Wenn das Mizmorim Kammermusik Festival im Januar 2026 Basel erneut in einen Ort musikalischer Begegnung verwandelt, steht eine Stadt im Zentrum, deren Name zugleich Sehnsucht, Schmerz und Utopie trägt: Jerusalem. Shalom – Salam. Zwei Begriffe, die denselben Wunsch in sich tragen: Frieden. In einer Zeit, in der die Heilige Stadt schwer geprüft wird, setzt das Festival ein bewusstes Zeichen der Hoffnung. Es lädt dazu ein, Jerusalem nicht durch die Schlagzeilen, sondern durch seine Klänge, Geschichten und kulturellen Verflechtungen neu zu hören.

Das Festival öffnet mit David Krakauer und Kathleen Tagg, deren Projekt Visions of Tomorrow jüdische und arabische Melodien improvisierend verschmilzt. Ihre Musik bildet die Klammer über das gesamte Programm: Sie verbindet Tradition und Gegenwart, Identität und Offenheit – ein musikalischer Dialog gegen das Verstummen. Im Eröffnungskonzert The Ties That Bind Us verdichten sich diese Perspektiven zu einer zutiefst berührenden Hommage an die Vision eines friedlichen Miteinanders der Religionen.
Ein besonderer Schwerpunkt gilt dem 100. Geburtstag von Morton Feldman. Zwei Konzerte würdigen sein Werk – von den asketischen Miniaturen bis zu den schwebenden Patterns des berühmten Why Patterns?. Feldmans Musik, von kristalliner Zartheit, öffnet einen Raum des konzentrierten Hörens, in dem Stille und Klang einander spiegeln.

Vokalensemble Voces Suaves © Daniele Caminiti

Vokalensemble Voces Suaves © Daniele Caminiti

Auch die kulturelle Vielstimmigkeit Jerusalems findet ein eindrucksvolles Echo: Volkslieder, Bach-Kantabilität und ein neues Werk des Komponisten Marcelo Nisinman verschränken sich in Yerushalayim shel zahav. Das Vokalensemble Voces Suaves entfaltet in einem zehnhundertjährigen Panorama geistlicher Musik die spirituellen Resonanzen der Stadt – durch webende Oud-Improvisationen fein durchleuchtet.
Zeitgenössische Stimmen wie Samir Odeh-Tamimi oder André Hajdu setzen kraftvolle Akzente der Erinnerung, während der Klavierabend Erinnerung für das Vergessen György Kurtág zu seinem Jubiläum ehrt. Junge Ensembles stehen im Mittelpunkt von Rough Surfaces, der neuen internationalen Streichquartett-Masterclass, die dem Festival eine zusätzliche Zukunftsdimension verleiht.
Mit dem Marionettentheater Reise nach Jerusalem öffnet sich das Festival auch für die Jüngsten – ein poetischer Zugang zu den Geschichten der Stadt. Ergänzt wird das Programm durch Vorträge, Museumsführungen und Archivbesuche, die die kulturellen und historischen Tiefenschichten Jerusalems erfahrbar machen.
So wird Mizmorim 2026 zu einem Ort des Hörens, Lernens und Weiterdenkens: ein musikalisches Plädoyer für die Möglichkeit von Frieden – und ein kraftvoller Beweis dafür, dass Hoffnung klingt.
21. bis 25. Januar 2026
www.mizmorim.com

Mauricio Silva Orendain, Komponist und Musiker © Song Yi

Mauricio Silva Orendain, Komponist und Musiker © Song Yi