Er peitscht das Meer, fängt Blitze ein oder lässt Bäume scheinbar in Flammen stehen – Julius von Bismarck sucht die unmittelbare Konfrontation mit den Kräften der Natur. Seine Kunst bewegt sich zwischen Wissenschaft, Technik und Poesie, zwischen Experiment und großer Geste. Mit der Ausstellung „Normale Katastrophe“ widmet das KunstHausWien dem deutschen Künstler (*1983) nun die erste große institutionelle Einzelausstellung in Österreich.
Der Titel ist Programm: Von Bismarck zeigt eine Welt, in der Katastrophen längst zum Normalzustand geworden sind. Feuer, Wasser, Sturm – Naturgewalten, die einst als Ausnahme galten, prägen heute eine Realität, in der Klimakrise, Umweltzerstörung und gesellschaftliche Umbrüche nicht mehr zu übersehen sind. Seine Arbeiten machen dieses Spannungsfeld sichtbar, ohne zu belehren. Sie erzeugen Staunen, Irritation und Kontemplation zugleich.
Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl aus fünfzehn Jahren künstlerischen Schaffens: Fotografien, Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen, die allesamt den Dialog mit Naturgewalten suchen. Besonders eindrucksvoll ist die eigens für den begrünten Innenhof entwickelte Intervention: rotierende LED-Leuchten, die den Eindruck erwecken, als würden einzelne Bäume in Flammen stehen. Es ist ein ebenso faszinierendes wie verstörendes Bild, das die fragile Grenze zwischen Schönheit und Bedrohung, Naturerfahrung und technischer Manipulation aufzeigt.
Von Bismarcks künstlerische Forschung ist handlungsorientiert. Oft entstehen seine Arbeiten in riskanten Versuchsanordnungen, die körperlichen Einsatz und wissenschaftliche Präzision erfordern.

Ausstellungsansicht „JULIUS VON BISMARCK. Normale Katastrophe” © KunstHausWien / Photo: Sandro E.E. Zanzinger
Die Ergebnisse sind Bilder von irritierender Schönheit, die mit tradierten Vorstellungen von Natur brechen. Ob als romantisches Idyll, ökonomische Ressource oder strafende Instanz – die alten Narrative geraten ins Wanken. „Ich versuche, die tradierten Bilder zu zerstören und neue zu schaffen“, sagt der Künstler selbst. Dabei geht es ihm weniger um Erklärung als um Erfahrung. Seine Werke eröffnen visuelle Räume, die dazu einladen, unsere Wahrnehmung von Natur zu hinterfragen – und damit auch unser Handeln. Denn was wir als „Natur“ verstehen, ist immer auch kulturell geprägt, durch Bilder, Mythen und Geschichten vermittelt.
„Normale Katastrophe“ ist ein eindringliches Plädoyer, hinzusehen: auf die Macht der Elemente, auf die Verletzlichkeit der Erde – und auf die Verantwortung des Menschen inmitten dieser Kräfte.
10. September 2025 bis 8. März 2026
www.kunsthauswien.com






