Heimat, Erinnerung und die leise Melancholie des Exils: Die Sängerin Etta Scollo und die Schauspielerin Eva Mattes widmen sich der Dichterin Mascha Kaléko. „Nirgendland“ ist eine literarisch-musikalische Begegnung mit einer der unverwechselbarsten Stimmen der deutschsprachigen Lyrik.

Mascha Kaléko wurde 1907 in Galizien geboren und entwickelte sich während der letzten Jahre der Weimarer Republik zu einer gefeierten Dichterin der Berliner Literaturszene. Mit ihrem „Lyrischen Stenogrammheft“ gelang ihr der Durchbruch. Ihre Gedichte erzählten vom Alltag der Großstadt, von zwischenmenschlichen Beziehungen, unerfüllten Sehnsüchten und den kleinen Widersprüchen des Lebens. Kalékos besondere Kunst bestand darin, tief empfundene Gefühle mit sprachlicher Leichtigkeit und einem feinen, bisweilen bitteren Humor auszudrücken.

Die nationalsozialistische Verfolgung zwang die jüdische Dichterin 1938 zur Emigration in die Vereinigten Staaten. Später lebte sie in Jerusalem. Die Erfahrung des Heimatverlustes wurde zu einem prägenden Thema ihres Schaffens. Der Titel „Nirgendland“ greift diese existenzielle Erfahrung auf und verweist auf ein Lebensgefühl zwischen Erinnerung, Zugehörigkeit und der Suche nach einem Ort, an dem man wirklich ankommen kann.

Etta Scollo nähert sich Kalékos Texten mit ihrer eigenen musikalischen Handschrift. Die italienisch-deutsche Sängerin und Komponistin bewegt sich seit vielen Jahren zwischen Chanson, Weltmusik und klassisch geprägten Klangwelten. Ihre Musik lebt von einer besonderen Aufmerksamkeit für Sprache und Atmosphäre. Gemeinsam mit Susanne Paul am Violoncello und Tara Bouman an der Klarinette entwickelt sie eine intime instrumentale Begleitung, die den Gedichten Raum zur Entfaltung lässt.

Eva Mattes bringt ihre jahrzehntelange Erfahrung als Schauspielerin und Interpretin literarischer Texte in den Abend ein. Ihre unverwechselbare Stimme eröffnet einen unmittelbaren Zugang zu Kalékos sprachlichen Bildern. Im Wechselspiel zwischen Rezitation und Musik werden die Gedichte nicht lediglich illustriert, sondern aus unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven betrachtet.

Das Projekt erinnert an eine Autorin, deren Werk auch lange nach ihrem Tod von erstaunlicher Aktualität geblieben ist. „Nirgendland“ erzählt von Verlust und Hoffnung, von der Sehnsucht nach Heimat und von der Fähigkeit der Poesie, selbst schwierigen Erfahrungen eine eigene Sprache zu geben.
1. Februar 2027

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