Ein Gipfeltreffen zweier großer Geigerpersönlichkeiten: Gidon Kremer und Midori stehen gemeinsam mit der Kremerata Baltica auf der Bühne des Nikolaisaals. Das Konzert würdigt gleich zwei Jubiläen und vereint bekannte Meisterwerke mit einer neuen Komposition für Streichorchester und zwei Soloviolinen.
Gidon Kremer gehört zu den einflussreichsten Violinisten der vergangenen Jahrzehnte. Der in Riga geborene Musiker studierte bei David Oistrach und entwickelte früh eine künstlerische Haltung, die sich nicht auf das etablierte Konzertrepertoire beschränkte. Neben seinen Interpretationen von Bach, Beethoven und Schubert setzte er sich immer wieder für zeitgenössische Komponisten und selten gespielte Werke ein. Seine Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Dmitri Schostakowitsch prägten sein musikalisches Denken nachhaltig. Im Zeichen seines 80. Geburtstags und des 30-jährigen Bestehens der Kremerata Baltica erhält das Konzert eine besondere Bedeutung. Kremer gründete das Kammerorchester 1997, um jungen herausragenden Musikern aus Estland, Lettland und Litauen eine internationale künstlerische Plattform zu bieten. Seither hat sich das Ensemble mit ungewöhnlichen Programmen, zahlreichen Einspielungen und einer ausgeprägten Offenheit für musikalische Experimente einen festen Platz im internationalen Konzertleben erarbeitet.

Midori © Timothy Greenfield-Sanders
Mit Midori steht Kremer eine ebenso außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit zur Seite. Die japanisch-amerikanische Geigerin begann ihre Weltkarriere bereits im Kindesalter und ist heute nicht nur als Solistin, sondern auch durch ihr Engagement für musikalische Bildung international bekannt. Ihr sensibles, konzentriertes Spiel und ihre intensive Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik machen sie zu einer idealen Partnerin für Kremers künstlerische Vorstellungen.
Franz Schuberts Rondo in A-Dur D 438 für Violine und Streichorchester eröffnet einen Einblick in die lyrische Welt des jungen Komponisten. Das Werk verbindet gesangliche Melodik mit virtuosen Passagen und lässt die Solovioline immer wieder in einen feinsinnigen Dialog mit dem Ensemble treten. Eine ganz andere musikalische Dimension eröffnet Gustav Mahlers Adagio aus der unvollendeten zehnten Sinfonie. Der weitgespannte Satz gehört zu den erschütterndsten Zeugnissen seines späten Schaffens und führt von fragilen Klangflächen bis zu einer überwältigenden dramatischen Zuspitzung.
Mit Dmitri Schostakowitschs „Vier Gedichten des Hauptmanns Lebjadkin“ erhält das Programm eine weitere ungewöhnliche Facette. Den besonderen Höhepunkt bildet schließlich die angekündigte Uraufführung einer Suite für Streichorchester und zwei Soloviolinen. Sie stellt die Begegnung von Kremer und Midori unmittelbar in den Mittelpunkt und führt den Entdeckergeist fort, der Kremers musikalische Laufbahn seit Jahrzehnten prägt.
19. Mai 2027











