Während das Salzburg Museum Neue Residenz umfassend saniert und erweitert wird, ist es mit seinem Programm seit März 2024 auf „Gastspiel“: Unter dem Titel „Salzburg Museum – Gastspiel“ präsentiert das Haus ausgewählte Objekte aus seinen Sammlungen an verschiedenen Orten in Stadt und Land Salzburg. Diese außergewöhnliche Initiative ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, Kunst, Geschichte und Kultur in neuen Zusammenhängen zu erleben und bisher verborgene Perspektiven zu entdecken. Zahlreiche Galerien, Kunstvereine und Museen haben sich bereit erklärt, diese Gastspiele zu unterstützen – ein Beleg für die enge Vernetzung der Salzburger Kulturinstitutionen und die besondere Strahlkraft des Museums.
Ein Höhepunkt dieses Gastspielprogramms ist die Ausstellung im DomQuartier Salzburg: „Der Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur“. Die Schau widmet sich der Frage, wie der Bauernkrieg, der 1524–1526 in Mitteleuropa die einfachen Bevölkerungsschichten gegen Adel und Klerus aufbegehren ließ, in Kunst und Literatur späterer Epochen interpretiert wurde – und wie autoritäre Regime des 20. Jahrhunderts den Aufstand für ihre eigene Propaganda instrumentalisierten.
Der Salzburger Bauernkrieg von 1525 erfasste nicht nur das Fürsterzbistum, sondern wurde zu einem bedeutenden Symbol des Widerstands gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Hunderttausende Bauern, Handwerker, Bergleute und Stadtbürger kämpften für traditionelle Rechte, religiöse Freiheiten und eine gerechtere Verteilung von Ressourcen. Viele Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, doch das Vermächtnis des Aufbegehrens blieb lebendig – ein Mythos, der Künstlerinnen und Künstler über Jahrhunderte inspirierte.

Aloys Wach (1892–1940), Bauernkrieg 1626, Blatt I (Versammlung der Bauern), 1924, Radierung
Die Ausstellung im DomQuartier zeigt eindrucksvoll, wie sich künstlerische Interpretationen des Bauernkriegs wandelten: von historischen Darstellungen der Aufstände über romantische Verklärungen bis hin zu politisch instrumentalisierten Bildern unter totalitären Regimen. Die Werke beleuchten, wie Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Spannungen, als kritisches Medium und als politisches Instrument fungieren kann. Dabei werden Parallelen zur Gegenwart sichtbar: Fragen nach Gerechtigkeit, sozialem Engagement und der Rolle der Erinnerung werden neu verhandelt und für heutige Betrachterinnen und Betrachter greifbar gemacht.
Die Präsentation verbindet historische Objekte mit Gemälden, Drucken und literarischen Quellen, die die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. So entsteht ein vielschichtiges Panorama, das sowohl historische Einblicke gewährt als auch aktuelle Debatten um Macht, Widerstand und Erinnerungskultur stimuliert. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Geschichte, Kunst und politischer Instrumentalisierung zu reflektieren – und zugleich die ästhetische Vielfalt der Exponate zu genießen.
8. November 2025 bis 27. April 2026
www.domquartier.at
www.salzburgmuseum.at






