Im Pavillon des Winkelriedhauses breitet sich eine stille, fast meditative Landschaft aus. Sie duftet nach Holz und Erde, nach Rauch und Sonne. Für ihre Ausstellung gathering verwandelt Maude Léonard-Contant den Raum in ein poetisches Feld des Erinnerns und Wandels – ein Ort, an dem das Sichtbare und das Vergängliche miteinander in Resonanz treten.

Die kanadisch-schweizerische Künstlerin, die 2024 mit dem Werkjahr der Frey-Näpflin-Stiftung ausgezeichnet wurde, hat in enger Zusammenarbeit mit der Entlebucher Köhlerin Doris Wicki eine Reihe fragiler Objekte geschaffen: verkohlte Holzfragmente, die aus Bäumen stammen, welche nach heissen Sommern den Stürmen nicht mehr standhielten. Diese zu feiner Holzkohle gebrannten Formen, so leicht wie verletzlich, sind Zeugen einer Transformation – von der Lebenskraft der Natur bis zu ihrer Rückkehr in den Kreislauf der Elemente.

Maude Léonard-Contant bei der Vernissage Ihrer Ausstellung, Foto: Christian Hartmann

Maude Léonard-Contant bei der Vernissage Ihrer Ausstellung, Foto: Christian Hartmann

Léonard-Contant kombiniert die Objekte mit Materialien, die symbolisch aufgeladen sind: Süssgräser, Keramik, Glas, Jade, Salzleckstein, Matcha-Tee, Kalk, Asche. Alles in diesem Werkzyklus trägt Spuren von Wärme, Druck und Veränderung – von Prozessen, die das Leben selbst prägen. Auch Worte fließen in ihre Arbeiten ein: kurze Texte, Erinnerungen, poetische Gedanken, die das Sichtbare mit dem Geistigen verweben. So entsteht eine fragile Topografie der Dankbarkeit und Trauer, eine zarte Liebeserklärung an die Welt und ihre stetige Wandlung.
gathering ist keine Ausstellung im klassischen Sinn, sondern eine Einladung zum Innehalten. Sie erzählt von Verlust und Erneuerung, vom Vergehen und vom Fortbestehen in anderer Form. Léonard-Contants Arbeiten, entstanden im Rahmen ihres Werkjahres, wurzeln tief im Thema des Loslassens – und öffnen zugleich den Blick für eine Form von Verbundenheit, die alles Lebendige einschließt.
Die Ausstellung schafft einen Raum des Mitseins, in dem Erinnern, Fühlen und Wahrnehmen ineinander übergehen. Zwischen Holz, Licht und Schatten findet sich ein stiller Trost: dass alles, was vergeht, in neuer Gestalt wiederkehrt.
Zum Abschluss dieser intensiven Auseinandersetzung erscheint die begleitende Publikation gathering, die am 1. Februar 2026, zur Finissage im Nidwaldner Museum vorgestellt wird. Herausgegeben vom Museum und erschienen im Verlag Scheidegger & Spiess, gibt das Buch Einblick in die künstlerische Praxis Léonard-Contants und dokumentiert ihre Serie von vier Installationen, die mit der Ausstellung im Winkelriedhaus ihren Abschluss findet. Es ist ein ebenso sinnliches wie gedankliches Werk, das die Prozesse des Sammelns, Verbindens und Vergehens sichtbar macht – ein künstlerisches Dokument, das das Flüchtige bewahrt.
25. Oktober 2025 bis 1. Februar 2026
www.nidwaldner-museum.ch

Maude Léonard-Contant, gathering, Detail, 2025, Foto: Christian Hartmann

Maude Léonard-Contant, gathering, Detail, 2025, Foto: Christian Hartmann