Die STEIERMARK SCHAU setzt mit einer innovativen Neuinterpretation der traditionellen Landesausstellungen alle zwei Jahre gesellschaftlich bedeutende Themen aus künstlerischer und wissenschaftlicher Perspektive in Szene. Das vom Land Steiermark im Jahr 2021 ins Leben gerufene Format wird auch in seiner dritten Auflage vom Universalmuseum Joanneum umgesetzt. Nachdem sich die erste Ausgabe auf die Entwicklung, Identität und Zukunft der Steiermark konzentrierte, erkundete die zweite Ausgabe im Jahr 2023 die Vielfalt des Lebens am Hauptstandort Tierwelt Herberstein. Die neue STEIERMARK SCHAU taucht tief in die Welt der Eggenberger ein und eröffnet Parallelen zu unserer heutigen Zeit. Unter dem Titel Ambition & Illusion verwandelt sich Schloss Eggenberg mit Ende April 2025 zum Schauplatz der dritten STEIERMARK SCHAU. Das UNESCO-Welterbe sowie alle Museen vor Ort laden ihre Besucherinnen und Besucher dazu ein, einen unverfälschten Blick auf die Geschichte des Schlosses und all seiner Bewohner und Bewohner zu werfen. Zudem wird die Schau 2025 von insgesamt drei Pavillons komplettiert, die unter dem Titel History Repeating? Künstlerische Positionen versammeln und eine neue Rezeption der Vergangenheit ermöglichen.
Ehrgeiz & Illusion
Ehrgeiz galt als bestimmende Eigenschaft des begabten und zielstrebigen ersten Fürsten Hans Ulrich von Eggenberg (1568–1634). Als kaiserlicher Statthalter in Innerösterreich hat der Spross einer zuvor unbedeutenden steirischen Patrizierfamilie 1625 den Höhepunkt einer unglaublichen Karriere erreicht. Im selben Jahr erteilte Hans Ulrich den Auftrag zur Errichtung eines neuen Residenzschlosses in Graz. Dieser Baubeginn jährt sich 2025 zum 400. Mal und ist Anlass für ein außergewöhnliches Ausstellungsprojekt. Ein großes Maß an Ambition birgt der Schlossbau selbst. Hans Ulrich von Eggenberg ließ sich ein spanisch inspiriertes Königsschloss bauen, das als politisches Manifest und symbolische Utopie von Frieden und Ordnung seine gute Regierung zum Ausdruck bringen sollte. Auch seine Nachkommen führen diese Illusion eines Goldenen Zeitalters weiter, obwohl die Realität von Not und Zerfall bestimmt war. Bis heute zeugt das Schloss von Ruhm und Ehre der Familie Eggenberg. Die Ausstellung führt zurück in die Zeit der Eggenberger – eine krisenhafte Wendezeit voller Gefahren, aber auch voller Chancen. Ihr barockes Schloss ist kein Wohnhaus, sondern eine riesige Theaterbühne. Regie führt hier das Hofzeremoniell. Man kann Eggenberg auch als großes Schauspiel lesen. Prunkräume und Planetensaal nehmen dabei ihre ursprüngliche Rolle ein: Sie werden zu Bühnen für die große Inszenierung einer fürstlichen Familie, die es geschafft hat, ihr Scheitern mithilfe eines Kunstwerkes zur ewigen Erfolgsgeschichte zu formen. Die STEIERMARK SCHAU im Schloss Eggenberg holt neben den Einheimischen auch jene Menschen vor den Vorhang, die den Hof geformt haben, und erzählt von ihren Lebenswelten.

2025 zeigt die STEIERMARK SCHAU Schloss Eggenberg in neuem Licht. Grafik: Studio Louter
Die Eggenberger und das Geld
Im Jahr 1625 verliehene Kaiser Ferdinand II. Hans Ulrich von Eggenberg und sein Nachkommen das Privileg, Gold- und Silbermünzen mit ihren eigenen Bildnissen und Namen zu prägen. Knapp über 60 Jahre lang macht die Eggenberger von ihrem Prägerechten Gebrauch und stellt Dukaten, Taler, Gulden und Groschen her. Heute sind diese Münzen einzigartige Raritäten. Das Münzkabinett verfügt durch seine weit im 19. Jahrhundert zurückreichende Sammlungsgeschichte über hervorragende Zeugnisse für die Prägetätigkeit der Eggenberger.
In der Ausstellung zur STEIERMARK SCHAU 2025 werden Aufstieg, Glanz und Niedergang der Dynastie der Eggenberger anhand dieser Münzen dargestellt. Darüber hinaus werden Beispiele für die Vielfalt der Münzprägung im Heiligen Römischen Reich des 17. Jahrhunderts präsentiert.

