Mit dem neuen Kulturort ASPERDING 1 – Schauraum und Archiv Altenburg öffnet sich in Breitenschützing ein Ort, der weit über die Idee eines klassischen Schauraums hinausgeht. Der ehemalige Wohn- und Arbeitsort des Keramikkünstlers Franz Josef Altenburg wird zum lebendigen Archiv, Werkstatt und Resonanzraum zugleich – ein Vierkanthof, der Erinnerung nicht bewahrt, sondern weiterführt.

Die Idee hinter ASPERDING 1 ist ebenso einfach wie radikal: Das Werk soll dort sichtbar bleiben, wo es gewachsen ist. Getragen von den Töchtern Cäcilia Putschek, Amalia Coutinho Altenburg und Elisabeth Altenburg wird der Hof nicht musealisiert, sondern weitergeschrieben. „Wir möchten das Werk unseres Vaters dort sichtbar machen, wo es entstanden ist“, heißt es aus der Familie – ein Satz, der zugleich Programm und Haltung ist.

Franz Josef Altenburg © Michael Maritsch

Franz Josef Altenburg © Michael Maritsch

In enger Zusammenarbeit mit den Architektur-Diplomandinnen Julia Kley und Batja Ferch wurde der Ort behutsam transformiert. Keine glatte White-Cube-Ästhetik, sondern eine räumliche Übersetzung von Altenburgs Denken: modulare Strukturen, stapelbare Elemente, sichtbare Schichtungen. Materialien wie verzinkter Stahl und weiß geöltes Birkensperrholz greifen jene Klarheit auf, die auch seine Keramik prägt.
Franz Josef Altenburg, der 2021 verstorben ist, zählt zu den prägenden Stimmen der österreichischen Keramikkunst. Nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Graz und Stationen in Hallstatt und Gmunden entwickelte er eine konsequent reduzierte, fast architektonische Formensprache. Seine Werke entstehen aus Wiederholung: Stapel, Reihen, Schichtungen – ein ruhiger Rhythmus, der dem Material Zeit lässt, Bedeutung zu entfalten. Gerade diese Strenge wirkt heute erstaunlich aktuell. In einer Kunstwelt, die oft auf das Einzelne und Spektakuläre setzt, insistiert Altenburg auf Struktur, Geduld und das serielle Denken.
ASPERDING 1 versteht sich nicht als abgeschlossenes Denkmal, sondern als offenes System. Über die Sommermonate hinweg wird der Hof als Schauraum, Archiv und Werkstatt genutzt. Ein Programm aus Workshops, Ausstellungen und Begegnungen erweitert den Blick auf Keramik als lebendige Praxis.

Das Eröffnungswochenende 13. und 14. Juni 2026
Das Eröffnungswochenende am 13. und 14. Juni 2026 markiert den ersten großen Moment dieses neuen Ortes – und versteht sich weniger als feierlicher Schnitt, sondern vielmehr als offenes Hineinwachsen in einen kulturellen Prozess. Am Samstag, 13. Juni, beginnt das Programm um 11 Uhr mit einem offiziellen Festakt direkt am Hof. Nach der Begrüßung durch die Familie Altenburg treten Landeshauptmann Thomas Stelzer und Bürgermeister Christian Mader als Gäste auf und setzen damit auch ein sichtbares Zeichen für die regionale Bedeutung des Projekts. Im Anschluss wird das Konzept von ASPERDING 1 vorgestellt – nicht als fertige Institution, sondern als sich entwickelnder Ort zwischen Archiv, Atelier und Ausstellungsraum. Danach öffnet sich der Hof für erste gemeinsame Schritte in die Räume: Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die neu adaptierten Bereiche zu erkunden, in denen das Werk von Franz Josef Altenburg in seiner räumlichen Herkunft neu lesbar wird. Am Nachmittag verdichtet sich das Programm: In einer Lesung von Amalia Coutinho Altenburg tritt eine persönliche Stimme hinzu, die den Ort auch biografisch auflädt. Ergänzt wird sie durch einen musikalischen Beitrag der Trachtenmusikkapelle Neukirchen bei Lambach – ein Ensemble, mit dem die Familie Altenburg seit Jahren in nachbarschaftlicher Verbundenheit steht. Musik, Sprache und Raum treten dabei in einen unmittelbaren Dialog, der den Hof als sozialen Ort erfahrbar macht. Den inhaltlichen Abschluss des ersten Tages bildet ein Vortrag von Rainald Franz, Keramikexperte des MAK – Museum für angewandte Kunst, der das Werk von Franz Josef Altenburg kunsthistorisch einordnet und zugleich neue Perspektiven auf dessen Bedeutung für die zeitgenössische Keramikkunst eröffnet. Auch der zweite Tag des Wochenendes setzt auf Begegnung statt Distanz: Der Hof bleibt geöffnet, die Räume können erneut erlebt werden – weniger als Ausstellung im klassischen Sinn, sondern als begehbare Werkstruktur, die sich im Gehen erschließt.

ASPERDING 1 versteht sich damit von Beginn an als Ort im Werden. Die Architektur folgt diesem Gedanken mit modularen Strukturen, flexiblen Präsentationsformen und einer Materialität, die die Logik von Altenburgs Keramik aufnimmt: Stapelung, Schichtung, Wiederholung.
13. Juni bis 18. Oktober 2026
www.asperding.at

ASPERDING 1 © Batja Ferch

ASPERDING 1 © Batja Ferch