Am 8. Februar 2026 jährt sich der Geburtstag von Paula Modersohn-Becker zum 150. Mal. Das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen, das weltweit die umfangreichste öffentliche Sammlung ihrer Werke besitzt, widmet diesem Jubiläum eine große Sonderausstellung mit dem Titel Becoming Paula. Sie beleuchtet Leben, Werk und Nachwirkung der Künstlerin – und zeichnet zugleich das faszinierende Porträt einer Frau, die die Kunstgeschichte neu schrieb.
Als Paula Modersohn-Becker 1907 mit nur 31 Jahren starb, war ihr Werk kaum bekannt. Heute gilt sie als Pionierin der Moderne, als eine der wichtigsten deutschen Malerinnen des frühen 20. Jahrhunderts – „Deutschlands Picasso“, wie die FAZ einst schrieb. Ihre Arbeiten hängen in Museen von Paris bis New York, ihr Name steht für Selbstbestimmung, künstlerische Freiheit und radikale Eigenständigkeit.
Die Jubiläumsausstellung fragt: Wie wurde aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker – und schließlich das kulturelle Symbol „Paula“? In einem thematisch gegliederten Rundgang erschließt die Schau die entscheidenden Stationen dieser Entwicklung: von den frühen Studienjahren in London und Berlin über die inspirierende Worpsweder Zeit bis zu den intensiven Pariser Jahren, in denen Paula Modersohn-Becker zu ihrer unverwechselbaren Bildsprache fand.
Ihr berühmtes „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“ von 1906 – das erste Selbstakt einer Malerin – markiert einen Wendepunkt in der Kunstgeschichte. Doch „Becoming Paula“ geht weit über solche Ikonen hinaus. Die Ausstellung zeigt selten gesehene Frühwerke und Studien, die bereits das außergewöhnliche Talent der jungen Künstlerin erkennen lassen. Viele dieser Arbeiten stammen aus Privatbesitz und werden erstmals öffentlich präsentiert – eine echte Entdeckung.

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit roter Rose, um 1905, Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen, Leihgabe aus Privatbesitz © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen
Ein Kapitel widmet sich Modersohn-Beckers Netzwerken und Freundschaften: Briefe, Porträts und Dokumente beleuchten ihre Verbindungen zu Otto Modersohn, Rainer Maria Rilke, Heinrich Vogeler und Werner Sombart. Auch wenn sie gern als Einzelgängerin gilt, war sie in ein dichtes geistiges und künstlerisches Umfeld eingebunden – ein Aspekt, den die Ausstellung eindrucksvoll ins Bild setzt.
Der Weg führt weiter nach Worpswede, wo Modersohn-Becker das zentrale Thema ihres Œuvres fand: den menschlichen Körper. Ihre Akte, Mutter-Kind-Darstellungen und Porträts zeichnen sich durch eine ungewohnte Direktheit und emotionale Tiefe aus. Sie zeigen keine idealisierten Schönheiten, sondern Menschen in ihrer elementaren Würde – ein künstlerischer Blick, der bis heute modern wirkt.
Die späten Werke, jene „Hauptwerke“, mit denen sie sich selbst in Paris umgab, bilden den emotionalen Höhepunkt der Ausstellung. Für Paula Modersohn-Becker waren diese Bilder Ausdruck einer inneren Vollendung. „Sie lebte mit ihren Bildern“, schrieb ihre Schwester Herma Becker – und tatsächlich spürt man in diesen Arbeiten eine seltene Nähe zwischen Leben und Kunst.
Zum Abschluss widmet sich „Becoming Paula“ der Rezeptionsgeschichte. Schon 20 Jahre nach ihrem frühen Tod wurden ihre Werke in zahlreichen Städten gezeigt, ihre Briefe und Tagebücher veröffentlicht, ihr in Bremen ein eigenes Museum gewidmet – das erste weltweit, das einer Malerin gilt. Heute ist Paula Modersohn-Becker nicht nur eine feste Größe der Kunstgeschichte, sondern auch ein popkulturelles Phänomen. Künstlerinnen wie Chantal Joffe oder Georg Baselitz beziehen sich auf sie; ihr Bild prägt Ausstellungen, Filme und Bücher.
Mit rund 70 Gemälden und Papierarbeiten bietet die Ausstellung einen umfassenden Überblick über das Werk dieser außergewöhnlichen Künstlerin. Leihgaben aus der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, aus Privatsammlungen und internationalen Museen ergänzen den reichen Bestand des Bremer Hauses.
Becoming Paula ist mehr als eine Retrospektive – es ist eine Einladung, die Entstehung einer Künstlerin neu zu entdecken, deren Mut und Modernität bis heute leuchten.
8. Februar bis 13. September 2026
museen-boettcherstrasse.de/museen/paula-modersohn-becker-museum

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901, Leihgabe aus Privatbesitz © Kunsthandel Wolfgang Werner Bremen/Berlin
Worpsweder Museen
Impuls Paula – Eine künstlerische Entdeckungsreise
Paula Modersohn-Beckers ausdrucksstarke Malerei ist heute weltweit gefeiert. Mit ihrer durch das Leben im Künstlerort Worpswede geprägten Sicht- und Malweise setzte sie künstlerisch wie gesellschaftlich Zeichen. 2026 gehen die Worpsweder Museen der Frage nach, welche kunstgeschichtlichen Impulse von ihrem Lebenswerk ausgehen und wie zeitgenössische Kunst sich von ihr inspirieren lässt (unter anderem Inès Longevial, Sibylle Springer, Heike Kati Barath). Dazu erscheint ein Kinofilm.
7. Februar bis 1. November 2026
worpswede-museen.de

Inès Longevial, Visage Vert, 2024, Courtesy of the Artist and Almine Rech. Photo: Nicolas Brasseur











