Alte ukrainische Volkslieder erhalten eine neue Stimme: Das Quartett LELÉKA lässt traditionelle Melodien in einer Klangwelt zwischen zeitgenössischem Jazz, improvisierter Musik und osteuropäischer Folklore aufleben. Im Sendesaal Bremen erzählt die Band von Erinnerung, kultureller Identität und der Kraft musikalischer Erneuerung.
Der Name LELÉKA bedeutet auf Ukrainisch „Storch“. In der ukrainischen Kultur gilt der Vogel als Symbol für Frühling, Hoffnung und neues Glück. Diese Vorstellung prägt auch das musikalische Selbstverständnis des Ensembles, das 2016 in Berlin von der Sängerin Viktoria Leléka gegründet wurde. Die Musiker stammen aus unterschiedlichen europäischen Ländern und bringen ihre individuellen musikalischen Erfahrungen in eine gemeinsame Klangsprache ein.
Den Ausgangspunkt bilden traditionelle ukrainische Lieder, deren Melodien häufig über Generationen mündlich weitergegeben wurden. Ihre Themen reichen von Liebe und familiären Beziehungen bis zu Krieg, Arbeit und gesellschaftlichen Erfahrungen. Manche dieser Stücke bestehen ursprünglich aus einer einzigen Melodielinie. LELÉKA erweitert sie um vielschichtige harmonische Strukturen, improvisatorische Passagen und rhythmische Entwicklungen, ohne ihren ursprünglichen Charakter aufzugeben.
Viktoria Lelékas Stimme besitzt eine außergewöhnliche Ausdrucksbreite. In manchen Momenten klingt sie beinahe zerbrechlich, in anderen entfaltet sie eine intensive, kraftvolle Präsenz. Der Pianist Povel Widestrand, der Kontrabassist Thomas Kolarczyk und der Schlagzeuger Jakob Hegner schaffen dazu eine flexible instrumentale Grundlage. Mal entwickeln sich aus einfachen Motiven dynamische Jazzpassagen, mal bleibt die Musik auf wenige zurückhaltende Klänge reduziert.
Seit seiner Gründung hat das Quartett zahlreiche Konzerte und Festivalauftritte in Deutschland und der Ukraine absolviert. Mehrere Auszeichnungen, darunter der erste Preis beim Europäischen Nachwuchs-Jazzpreis Burghausen 2018, unterstreichen die künstlerische Qualität des Ensembles. Mit dem Album „Sonce u Serci“, dessen Titel übersetzt „Sonne im Herzen“ bedeutet, rückte die Band die Hoffnung und das innere Licht auch in schwierigen Zeiten in den Mittelpunkt.
LELÉKA zeigt, wie lebendig musikalische Tradition sein kann, wenn sie nicht als unveränderliches Erbe betrachtet wird. Die ukrainischen Melodien werden zum Ausgangspunkt neuer musikalischer Erzählungen, die weit über geografische und stilistische Grenzen hinausreichen.
27. März 2027










