Mit „Frankenstein“ bringt das Schlosstheater Celle im Januar 2027 einen der großen Stoffe der Weltliteratur in einer neuen Theaterfassung auf die Bühne. Lothar Kittstein nähert sich Mary Shelleys berühmtem Roman dabei nicht nur als düsterer Geschichte eines künstlich erschaffenen Menschen, sondern als erstaunlich gegenwärtiger Auseinandersetzung mit wissenschaftlichem Fortschritt, Verantwortung und den Grenzen menschlicher Selbstermächtigung.
Victor Frankenstein ist von einer Idee besessen: Er möchte Leben erschaffen. Wissenschaftliche Erkenntnis und menschlicher Ehrgeiz treiben ihn dazu, eine Grenze zu überschreiten, die bislang unüberwindbar schien. Doch in dem Augenblick, in dem sein Experiment tatsächlich gelingt, wird aus dem erhofften Triumph eine Erfahrung des Kontrollverlusts.
Das von Frankenstein geschaffene Wesen wird lebendig. Sein Schöpfer ist jedoch nicht bereit, Verantwortung für das zu übernehmen, was er in die Welt gesetzt hat. Statt Stolz empfindet er Entsetzen – und versucht, sich von seiner eigenen Schöpfung abzuwenden.
Genau darin liegt einer der zentralen Konflikte von Mary Shelleys Geschichte. Denn das vermeintliche Monster ist nicht einfach als Monster geboren worden. Es sucht nach Orientierung, Nähe und einem Platz in der menschlichen Gesellschaft. Ablehnung und Einsamkeit prägen jedoch seine Begegnungen mit einer Welt, die ihm aufgrund seines Äußeren kaum eine Chance gibt.
Aus dem wissenschaftlichen Experiment entwickelt sich so ein Konflikt zwischen Schöpfer und Geschöpf. Frankenstein muss erkennen, dass die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, nicht automatisch bedeutet, auch die Konsequenzen dieser Schöpfung kontrollieren zu können.
Mary Shelley veröffentlichte ihren Roman „Frankenstein; or, The Modern Prometheus“ erstmals 1818. Mehr als zwei Jahrhunderte später gehört die Geschichte zu den einflussreichsten Stoffen der Literatur- und Popkulturgeschichte. Gleichzeitig haben ihre grundlegenden Fragen kaum an Aktualität verloren.
Was darf der Mensch erschaffen, nur weil er technisch dazu in der Lage ist? Wo beginnt die Verantwortung für etwas, das durch den eigenen wissenschaftlichen Fortschritt entstanden ist? Und was geschieht, wenn eine Entwicklung irgendwann nicht mehr kontrolliert werden kann?
Gerade in einer Gegenwart, die von rasanten technologischen Entwicklungen geprägt ist, erhält der Frankenstein-Mythos damit eine neue Dimension. Hoffnung und Erkenntnis stehen Überforderung und Kontrollverlust gegenüber – wissenschaftlicher Fortschritt erscheint zugleich als Möglichkeit und als Gefahr.
Für das Schlosstheater Celle bearbeitet Lothar Kittstein den Roman von Mary Shelley für die Bühne. Regie führt Andreas Döring, Bühne und Kostüme gestaltet Harm Naaijer. Die Produktion richtet sich an ein Publikum ab 15 Jahren. So wird „Frankenstein“ in Celle nicht nur zur Geschichte eines Wissenschaftlers und seines Geschöpfs, sondern zu einem Theaterabend über eine Frage, die seit Mary Shelleys Zeit immer wieder neu gestellt werden muss: Welche Verantwortung trägt der Mensch für das, was er erschafft?
Premiere 29. Januar
weitere Aufführungen: 6., 7., 10., 19., 20., 25., 27. und 28. Februar, 2., 3. und 12. März sowie 17. und 20. April 2027

