Im Diözesanmuseum Freising entfaltet sich mit der Ausstellung „Himmlisches Wiedersehen. Von Ludwig I. zum Blauen Reiter“ ein Panorama bayerischer Kunstgeschichte, das weit über die Grenzen eines klassischen Museumsrundgangs hinausweist. Zwischen religiöser Bildtradition und Aufbruch in die Moderne entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich Kunst, Kirche und gesellschaftlicher Wandel neu begegnen.

Die Ausstellung führt in das München des 19. Jahrhunderts – eine Stadt im Umbruch, in der politische Revolutionen, industrielle Entwicklung und romantische Sehnsucht nach Natur und Sinnstiftung aufeinandertreffen. Unter dem Einfluss von König Ludwig I. prägt zunächst ein ausgeprägtes Mäzenatentum die Kunstlandschaft, bevor sich diese zunehmend in vielfältige Strömungen auffächert: Spätnazarener, Realismus, Naturalismus, Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil markieren Etappen eines Jahrhunderts, das sich künstlerisch ständig neu erfindet. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch für die Kirche eine zentrale Frage neu: Wie lässt sich das Religiöse in einer sich wandelnden Bildsprache ausdrücken? Welche Formen können das Unsichtbare sichtbar machen, ohne seine Bedeutung zu verlieren? Die Ausstellung macht diesen Dialog zwischen Tradition und Erneuerung sichtbar – und zeigt, wie stark die religiöse Malerei am Vorabend der Moderne von diesen Spannungen geprägt ist.

Friedrich Overbeck, Die Madonna mit dem von der Passion träumenden Jesuskind und dem Johannes-Knaben, 1856, Öl auf Leinwand, Museum Georg Schäfer Schweinfurt

Friedrich Overbeck, Die Madonna mit dem von der Passion träumenden Jesuskind und dem Johannes-Knaben, 1856, Öl auf Leinwand, Museum Georg Schäfer Schweinfurt

Mit über 120 Werken aus mehr als 30 Museen und Privatsammlungen sowie bedeutenden Beständen des Museums selbst entsteht ein dichtes Netz künstlerischer Positionen. Namen wie Friedrich Overbeck, Peter von Cornelius, Marie Ellenrieder, Wilhelm von Kaulbach, Carl Spitzweg, Franz von Stuck, Lovis Corinth, Gabriele Münter oder Wassily Kandinsky stehen dabei für eine Entwicklung, die schließlich im Aufbruch des Der Blaue Reiter kulminiert. Zwischen religiöser Bildwelt und radikal neuer Formensprache spannt sich ein Bogen, der die Moderne vorbereitet – und zugleich ihre Wurzeln sichtbar macht.
Begleitet wird die Ausstellung durch einen Mediaguide, gesprochen von Schauspieler Axel Milberg. Im Sinne nachhaltiger Vermittlung setzt das Museum dabei auf „bring your own device“: Besucherinnen und Besucher können die Inhalte per QR-Code direkt auf dem eigenen Smartphone abrufen und mit eigenen Kopfhörern hören. Alternativ stehen Leihgeräte zur Verfügung.
So wird der Rundgang selbst zu einer vielstimmigen Erfahrung: Kunstwerke, Stimmen und Epochen treten in einen Dialog, der nicht nur historische Entwicklungen nachzeichnet, sondern die Frage stellt, wie Bilder heute noch von Glauben, Zweifel und Aufbruch erzählen können.
17. März bis 26. Juli 2026

Emilie Linder, Clemens Brentano, um 1837, Benediktinerabtei St. Bonifaz München

Emilie Linder, Clemens Brentano, um 1837, Benediktinerabtei St. Bonifaz München

Konzerte und Veranstaltungen: 
Ludwig I. von Bayern – Träume und Macht.
Eine Biografie (C.H. Beck-Verlag)
Vortrag von Marita Krauss, Historikerin, Professorin für Europäische Regionalgeschichte und freie Mitarbeiterin Bayerischer Rundfunk
24. April 2026, 17.30 Uhr

Die Gesetze des Lichts
Das erstaunliche Leben des Joseph von Fraunhofer – Ein bayerisches Genie (historischer Roman, Allitera-Verlag)
Autorenlesung und Gespräch mit Andreas M. Bräu (Autor) und Inge Breitenberger (Fraunhofer-Gesellschaft)
Musikalische Gestaltung: Sandra Rieger (Violine), Häns Czernik (Klarinette, Gitarre)
10. Mai 2026, 18 Uhr

Johann Sebastian Bach– Three or One
Feiertagskonzert mit Lena Neudauer (Violine), Anja Lechner (Violoncello), Fred Thomas (Klavier und Arrangements)
Christi Himmelfahrt, 14. Mai 2026, 11 Uhr

Himmlisches Wiedersehen – irdisches Sehnen
Friedrich W. J. Schelling & Caroline Schlegel-Schelling
Lesung mit Historikerin Alexandra Sophie Popst und Domrektor Marc-Aeilko Aris
Im 19. Jahrhundert bestimmen Männer die Geschicke von Kirche und Kunst. Das Bild dieser Männer aber ist unvollständig ohne den Blick in die intensiven Briefwechsel, die sie mit bedeutenden Frauen ihrer Zeit pflegten.
17. Mai 2026, 15 Uhr

Der Tod und das Mädchen und andere Werke.
Ein Kammerkonzert mit dem GOLDMUND-QUARTETT
17. Mai 2026, 18 Uhr

www.dimu-freising.de