Hans Ulrich von Eggenberg, Zehnfacher Dukat, 1629, Vorderseite, Foto: Universalmuseum Joanneum/N.Lackner
Graz 1699
Die Sonderausstellung Graz 1699 im Archäologiemuseum entführt die Besucher*innen in die lebendige Atmosphäre der Stadt Graz im 17. Jahrhundert: Im Mittelpunkt steht eine digitale Rekonstruktion des barocken Graz, die auf historischen Kupferstichen basiert und durch ausgewählte archäologische Funde aus der Grazer Innenstadt und von Schloss Eggenberg bereichert wird.
Für Grazerinnen und Grazer wird die Visualisierung einen besonderen Wiedererkennungswert haben: Einige ikonische Gebäude wie jene am Grazer Hauptplatz existieren noch heute, während andere längst verschwunden sind. Diese innovative Präsentation schlägt eine Brücke zwischen der Welterstätte Schloss Eggenberg und den pulsierenden Herzen des historischen Zentrums von Graz. Die Ausstellung ermöglicht es den Besucher*innen, einen Teil der reichen Geschichte der Landeshauptstadt auf eine völlig neue, fesselnde Weise zu erleben.

Digitale Rekonstruktion der ehemaligen Befestigungsanlagen am Schlossberg von Graz, Grafik: Universalmuseum Joanneum/I. Slamar
Die drei Pavillons der STEIERMARK SCHAU 2025 History Repeating?
Die diesjährige STEIERMARK SCHAU wird von insgesamt drei Pavillons begleitet, die bis Ende März 2025 am Wiener Heldenplatz zu sehen waren, bevor sie ihre Reise in die Steiermark und über die Landesgrenzen angetreten haben. Das architektonische Konzept stammt von der Grazer Architektengruppe studioWG3, kuratiert wird die Ausstellung mit dem Titel History Repeating? von Günther Holler-Schuster und zu sehen bzw. Zu hören sind Werke von rund 20 Künstlerinnen und Künstlern. Die Pavillons der STEIERMARK SCHAU stellen rückblickend auf die Zeit des Barocks und von Schloss Eggenberg die Frage, ob sich historische Krisenzyklen in der Gegenwart wiederholen: Die Ausstellung History Repeating? greift die turbulente Entstehungsschichte von Schloss Eggenberg, geprägt durch den reißigjährigen Krieg, den Finanzskandale und die Kleine Eiszeit, auf und zieht Parallelen zu aktuellen globalen Herausforderungen wie kriegerischen Konflikten, wirtschaftlichen Fehlentwicklungen, zunehmender Erwerbsarmut sowie dem anthropogenen Klimawandel. Diese Parallelen werden von den Künstlerinnen und Künstlern in ihren Arbeiten in den drei Pavillons aufgegriffen.
Musik-Pavillon – Barocke Theatralik
In jenem Pavillon, der während der gesamten Laufzeit der Schau im Schlosspark Eggenberg zu sehen sein wird, spielt Musik eine zentrale Rolle, architektonisch greift er die barocke Theatralik und die Ästhetik des Gartenpavillons auf. Der Komponist Klaus Lang hat sich mit der am Eggenberger Hof komponierten Musik und den Emblemen, die in den Deckengemälden des Schlosses eingebunden sind, beschäftigt. Diese Embleme dienten zur Erziehung und Erbauung der adeligen Jugend, waren also nicht nur intellektuelle Rätsel, sondern auch Handlungsanweisungen. Die Idee von Erwin Wurms „One Minute Sculptures“ bzw. Grundsätzlich steht die Performativität seiner Kunst im Zusammenhang mit barocker Theatralik. Wurms Skulpturen bilden eine imaginäre Hofgesellschaft, deren psychische Disposition allerdings ins Wanken geraten zu sein scheint.
26. April bis 2. November 2025 im Schlosspark Eggenberg

