Mit Albéric Magnards „Guercœur (Kriegsherz)“ bringt das Theater Dortmund im März 2027 eine außergewöhnliche Wiederentdeckung der französischen Oper auf die Bühne. Das monumentale Werk erzählt von einem gefallenen Volkshelden, der aus dem Jenseits auf die Erde zurückkehrt – und dort feststellen muss, dass die Ideale, für die er einst sein Leben opferte, verraten wurden.
Guercœur ist tot. Im Jenseits wird er jedoch von der Sehnsucht nach seinem früheren Leben gequält: nach seiner Geliebten Giselle, seiner Heimat und vor allem nach jenem Volk, für dessen Freiheit er gekämpft hat. Schließlich erhält er die Erlaubnis, noch einmal auf die Erde zurückzukehren.
Doch dort findet er eine völlig andere Welt vor. Sein früherer Freund Heurtal hat nicht nur Giselles Liebe gewonnen, sondern auch Guercœurs politische Ideale verraten. Demokratie und Freiheit sind bedroht, und das Volk, für dessen Zukunft Guercœur sein Leben gegeben hat, scheint bereit, sich erneut einer autoritären Herrschaft zu unterwerfen.
Albéric Magnard schuf mit „Guercœur“ eine groß angelegte Tragédie en musique in drei Akten. Der französische Komponist war selbst von starken politischen Überzeugungen geprägt und setzte sich unter anderem während der Dreyfus-Affäre öffentlich für Gerechtigkeit ein. 1914 kam er ums Leben, als er sein Haus gegen deutsche Soldaten verteidigte; bei dem anschließenden Brand gingen zahlreiche seiner Manuskripte verloren.
Dass „Guercœur“ erhalten blieb, ist einer Abschrift zu verdanken. Das Werk entwickelte sich dennoch nie zum festen Bestandteil des Opernrepertoires und gilt bis heute als eine der großen Raritäten der französischen Spätromantik. Seine Fragen nach Freiheit, Demokratie und der Verführbarkeit einer Gesellschaft besitzen zugleich eine bemerkenswerte Aktualität.
Für Dortmund übernimmt der renommierte französische Regisseur Olivier Py die Inszenierung. Jordan de Souza dirigiert die Dortmunder Philharmoniker. Lionel Lhote ist in der Titelpartie zu erleben, Aude Extrémo als Giselle, Stanislas de Barbeyrac als Heurtal und Anna Sohn als La Vérité.
Damit wird Magnards selten gespieltes Werk zu einem Opernabend über die Zerbrechlichkeit politischer Ideale – und über die Frage, ob nach Verrat, Gewalt und gesellschaftlicher Enttäuschung dennoch Hoffnung auf eine bessere Zukunft bestehen kann.
Premiere 14. März
weitere Aufführungen: 20. März, 1. und 7. Mai sowie 23. Mai 2027

