Die Kunsthalle Rostock galt als Prestigeobjekt der DDR-Kulturpolitik. Sie war ursprünglich als reiner Ausstellungspavillon für die Präsentation der Biennale der Ostseeländer, Norwegens und Islands, welche ab 1969 alle zwei Jahre zur Rostocker Ostseewoche ausgerichtet wurde, vorgesehen. Der Gründungsdirektor, Dr. Horst Zimmermann, begann entgegen dieser Konzeption bereits im Jahr 1964 damit, eine eigene Sammlung für die Kunsthalle anzulegen, um das Haus in den darauffolgenden Jahren auch als Kunstmuseum zu etablieren. Die für ein Museum typischen Aufgabenbereiche des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns gehörten (und gehören auch heute noch) zu den Kernkompetenzen der Kunsthalle.
Die Sammlung der Kunsthalle bestand bis zum Jahr 1990 vorwiegend aus Graphiken, Plastiken und Malereien. Der Großteil des Bestands wurde zwischen den Jahren 1964 und 1990 erworben oder der Sammlung durch Schenkungen angegliedert. Zu verdanken ist die Sammlung den Bemühungen und Kontakten des Gründungsdirektors Dr. Horst Zimmermann. Schwerpunkte dieser Sammlung bilden regionale Kunst, Werke der Ostdeutschen Moderne und aus den Ostseeanrainerstaaten. Das Konvolut der Sammlung zählte bis zum Jahre 1990 gut 500 Gemälde, 200 Plastiken und 7.000 Grafiken.
In der Sammlung befinden sich bis heute auch druckgrafische Werke von Otto Dix, Max Liebermann, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz und Emil Orlik sowie Werke finnischer Künstler. Im Bereich Plastik sind beispielhaft Werke von Joachim Jastram, Fritz Cremer, Felix Droese, Hermann Glöckner und Werner Stötzer zu nennen. Selbstportraits, Landschaftsmalerei und die Abbildung des täglichen Arbeiterlebens dominieren die Werke im Malereibestand. Darunter befinden sich Gemälde von Oskar und Otto Manigk, Kate Diehn-Bitt, Rudolf Austen, Susanne Kandt-Horn und Carl Lohse.
Seit dem Jahr 2009 wird die Kunsthalle Rostock über einen privaten Trägerverein unter der Leitung von Dr. Jörg-Uwe Neumann geführt. National und international renommierte Künstler und Fotografen stellten seither in dem traditionsreichen Haus am Schwanenteich aus: unter ihnen Arno Rink, Gerhard Richter, Arnulf Rainer, Georg Baselitz, Richard Serra, Norbert Bisky und Eugenio Recuenco. Neben den bereits etablierten Künstlern legt das Team der Kunsthalle den Fokus auch auf junge Künstler und auf Arbeiten aus dem skandinavischen und baltischen Raum.

Perspektivenwechsel
Kunst nach 1945 aus den Sammlungen der Kunsthallen in Lübeck und Rostock.
Im Fokus dieser Doppelausstellung steht der gemeinsame Blick auf die Geschichte und die Entwicklung zweier Museen mit ihren Sammlungsbeständen der Kunst nach 1945. Mag die Entstehung beider Sammlungen Ideen und Haltungen verschiedener Gesellschaftssysteme gefolgt sein, weckt die geografische Nähe dieser Hansestädte – nicht zuletzt mit Lübeck als ehemaliger Grenzstadt – das Interesse, die beiden Häuser und ihre Sammlungen näher zu betrachten. Ausgewählte Werke aus den Beständen beider Museen werden zusammengeführt und in einen spannungsreichen Dialog gebracht. So gelingt es, neue Perspektiven auf die jeweils eigene Sammlung zu eröffnen und gleichzeitig einen Einblick in den Bestand des Partnermuseums zu erhalten. Weiterhin lassen sich Fragen über die Kunst und ihre Wahrnehmung in Ost- und Westdeutschland vor und nach 1990 stellen. Über den Vergleich verschiedener Sammlungsphilosophien wird schließlich der gesellschaftliche Diskurs hinsichtlich aktueller Fragestellungen angeregt.
10. November bis 23. Januar 2022

