Mit Pascal Dusapins „Il Viaggio, Dante“ bringt die Staatsoper Hannover im Oktober 2026 ein großes Werk des zeitgenössischen Musiktheaters erstmals in Deutschland auf die Bühne. Inspiriert von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ und „Das neue Leben“ führt die Oper auf eine Reise durch Hölle und Fegefeuer – und zugleich tief in die Erinnerungen und Gedanken ihres Protagonisten.
Dante befindet sich auf einer Reise durch das Jenseits. Begleitet von dem römischen Dichter Vergil durchquert er unterschiedliche Welten und begegnet den Toten, den Verdammten und den Erinnerungen seines eigenen Lebens. Die Reise durch Hölle und Läuterung wird dabei zunehmend auch zu einer Reise zu sich selbst.
Im Zentrum steht nicht allein der Dante aus der „Göttlichen Komödie“. Vergangenheit und Gegenwart, Dichtung und Biografie greifen ineinander. Neben dem älteren Dante tritt auch dessen jüngeres Ich auf. Beatrice, die für Dantes Leben und Schreiben eine zentrale Bedeutung besitzt, wird ebenfalls Teil dieser Erinnerungslandschaft.
Pascal Dusapin und sein Librettist Frédéric Boyer behandeln die berühmte Reise ins Jenseits dabei nicht als bloße Nacherzählung des mittelalterlichen Stoffes. Dantes Begegnungen mit den Toten werden vielmehr zum Spiegel einer gegenwärtigen Welt. Fragen nach Schuld, Gewalt, Verlust, Liebe und Erlösung verbinden das historische Material mit Erfahrungen der Gegenwart.
Dusapin bezeichnet sein Werk als „Operatorium“. Oper, Oratorium und große Chorpassagen verschmelzen miteinander. Das Orchester schafft unterschiedliche Klangräume, während Solostimmen und Chor Dantes Reise durch immer neue Ebenen begleiten. So entsteht weniger eine konventionelle lineare Handlung als eine Folge intensiver musikalischer und szenischer Bilder.
Die musikalische Leitung übernimmt Roland Kluttig. Peter Schöne ist als Dante zu erleben, Norman D. Patzke als Virgilio und Christel Loetzsch als junger Dante. Ketevan Chuntishvili singt Beatrice, Olga Jelínková übernimmt Lucia und Carmen Fuggiss die Stimme der Verdammten. Gemeinsam mit Chor, Statisterie und dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover entsteht ein groß angelegter Musiktheaterabend.
Damit wird Dantes jahrhundertealte Reise durch das Jenseits in Hannover zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Denn hinter der Fahrt durch Hölle und Fegefeuer steht letztlich die Frage, was Dantes Bilder von Schuld, Leid und Hoffnung einem heutigen Publikum noch erzählen können.
Premiere 10. Oktober 2026
weitere Aufführungen: 18. und 23. Oktober sowie 1., 14. und 24. November 2026

