Mit der Übernahme der künstlerisch-wissenschaftlichen Leitung setzt Verena Kaspar-Eisert ab 2026 neue Akzente in der Heidi Horten Collection und präsentiert ein Programm, das Sammlung, Forschung und Vermittlung eng miteinander verbindet. „Die Heidi Horten Collection soll ein Ort sein, an dem Neugier geweckt wird, Lust am Sehen und Erfahren entsteht und die Freude an der Auseinandersetzung mit Kunst geteilt werden kann“, so Kaspar-Eisert. Die Ausstellungspraxis orientiert sich dabei an einer zeitgemäßen Neubetrachtung der Sammlung: Historische Werke werden aus heutiger Perspektive neu gelesen und mit Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler in Dialog gesetzt. Ein besonderer Fokus liegt auf der Sichtbarmachung weiblicher Stimmen und auf verantwortungsvoller Sammlungsarbeit, die Provenienz, historische Kontexte und institutionelle Verantwortung berücksichtigt.
Den Auftakt dieser Neuausrichtung bildet die Ausstellung „ANIMALIA. Von Tieren und Menschen“. Sie untersucht das vielschichtige Verhältnis von Mensch und Tier anhand von über 100 Werken des 20. und 21. Jahrhunderts und wirft einen kritischen Blick auf Macht, Projektion und gesellschaftliche Strukturen. Ausgangspunkt ist der Begriff Animalia, der aus der Biologie stammt und vom Naturforscher Carl von Linné geprägt wurde. Ursprünglich umfasst er Mensch und Tier gleichermaßen. Die Ausstellung kontrastiert diese Gleichrangigkeit mit der realen Hierarchie, die Menschen gegenüber Tieren einnehmen: Der Mensch erhebt sich als vermeintlicher Höhepunkt der Evolution über die tierische Welt und schreibt dem Tier verschiedene Rollen zu. Die künstlerischen Darstellungen spiegeln dabei nicht nur die Zuschreibungen des Menschen wider, sondern eröffnen auch Erkenntnisse über Selbstbild, kulturelle Werte und soziale Dynamiken.

François-Xavier Lalanne, Singe Avisé (très grand), 2005/2008 © Heidi Horten Collection, © Bildrecht, Wien, 2026
Von der Vermenschlichung über die Instrumentalisierung bis hin zur Ausbeutung des Tiers – die Werke zeigen die vielfältigen Facetten der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Gleichzeitig lotet „ANIMALIA“ ein gedankliches Experiment aus: Tiere als Mitgeschöpfe und Mitakteure, nicht nur als Objekte menschlicher Projektion, zu denken und ein gemeinsames Leben in einer erweiterten Perspektive zu reflektieren.
Die Ausstellung vereint historische und zeitgenössische Positionen internationaler Künstlerinnen und Künstler: Karel Appel, Georg Baselitz, Cosima von Bonin, Marc Chagall, Damien Hirst, Helene Funke, François-Xavier Lalanne, Maria Lassnig, Pablo Picasso, Andy Warhol und viele weitere prägen das facettenreiche Bild. Skulptur, Malerei, Installation, Fotografie und Medienkunst begegnen einander auf etwa 1.500 Quadratmetern und eröffnen neue Sichtweisen auf das Spannungsfeld zwischen Mensch und Tier.
„ANIMALIA“ lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, die gewohnten Sehgewohnheiten zu hinterfragen, sich mit ethischen und historischen Dimensionen auseinanderzusetzen und die Freude an der Beobachtung künstlerischer Ausdrucksformen neu zu entdecken. Die Ausstellung beweist, dass Kunst nicht nur Abbild, sondern auch Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse ist – und dass in der Begegnung mit Tieren stets auch eine Auseinandersetzung mit uns selbst steckt.
27. März bis 30. August 2026
https://hortencollection.com

Marc Chagall, L’âne vert, ca. 1936, Heidi Horten Collection, © Bildrecht, Wien, 2026







