Überwältigend eindrucksvoll ist das Markgräfliche Opernhaus in all seiner barocken Üppigkeit, mit goldglänzenden Fresken und Gemälden in schillernder Farbenpracht. Weitgehend unbekannt aber auch, im Gegensatz zum Bayreuther Festspielhaus, seinem berühmten Nachbarn. Das soll sich ändern. In diesem Jahr bekommt es sein eigenes Format: das Festival Bayreuth Baroque.

Markgräfin Wilhelmine war es gewesen, die das Haus Mitte des 18. Jahrhunderts nach dem Vorbild eines italienischen Logentheaters bauen ließ. Mit der illusionistischen Dekorationsmalerei, der Fürstenloge und dem von Säulen gerahmten Bühnenportal wurde das „Markgräfliche“ zu einem architektonischen Abbild der absolutistischen Gesellschaft und zum wichtigsten Schauplatz höfischer Repräsentation. Anlässlich der Vermählung von Wilhelmines einziger Tochter im September 1748 wurde es mit gleich zwei italienischen Opern eingeweiht. Im Jahr 2012 kürte die UNESCO das Opernhaus zum Weltkulturerbe, es wurde vorübergehend geschlossen und restauriert. Die barocke Bühnenmechanik ist mittlerweile verschwunden, erhalten geblieben ist die fantastische Festarchitektur des Saals.

Im Mittelpunkt von Bayreuth Baroque stehen jene musikalische Formen, denen die Bestimmung des Hauses entspricht: die Opere serie. Mit Leonardo Vincis Gismondo, Re di Polonia und Nicola Porporas Carlo il Calvo holt das Festival zwei in nachbarocker Zeit kaum gespielte Werke auf die Bühne. Die beiden neapolitanischen Komponisten waren zu Lebzeiten keine Unbekannten, vielmehr zwei der bedeutendsten Vertreter ihrer Gattung. Ihre Musik hat das Erscheinungsbild der Oper im 18. Jahrhundert entscheidend geprägt.
Die Wiederentdeckung von in Vergessenheit geratener Barockmusik ist dem Countertenor Max Emanuel Cencic ein großes Anliegen. Er ist der künstlerische Leiter des Opernfestivals, dessen Programm auch Konzertgenuss verspricht. Für Bayreuth Baroque konnte Cencic renommierte Künstler und Künstlerinnen aus aller Welt gewinnen, darunter Joyce DiDonato, Franco Faioli und Julia Lezhneva. Mit Werken von Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und John Dowland holen sie die barocke Lebenslust ins 21. Jahrhundert.
3. bis 13. September 2020

www.bayreuthbaroque.de