten. In ihnen verdichten sich Giacomettis Zweifel und Suche – nach der „richtigen“ Dimension, nach einem Maß, das nicht die äußerliche Ähnlichkeit, sondern die existentielle Erfahrung einfängt.
Der Titel Das Maß der Welt verweist auf die zwei zentralen Fragen seines Werks: Was ist das rechte Maß? Und wie lässt sich die Stellung des Menschen im Universum fassen? Giacomettis Figuren wirken oft wie im Schwanken zwischen Auflösung und Präsenz – dünn, fast durchsichtig, zugleich aber von einer ungeheuren Intensität. Sie erinnern daran, dass menschliche Existenz zerbrechlich ist, und behaupten doch mit Nachdruck ihre Gegenwart.
Die Bremer Retrospektive ist nicht nur die erste umfassende monographische Schau zu Giacometti in Deutschland seit über zehn Jahren, sondern auch die erste, die sich dezidiert seiner existenziellen Fragestellung widmet. Damit knüpft die Kunsthalle Bremen an ihre Tradition an, die großen Fragen der Kunstgeschichte mit aktuellen Perspektiven zu verbinden.
So wird Giacometti nicht allein als Klassiker gefeiert, sondern als Künstler, dessen Werk bis heute nachwirkt – ein Maßstab für die Kunst und ein Spiegel der Welt.
11. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026
www.kunsthalle-bremen.de

Alberto Giacometti, Drei schreitende Männer (kleines Quadrat), 1948, Bronze, Fondation Giacometti, Paris © Succession Alberto Giacometti / ADAGP Paris, 2025