Erwin Wurm, Big Psycho (Psychos), 2010 im Musik-Pavillon, Foto: Universalmuseum Joanneum/JJ Kucek © Bildrecht Wien, 2025
Steiermark-Pavillon – Tradition und Moderne
Ein stilisiertes Gebirge symbolisiert hier die Topografie der Steiermark. Herbert Brandl gestaltete dieses in der Tradition der Panoramamalerei. Das monumentale Gemälde führt das Publikum zu den Schönheiten der Alpenlandschaft, erinnert aber auch an die Stürme der turbulenten Geschichte des Landes. Die beiden Standorte dieses Pavillons, Mariazell und Leoben, liegen in ausgedehntem Waldland mit ausgeprägter Forstwirtschaft, auf die sich auch Werke in den Pavillons beziehen. Constantin Lusers akustischer Baum und seine Trompetenfiguren eröffnen einen kulturellen Raum, in dem sich der regionale Kontext auf mehrfache Weise abbildet. Das Duo Plateau Residue greift den Umgang mit Ressourcen am Beispiel der Forstwirtschaft auf. Karoline Rudolf und Antonia Jeitler befassen sich in ihren Arbeiten mit der Präsentationsform des Denkmals. Der Sockel, der die Figur üblicherweise erhebt und exponiert, wird bei Rudolf zum instabilen Terrain, auf dem sich die Künstlerin den Turbulenzen der Realität widersetzt. Jeitlers Porträts von anonymen, in der Gesellschaft unsichtbar bleibenden Menschen zeugen von der Fragilität des Selbstbildes und vom möglichen Ausgesetzt-Sein am exponierten Platz: dem Podest.
Es ist auch immer wieder die Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne, die in der Kunst zum Ausdruck kommt – regionale Aspekte vor dem Hintergrund der globalen Realität. Das wird auch in Mito Gegičs Videoarbeit sichtbar, in der eine gigantische Abrissbirne zwischen zwei jungen Menschen in folkloristischer Kleidung von einem Monitor zum anderen schwingt. 1. Mai bis 28. Juli 2025 in Mariazell
20. August bis 31. Oktober 2025 in Leoben

Steiermark-Pavillon mit Herbert Brandl, Gebirge, 2025, Acryl auf Holz, 180 m2, Foto: Universalmuseum Joanneum/JJ Kucek
Alpen-Adria-Pavillon – Regionale Identitäten
Die Alpen-Adria-Region ist durch eine gemeinsame Geschichte verbunden, zugleich aber von schwer beizulegenden historischen Konflikten geprägt. Bis 1918 war sie Teil der Habsburgermonarchie, nach dem Zweiten Weltkrieg die Grenzregion zwischen Österreich, Italien und Jugoslawien. Die neue geopolitische Ordnung nach 1945 bewirkte die territoriale Zerstückelung der Region und eine wechselseitige Abgrenzung der in ihr lebenden Menschen. Aus dieser Geschichte ergibt sich auch die architektonische Dreiteilung dieses Pavillons. Die künstlerischen Beiträge reflektieren indirekt die historische Verbindung von Graz zu „Innerösterreich“ und den „Trigon-Gedanken“ der 1960er-Jahre, indem sie den regionalen Kontext erweitern und kulturpolitisch neu verorten. Franz Kapfer setzt sich mit der historischen Bedeutung des Steirischen Panthers auseinander und nutzt das Schattenspiel als künstlerisches Medium, um dessen symbolische Transformation im Laufe der Zeit darzustellen. Christof Neugebauer inszeniert Maskarons fotografisch und akustisch neu, sodass das Publikum interaktiv mit ihnen kommunizieren kann – eine spielerische Auseinandersetzung mit historischen Symbolen des Aberglaubens. Milica Tomić nutzt geometrische Abstraktion, inspiriert von statistischer Forschung, um historische Eigentumsverhältnisse in der Steiermark (1938–1950) visuell zu rekonfigurieren. Total Refusal setzt den barocken Garten als Symbol für gezähmte Natur in Beziehung zur Ästhetik moderner Videospiele und untersucht, wie sich historische Ideale und digitale Spielwelten gegenseitig beeinflussen. Lena Violetta Leitner reflektierte mit ihrem satirischen Integrationszentrum für Migrierte Pflanzen (IZMP) globale Migrationsprozesse, indem sie invasive Pflanzen als Metapher für gesellschaftliche Debatten um Anpassung und Zugehörigkeit inszeniert. Michael Pöllinger verbindet Natur, Tradition und Handwerkswissen mit zeitgenössischen Fragestellungen, um problematische Begriffe wie Heimat und Brauchtum neu zu interpretieren. Andreas Heller nutzt architektonische Elemente wie Zäune als skulpturale Objekte, um historische Formensprache mit aktuellen Themen wie Xenophobie, Abgrenzung und Abschottung zu verknüpfen.
Der Alpen-Adria-Pavillon reist nach Ljubljana.

Ausstellungsansicht Alpen-Adria-Pavillon mit Lena Violetta Leitner, Schauraum des IZMP, 2025 (Links) und Skulpturen von Andreas Heller (rechts)
Foto: Universalmuseum Joanneum/JJ Kucek © Bildrecht Wien, 2025
STEIERMARK SCHAU
26. April bis 2. November 2025
www.museum-joanneum.at