Fünf Jahrzehnte nach ihrer Gründung stellen sich die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik im Jubiläumsjahr 2026 selbstbewusst eine zentrale Frage: Was feiern wir? Die Antwort entfaltet sich in einem Programm, das gleichermaßen Rückblick, Hommage und Zukunftsentwurf ist. Vom 24. Juli bis 30. August verwandelt sich Innsbruck erneut in ein Zentrum historisch informierter Aufführungspraxis – mit deutlichen Akzenten, die zeigen, warum dieses Festival seit 1976 internationales Renommee genießt.

Im Mittelpunkt steht die spektakulärste Barockoper der Musikgeschichte: Pietro Antonio Cestis „Il pomo d’oro“, 1668 am Wiener Kaiserhof uraufgeführt und legendär für ihre 47 Rollen, ihre Fülle an Bildern und ihren außergewöhnlichen Aufwand. Unter der musikalischen Leitung von Ottavio Dantone, der auch die verschollenen Teile der Akte III und V neu komponiert hat, erlebt das Werk erstmals seit seiner Entstehung eine vollständige Wiederaufführung. Regisseur Fabio Ceresa, Kostümbildner Giuseppe Palella und Bühnenbildner Nikolaus Webern kreieren dafür ein visuelles Fest, unterstützt von den Tänzerinnen und Tänzern des Street Motion Studio sowie dem Tiroler Ensemble NovoCanto.

Regisseur Fabio Ceresa

Regisseur Fabio Ceresa

Daneben markiert Georg Friedrich Händels „Atalanta“ die diesjährige Ausgabe der Barockoper: Jung – ein Format, das jungen Sängerinnen und Sängern den Sprung auf die internationale Bühne ermöglicht. Interpretiert von den Cesti-Preisträgern des Vorjahres und geleitet von Andrea Buccarella, zeigt sich hier, wie selbstverständlich die Zukunft der Alten Musik in Innsbruck mit Nachwuchsförderung verknüpft ist.
Die Festkonzerte vereinen große Namen der Szene: Jean Rondeau, Giovanni Antonini, Anna Bonitatibus, das Orchestre de l’Opéra Royal de Versailles und die Academia Montis Regalis stehen exemplarisch für künstlerische Exzellenz. Ein besonderes Highlight ist das Tribute-Konzert für den Cembalisten und Musikwissenschaftler Alan Curtis, gestaltet von Dantone und der Accademia Bizantina.

Accademia Bizantina  © Silvia Camporesi

Accademia Bizantina © Silvia Camporesi

Das Jubiläum wird jedoch nicht nur in den Konzertsälen gefeiert. Zahlreiche Formate bei freiem Eintritt öffnen die Festwochen einem breiten Publikum – darunter ein großes Fest im Innsbrucker Hofgarten, das Alte Musik einen ganzen Nachmittag lang unter freiem Himmel hörbar macht. Abends wird dort die Festwochen-Produktion 2025, Cadaras „Ifigenia in Aulide“, auf Großleinwand präsentiert.
Für Eva-Maria Sens, seit 2023 Künstlerische Direktorin, ist das Jubiläum ein Moment des Innehaltens: Man feiere „die Alte Musik, die uns verbindet“, die Leidenschaft der Künstlerinnen, Künstler und ein Publikum, das dieses Festival über Jahrzehnte getragen hat. Landeshauptmann Anton Mattle und Bürgermeister Johannes Anzengruber unterstreichen die kulturelle Bedeutung der Festwochen für Tirol und die Landeshauptstadt. Den krönenden Abschluss bildet am 30. August das Finale des 17. Cesti-Wettbewerbs, eines der wichtigsten Sprungbretter für junge Sängerinnen und Sänger weltweit.
2026 feiern die Festwochen nicht nur ein rundes Jubiläum – sie feiern ihre Rolle als lebendiger Motor der Alten Musik. Und geben mit jeder Veranstaltung eine überzeugende Antwort auf die Frage: Was feiern wir?
24. Juli bis 30. August 2026
www.altemusik.at