Nach dem verheißungsvollen Motto „Verführung“, mit dem Cornelia Bend im Frühjahr 2025 ihr Publikum erstmals durch Schloss und Gärten von Schwetzingen leitete, widmen sich die Schwetzinger SWR Festspiele im Jahr 2026 einer Qualität, die in unserer Gegenwart dringlicher denn je erscheint: Haltung.
Wo zuvor der Zauber im Vordergrund stand, richtet sich der Blick nun auf Orientierung, Dialog und die Kraft des künstlerischen Statements. Bend versteht „Haltung“ als inneren Kompass im Lärm der Welt – eine geistige Ausrichtung, die sich aus der Begegnung mit Kunst ebenso entwickelt wie aus dem gemeinsamen Erleben eines Publikums, das sich berühren, irritieren und inspirieren lassen möchte. So werden die Festspiele erneut zu einem Raum, in dem sich ästhetische Neugier und gesellschaftliche Selbstbefragung gegenseitig befruchten.
Im Zentrum der Saison 2026 steht die Oper – sowohl szenisch als auch konzertant. Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann wird die Festspieleröffnung zu einem literarisch-musikalischen Ereignis: Die Uraufführung von Malina, komponiert von Karola Obermüller und Peter Gilbert nach dem Libretto von Tina Hartmann, wagt einen tiefen Blick in die Abgründe und Verletzlichkeiten weiblicher Identität. Fragen nach Stimme, Geschlecht und Deutungshoheit werden in starke musikalische Bilder übersetzt – ein Auftakt, der das Thema „Haltung“ mit künstlerischer Präzision auflädt.

Sophie Pacini © Vitaliy Bachaco
Mit Monteverdis L’Orfeo schließt zudem der gefeierte Monteverdi-Zyklus des Nationaltheaters Mannheim seinen Bogen. Unter der Leitung von Jörg Halubek und seinem Ensemble Il Gusto Barocco kehrt das Werk in das intime Rokokotheater zurück – ein Ort, der seit jeher den Atem der Operngeschichte spürbar macht. Halubek zählt 2026 zu den Residenzkünstlern, ebenso wie die Pianistin Sophie Pacini, das Signum Quartett und dessen Partnerensembles, die den traditionellen Streichquartett-Sonntag mit frischer Energie füllen.
Mit Dorothee Oberlinger, gefeierte Blockflötistin und Dirigentin, erhält das Festival zudem eine Residenzkünstlerin, deren Projekte – darunter ein Abend mit „Sirenengesängen“ – den Spielplan um klangliche Raffinesse erweitern. Renommierte Stimmen wie Lea Desandre, Andreas Scholl und Julian Prégardien markieren weitere Höhepunkte.
Mutige Perspektivwechsel sorgen für besondere Spannung: Bizets CarMEN in einer überraschend modernen Lesart des niederländischen Club Classique, eine freche, quicklebendige Fledermaus von Boris Aljinovic oder Rameaus Pygmalion unter Christophe Rousset zeigen, wie vielfältig Haltung auf der Bühne klingen kann.
Die Festspiele 2026 verbinden damit künstlerischen Anspruch, Spielleidenschaft und eine klare Haltung zur Welt – ein Festival, das seine Besucherinnen und Besucher nicht nur begleitet, sondern bewegt.
24. April bis 24. Mai 2026
www.schwetzinger-festspiele.de

Julian Prégardien © Chris Gonz