Sergei Tchoban
Futuristiche Utopie oder Realität
In seinen Zeichnungen untersucht Sergei Tchoban die realen und imaginären Strukturen urbaner Städte. Die Kontraste zwischen zeitgenössischer Architektursprache und historischen Gebäudestrukturen mit ihren reichen Texturen sind für Tchoban ausschlaggebend, um dem Betrachter Variationen seiner urbanen Umgebung erfahrbar zu machen. Einige seiner Zeichnungen zeigen Städte im Wasser, die in einem einfallsreichen Tagebuch eines Reisenden festgehalten sind. Weitere Arbeiten integrieren urbane Visionen mit fantasiereichen Elementen wie Glasbrücken. Die Erforschung von Theater, Bühne und Ausstellungsdesign ist ebenfalls Teil seiner künstlerischen Arbeit.

Ausstellung „Sergei Tchoban, Futuristiche Utopie oder Realität” © Sergei Tchoban

Ausstellung „Sergei Tchoban, Futuristiche Utopie oder Realität” © Sergei Tchoban

Die Bühnenbildzeichnungen und die Pastellzeichnungen zeigen die monumentale Beziehung zwischen der Architektur und der sowjetischen Vergangenheit seines Landes. Dennoch steht nicht nur die Geschichte im Mittelpunkt des Werkes des Künstlers; Tchoban setzt sich zudem mit dem Thema auseinander, wie zeitgenössische Architektur in historischen städtischen Kontexten existieren und neue architektonische Visionen eine Rolle bei der Schaffung in der Kreation eines zukünftigen Erbes spielen kann.
Der russisch-deutsche Künstler und Architekt Sergei Tchoban untersucht in seinen Arbeiten die Betrachtungsweise der Architektur auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kulturreicher Städte und Soziodemographie der Menschheit. Für seine Einzelausstellung in der Kunsthalle Rostock wird durch Tereza de Arrudas Projektvorschlag eine Auswahl von Zeichnungen, die in den letzten Jahren realisiert wurden, präsentiert. Im Rahmen dieser Ausstellung wurde ein einzigartiger Überblick seiner Produktion geschaffen, einschließlich einer Auswahl von Werken, die erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die von der Kunsthistorikerin Tereza de Arruda kuratierte Ausstellung wird etwa 30 Zeichnungen und Abbildungen von realisierten Bauwerken des Künstlers in der Kunsthalle Rostock präsentieren.
Sergei Tchoban studierte an der Architekturabteilung der Akademie der Künste in Sankt Petersburg, Russland, bevor er 1991 nach Deutschland zog. Während seiner Tätigkeit als Architekt realisierte er bedeutende Gebäude für Berlin, Moskau und St. Petersburg. Im Jahr 2009 gründete er die Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung, mit dem Ziel Ausstellungen mit Zeichnungen relevanter Architekten und Protagonisten, die weltweit im Architekturbereich tätig sind, zu erhalten und zu präsentieren. Tchoban arbeitet nicht nur als Architekt, sondern auch als Kurator und Architekturzeichner. 2010 wurde Sergei Tchoban zum Kurator des russischen Pavillons der XII. Architekturbiennale in Venedig gewählt. Seine künstlerischen Arbeiten wurden weltweit in Gruppen- und Einzelausstellungen präsentiert. Seine Architekturzeichnungen befinden sich in der Sammlung des Victoria & Albert Museums in London, der Akademie der Künste in Berlin, der Eremitage in Sankt Petersburg, des Oscar Niemeyer Museums in Curitiba, Deutschen Architektur Museum in Frankfurt a.M., Albertina in Wien, Kunstbibliothek Berlin, Instituto Centrale per la Grafica in Rom und in zahlreichen Privatsammlungen.
4. Dezember 2021 bis 23. Januar 2022

www.kunsthallerostock.de