Mit der NÖ Landesausstellung 2026 richtet sich der Blick auf ein Thema, das lange im Schatten stand und doch jeden Menschen berührt: die seelische Gesundheit. Unter dem Titel WENN DIE WELT KOPF STEHT – Mensch. Psyche. Gesundheit. widmet sich die NÖ-Landesausstellung in Amstetten–Mauer dem komplexen Zusammenspiel zwischen psychischen Erkrankungen, gesellschaftlichen Haltungen und künstlerischen Ausdrucksformen. Sie versteht sich als Einladung, die menschliche Psyche mit Empathie, Neugier und historischer Achtsamkeit zu betrachten – und als Versuch, einen offenen Dialog über ein Feld anzustoßen, das zwar präsenter denn je, aber weiterhin von Unsicherheiten und Vorurteilen geprägt ist.
Dass das Landesklinikum Mauer zum Schauplatz dieser Landesausstellung wird, ist weit mehr als eine organisatorische Entscheidung. Seit 120 Jahren prägt dieser Ort als eine der bedeutendsten psychiatrischen Einrichtungen Niederösterreichs den Umgang mit seelischen Leidenszuständen. Erstmals wird eine Landesausstellung in einer aktiven Klinik realisiert – und macht damit sichtbar, was sonst hinter Türen und Mauern stattfindet. Die eindrucksvolle Jugendstil-Architektur, die Geschichte der Institution und das alltägliche Miteinander zwischen Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden bilden dabei nicht nur eine Kulisse, sondern ein inhaltliches Fundament. Das Projekt versteht sich als Zeichen für Transparenz und einen zeitgemäßen Umgang mit psychischer Gesundheit, der sowohl Offenheit als auch Sensibilität verlangt.
Die Ausstellung im Direktionsgebäude führt Besucherinnen und Besucher durch zentrale Stationen im historischen und gesellschaftlichen Verständnis von psychischen Erkrankungen. Themen wie die Suche nach dem „Sitz der Seele“, die Entwicklung der Heil- und Pflegeanstalten, Veränderungen in der Behandlung oder die Kritik der Antipsychiatriebewegung werden mit gegenwärtigen Herausforderungen und Fragestellungen verknüpft. Damit entsteht ein vielschichtiger Blick auf ein Feld, das sich in stetem Wandel befindet und dessen Geschichte eng mit sozialen, politischen und wissenschaftlichen Entwicklungen verwoben ist.

NÖ Landesausstellung 2026 Amstetten – Mauer, Landesklinikum Mauer © NÖ Landesausstellung
Ein bedeutendes Signal setzt zudem die dauerhafte Einrichtung eines Lernorts zu den NS-Medizinverbrechen im Haus 18. Er soll – gestützt auf aktuelle Forschung – die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt in der NS-Zeit sichtbar machen, Erinnerung ermöglichen und einen kritischen Umgang mit diesem Kapitel fördern. Der frei zugängliche Ort wird über die Landesausstellung hinaus bestehen und das Gelände um eine wichtige, ethisch verankerte Dimension erweitern.
Ein neu entwickeltes Leitsystem verbindet die verschiedenen Themenbereiche und Gebäude auf dem Klinikareal zu einem kuratierten Rundweg, der historische Hintergründe, architektonische Besonderheiten und Inhalte der Ausstellung verknüpft. Damit wird der Ort selbst zum erzählenden Raum, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seelischer Gesundheit erfahrbar macht.
Die Landesausstellung 2026 ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Statement: für Enttabuisierung, für Mitgefühl, für einen bewussteren Umgang mit psychischen Erkrankungen. Sie lädt dazu ein, die Welt – auch wenn sie manchmal Kopf steht – mit neuen Augen zu betrachten.
28. März bis 8. November 2026
www.noe-landesausstellung.at






